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Edmund Hillary : Geerdeter Himmelsstürmer

Eng verbunden: Edmund Hillary (links) und Tenzing Norgay nach der ersten Besteigung des Mount Everest 1953 Bild: akg-images / RGSEL

Die Erstbesteigung des Mount Everest war ein Jahrhundertereignis. Edmund Hillary, dem diese Pionierleistung 1953 zusammen mit Tenzing Norgay gelang, wäre am Samstag 100 Jahre alt geworden. Was bleibt von ihm?

          Der Tag, der das Leben von Edmund Hillary veränderte, begann klar und kalt. Minus 27 Grad, kein Wind, gute Sicht. Hillary hatte mit dem Sherpa Tenzing Norgay auf 8500 Meter Höhe übernachtet – so hoch wie nie ein Bergsteiger zuvor. Jetzt machten sie sich fertig zum Aufbruch, legten Steigeisen an, seilten sich an, luden sich die schweren Sauerstoffgeräte auf den Rücken. Dann stapften sie los, Richtung Gipfel des Mount Everest (8848 Meter). Es war der 29. Mai 1953.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Fünf Stunden später lag ihnen die Welt zu Füßen. Gegen 11.30 Uhr erreichten Edmund Hillary und Tenzing Norgay an diesem Tag als erste Menschen den höchsten Punkt der Erde. Sie jubelten, schüttelten sich die Hände, nahmen sich in die Arme. Eine gute Viertelstunde verbrachten sie auf dem Gipfel, Tenzing hinterließ eine Gabe an die Götter, als Dank für den gelungenen Aufstieg, Hillary vergrub ein kleines Kreuz. Und es entstand das Bild, das später um die Welt ging: Tenzing Norgay, wie er auf einem abgerundeten Schneegipfel steht, vor einem makellosen Himmel, den Eispickel hoch erhoben, das Gesicht hinter der Sauerstoffmaske verborgen. Von Edmund Hillary gibt es kein Gipfelfoto – nur er konnte die Kamera bedienen.

          Die Reaktionen waren überwältigend. Die Nachricht, dass eine britische Expedition den Mount Everest erstiegen hatte, erreichte das Königreich am Vorabend der Krönung von Elisabeth II. – das nationale Hochgefühl kannte kaum noch Grenzen, das glorreiche britische Empire schien neu erstanden, die britische Abenteurertradition neu erweckt. Auf Hillary warteten Ehrungen, Empfänge, Auszeichnungen, er wurde von der Königin in den Ritterstand erhoben – während es beim Nepalesen Tenzing Norgay bei der Verleihung der George Medal blieb.

          Held und Helfer: Edmund Hillary hat viel für Nepal getan.

          In den Lobreden war oft die Rede davon, was für ein unwahrscheinliches Helden-Duo die Erstbesteiger abgegeben hätten: ein Neuseeländer, der zu Hause als Imker gearbeitet hatte, und ein Sherpa, der einer armen tibetischen Yakhüterfamilie entstammte. In Wahrheit war diese Kombination perfekt. Kaum ein Bergsteiger hatte damals mehr Erfahrung an den höchsten Bergen gesammelt als Tenzing Norgay, ein Jahr zuvor schon hatte er am Everest mit einer Schweizer Expedition die damalige Rekordhöhe von 8600 Metern erreicht. Und Hillary erwies sich am Everest als physisch und psychisch enorm starker Bergsteiger – er war es, der auf der Gipfeletappe die letzte technische Schwierigkeit vor dem großen Ziel überwand, eine 15 Meter hohe Felsstufe, die seither als Hillary Step bekannt ist.

          Mit 16 Jahren das Klettern entdeckt

          Edmund Hillary, am 20. Juli 1919 nahe Auckland geboren, hatte mit 16 Jahren das Klettern für sich entdeckt. 1948 erstieg er den Mount Cook (3724 Meter), den höchsten Berg Neuseelands, drei Jahre später kam er mit einer britischen Erkundungsexpedition erstmals in den Himalaja. 1952 versuchte er sich mit einem britischen Team am Cho Oyu (8201 Meter), blieb aber erfolglos. Ein Jahr später war sein Name in der ganzen Welt bekannt. Auch danach blieb Hillary eine öffentliche Figur. Er erkletterte weitere Himalaja-Gipfel und erreichte 1958 mit einer Expeditionsgruppe per Spezialtraktor den Südpol. 1985 landete er, begleitet vom amerikanischen Mond-Pionier Neil Armstrong, mit einem Flugzeug am Nordpol und war damit der erste Mensch, der an beiden Polen und auf dem Gipfel des Mount Everest stand. Hillary war neuseeländischer Botschafter in Indien, Bangladesch und Nepal, und er wurde mit Tenzing Norgay unter den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts geführt.

          Trotz all des Ruhms, der Orden und der Posten blieb Hillary ein zurückhaltender, geerdeter Mensch. Die große Helden-Pose lag ihm immer fern. Das galt auch für die Frage, wer nun wirklich der erste Mensch auf dem höchsten Gipfel gewesen war. Trotz aller Spekulationen, Interessen und Vermutungen hielt er sich an seine Vereinbarung mit Tenzing Norgay, darüber Stillschweigen zu bewahren, wer den ersten Schritt getan hatte. Tenzing selbst schrieb später in seiner Autobiographie, es sei Hillary gewesen, der voran gestiegen sei.

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