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Ein Abend beim Lachyoga : Lachen auf Befehl

Laurenz Menzinger veranstaltet einmal pro Woche Kurse in Lachyoga Bild: Slesiona, Patrick

In einem Club im Frankfurter Nordend trifft man sich einmal in der Woche zum Lachen. Beim Lachyoga sollen die Teilnehmer für eine Stunde dem Alltag entfliehen. Der Leiter der Übung, Laurenz Menzinger, hat beim indischen Lach-Guru Madan Katasria gelernt.

          Marianne Köhler hat bei der Arbeit nicht viel zu lachen, sagt sie. Und man glaubt es ihr. Zwischen ihren Augen zieht sich eine Furche. Ihr Mund ist angespannt, die blonden Haare sind streng zurückgenommen. Marianne Köhler wirbelt in den Raum, als stünde sie auch jetzt noch unter Termindruck, und lässt sich in einen Korbsessel fallen. Sie ist gekommen, um zu lachen. So wie etwa 20 andere, die ihrem Alltag eine Stunde lang entfliehen wollen.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Der Kurs im Frankfurter Nordend beginnt jede Woche gleich: Alle laufen durcheinander, atmen ein und aus, klatschen in die Hände und rufen dabei laut „Hohoho“ und „Hahaha“. Wenn sie das geschafft haben, loben sie sich selbst: „Sehr gut! Sehr gut! Yeah!“ Beim „Yeah!“ springen alle in die Höhe. Die Übung führt Yoga-Leiter Laurenz Menzinger. Er hat seine Ausbildung beim indischen Lach-Guru Madan Kataria gemacht. Kataria hat 1995 seinen ersten Lachclub in Indien gegründet. Er gilt als Erfinder des Lach-Yoga.

          Madan Kataria Jünger pilgern bis nach Bombay

          Was er sich ausgedacht hat, ist simpel: Dehn- und Atemübungen aus dem Yoga werden mit pantomimischen Übungen verbunden, die zum Lachen bringen sollen. Seine Jünger pilgern bis nach Bombay, um sich in der Praxis ausbilden zu lassen. So auch Laurenz Menzinger. Auf seine Website hat er zwei Fotos gestellt, auf denen er freundschaftlich den Arm um Kataria legt. Beide lachen.

          Menzinger kann das sogar auf Befehl. Die Kursteilnehmer noch nicht. Deshalb sollen sie das Gelächter solange vortäuschen, bis es zu einem echten wird. Der Reihe nach macht jeder ein Lachen vor, einige kichern, manche glucksen, andere prusten los. Die meisten sind noch ein bisschen steif, eine Atmosphäre wie beim Vorspielen im Schülertheater. Kursleiter Menzinger gibt die nächste Übung vor: Kauderwelsch. Das soll dagegen helfen, „zu viel im Kopf zu sein“.

          Alle diskutieren wild in Phantasiesprachen. Danach werfen sie sich imaginierte bunte Bälle zu. Menzinger schließt derweil seinen Ipod an und sucht Salsa-Klänge aus. Er verteilt Rasseln, die Frauen wackeln mit den Hüften. Ab und an macht jemand die Eingangstür auf, um etwas frische Luft hinein zu lassen. Man kann das Treiben von der Straße durch das bodentiefe Fenster beobachten. Es sieht aus, als wäre im Salsa-Unterricht die Anarchie ausgebrochen.

          Anwohner sind das gewohnt

          Die Anwohner sind das gewohnt. Den Verein „Glück ist jetzt!“ gibt es hier schon länger. Vor dem Laden parkt meist ein VW-Bus, bunt bemalt, als stehe er dort seit den siebziger Jahren. Jemand hat „Happy Germany Platz“ auf ein Schild geschrieben und es vor der Tür aufgestellt. Statt Visitenkarten liegen drinnen gelbe Schaumstoffblumen aus, auf die in leuchtendem Grün „Glück ist jetzt!“ gestempelt ist.

          Wie glücklich sind die Teilnehmer, wenn sie zum Lachen in einen Kurs kommen müssen? Die meisten antworten, dass sie privat nicht viel zu lachen hätten. Der Kurs ist für sie Stressabbau, Pause von privaten Problemen und Therapie gegen Einsamkeit. Wirkt das? Frau Köhlers Gesicht ist nach einer Stunde rosig. Die Furche zwischen den Augen ist verschwunden. „Wirklich?“, fragt sie. Nur wenigen erzählt sie, dass sie zum Lach-Yoga geht. Sie arbeitet in der Verwaltung und hat dort nicht viel zu lachen, sagt sie. Und man glaubt es ihr gern.

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