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Von Straßburg nach Mainz : Ehemalige Sexarbeiterin marschiert gegen sexuelle Ausbeutung

  • -Aktualisiert am

Zu Fuß von Straßburg nach Mainz: Die ehemalige Sexarbeiterin Rosen Hicher will mit ihrem Marsch gegen sexuelle Ausbeutung protestieren. Bild: Sina Magdalene Schmeiter

Seit einer Woche ist Rosen Hicher zu Fuß unterwegs. Ihr Marsch hat eine klare Botschaft.

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          Um acht Uhr am Sonntagmorgen gibt es Kaffee und ein kleines Frühstück. Rosen Hicher sieht noch etwas verschlafen aus. Die vergangenen Tage waren anstrengend. Die ehemalige Sexarbeiterin marschiert seit dem 25. März durch Deutschland, aus Protest gegen sexuelle Ausbeutung. Sie selbst prostituierte sich 22 Jahre lang in Paris, der Provence und an anderen Orten in Frankreich. Heute kämpft sie für die Bestrafung von Freiern und Zuhältern. Auf ihrem „Marche Mondiale des Survivantes de la Prostitution“, der in Straßburg begann, begleiten sie ehemalige Sexarbeiter und Aktivisten. Ihr Ziel ist der „Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen“ in Mainz, der am Dienstag beginnt.

          „In einem Land, in dem Prostitution erlaubt ist, kann es keine Gleichberechtigung von Frauen und Männern geben“, sagt Hicher. Sie ist der Meinung, dass eine freiwillige Prostitution nicht existiert. Es sei immer Gewalt im Spiel. Bordelle bezeichnet Hicher als „Frauengefängnisse“. Lange Zeit habe sie gedacht, dass sie selbstbestimmt arbeite, doch tatsächlich sei ihr Privatleben der Grund für die Prostitution gewesen. Hicher war ein Opfer von Gewalt und wurde mehrmals vergewaltigt, bevor sie ihren Körper für Geld verkaufte.

          In Frankreich unter Strafe

          Seit April 2016 ist der Besuch von Prostituierten in Frankreich für die Freier strafbar. Den Sexarbeitern selbst droht keine Strafe mehr. „Es ist viel besser geworden“, sagt Hicher. Richter können für die Freier auch den Besuch eines Sensibilisierungskurses anordnen, in dem ehemalige Sexarbeiter von ihren Erfahrungen berichten. Hicher spricht seit einem Jahr etwa zwei Mal im Monat in solchen Kursen – und will das nun auch in Mainz tun. Sollte ihr Marsch auch nur eine Frau davon abhalten mit der Sexarbeit zu beginnen, sagt sie, dann wäre sie schon zufrieden. Als sie selbst 2009 aufhörte, sei es schwer für sie gewesen. Insbesondere die fehlende Vernetzung mit Hilfsorganisationen habe ein Problem dargestellt. „Ich war völlig isoliert.“ Seit 2014 arbeitet sie deshalb mit Organisationen wie „Le Mouvement du Nid“ und der „Fondation Scelles“ zusammen.

          Kongress in Mainz

          Aufgrund seiner liberalen Gesetzgebung wird Deutschland auch als „Bordell Europas“ bezeichnet. Das Prostitutionsgesetz von 2002 ermöglichte es Sexarbeiterinnen zunächst, sozialversicherungspflichtig tätig zu sein. Mit dem Prostituiertenschutzgesetz von 2017 folgte zudem die Möglichkeit für Sexarbeiterinnen, sich registrieren zu lassen und gesundheitliche Beratung zu bekommen. Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP Anfang 2019 ergab sich jedoch, dass die Gesetze beinahe wirkungslos geblieben sind.

          Auf dem Kongress in Mainz sollen international erfolgreiche Lösungsansätze im Kampf gegen Prostitution und Menschenhandel vorgestellt werden. Die Teilnehmer wollen ein Sexkaufverbot in Deutschland erreichen. Gerhard Trabert, Gründer des Mainzer Vereins „Armut und Gesundheit in Deutschland“, kritisiert vor allem die Tabuisierung der Gründe für die scheinbar selbstbestimmte Prostitution. „Die meisten Sexarbeiter haben sich aus einer sozialen Notlage heraus prostituiert und selbst sexuellen Missbrauch erfahren“, sagt er. „Das ist nicht selbstbestimmt.“

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