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Gelungene PR-Aktion : „Die Schönheit unseres Dorfes ist nun weltberühmt“

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Verbotstafel in der Schweizer Gemeinde Bergün: Der Hintergrund ist sicherheitshalber verpixelt Bild: dpa

Leben die Menschen im Schweizer Bergün hinterm Berg? Das dachten viele, als der Gemeinderat ein Fotografierverbot erließ, um Nutzer von sozialen Medien nicht neidisch und unglücklich zu machen. Die Aufregung war aber Teil des Plans.

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          Der Bergüner Gemeindepräsident ist glücklich: „Die Schönheit unseres Dorfes ist nun weltberühmt“, sagt Peter Nicolay in einem Video, das die Gemeinde am Mittwoch veröffentlichte. „Millionen von Menschen haben sich in den vergangenen zwei Tagen für uns interessiert.“ Geschafft haben die Schweizer das mit einem kalkulierten Shitstorm: Am Montag beschloss der Gemeinderat ein Fotografierverbot, in dem malerischen Schweizer Touristendorf in der Nähe von St. Moritz wurden daraufhin Schilder mit einer durchgestrichenen Kamera aufgestellt: „Herzliches Fotografierverbot“, war darauf zu lesen. Warum? Laut Gemeindemitteilung sei es wissenschaftlich erwiesen, „dass schöne Ferienfotos auf Social Media die Betrachter unglücklich machen, weil sie selbst gerade nicht vor Ort sein können“. Dem habe die Bergüner Bevölkerung entgegenwirken wirken wollen. 

          Sonderbewilligung für Alle : In Bergün darf wieder fotografiert werden

          Das skurrile Verbot erfüllte schnell seinen eigentlichen Zweck: Die Boulevardzeitung „Blick“ regte sich am Mittwoch auf, außerdem berichtete „The Sun“, „Lonely Planet“, und sogar der umstrittene russische Sender RT Deutsch. Weil verbotene Früchte am besten schmecken, wurden auch fleißig Bilder des Orts veröffentlicht, die viele Leute sonst nie zu Gesicht bekommen hätten.

          Die Gemeinde hat die Schlagzeilen gesammelt – und stolz verschickt
          Die Gemeinde hat die Schlagzeilen gesammelt – und stolz verschickt : Bild: GEMEINDE BERGÜN

          Die Bergüner hielten eine Weile still, sammelten die Artikel – und lösten den Spaß am Mittwoch auf. Die Gemeinde stellte das Video auf Youtube, in dem der Bürgermeister erzählt, dass sich viele Menschen über das Verbot aufgeregt hätten, was er natürlich völlig verstehe: „Unser Ort ist einfach so schön, dass es unmöglich ist, hier keine Fotos zu machen.“ Er stelle deswegen ab sofort eine kollektive Sonderbewilligung aus: „Das Fotografieren ist wieder erlaubt.“ Man solle doch bitte nur ein bisschen an die Menschen zu Hause denken, bevor man die Bilder in den sozialen Netzwerken teile.

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