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Düsseldorfer Konditor : Die teuersten Bonbons der Welt

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z. Rebecca Erken

Eine Hochzeitstorte für Ivana Trump oder ein Bankett für Putin: Ein Konditor aus Düsseldorf liefert seine Kreationen in die ganze Welt. Seine Technik hat er bei anderen Künstlern abgeschaut.

          Ein Mann in einem weißen Kittel erhitzt eine rote Kugel über der flackernden Flamme eines Bunsenbrenners. Im Hintergrund taucht eine Infrarotlampe ein Mikroskop, eine Klebepistole und einen Blasebalg in warmes Licht. Man könnte meinen, man stehe mitten im Labor eines Chemikers. Einerseits. Andererseits erinnert der Raum an das Atelier eines Künstlers. Wer auf die gegenüberliegende Seite des Zimmers blickt, entdeckt Skizzen, Leinwände, unzählige Pinsel und Körper-Modelle aus Holz, wie sie Bildhauer und Maler benutzen.

          Um die Verwirrung perfekt zu machen, steht in einer anderen Ecke eine mehrstöckige Torte, rosafarbene Sterne liegen auf Backblechen verteilt, bunte Pralinen sind in kleinen Schachteln angeordnet. Mittendrin werkelt Georg Maushagen in seinem weißen Kittel. Laborant? Künstler? Bäcker? Nun ja, von allem ein bisschen.

          Eigentlich ist Maushagen Konditormeister, aber diese Bezeichnung allein würde ihm nicht gerecht. Zucker ist für ihn mehr als nur eine Zutat oder ein Mittel zur Verzierung seiner Torten und Kuchen. Er ist für ihn eine Art Lebenselixier. „Zucker ist mein Stoff“, so drückt Maushagen es aus. Aus ihm erschafft er Figuren, Menschen, Tiere, Landschaften, ja ganze Welten. Man könnte fast sagen, Zucker ist für ihn das, was die Welt im Innersten zusammenhält.

          Gelernt von den Glasbläsern

          Nur ein kleines Stück Zuckermasse ist bei ihm der Ursprung eines jeden Kunstwerks. Hierzu kocht er Zuckerwasser und Glucose, einen Stärkesirup, bei über 150 Grad, bis das Wasser verdampft ist. Das Ergebnis: ein Bonbon. Das Bonbon, das in diesem Fall mit Lebensmittelfarbe rot eingefärbt ist, wird über einem Bunsenbrenner erhitzt und durch die Strahlen einer Infrarotlampe weich gehalten. Maushagen trennt mit einer Schere ein Stück Zuckermasse ab, das er mit den Händen zu einer Kugel knetet. „Sie darf nicht zu fest und nicht zu weich sein“, sagt er, während er die Kugel von innen aushöhlt und über das Mundstück eines Blasebalgs stülpt.

          Seine Technik hat er selbst entwickelt. Sie ist angelehnt an die Arbeit der Glasbläser in den Manufakturen von Murano, die in aller Welt bekannt und begehrt ist. Nach und nach pumpt Maushagen mit dem Blasebalg Luft in die Kugel, schneidet mit der Schere eine Kerbe hinein, pumpt noch etwas Luft nach - und siehe da, auf einmal hält er ein Herz in der Hand, das er oberhalb des Mundstücks abschneidet, mit den Händen noch ein wenig modelliert und kalt werden lässt. Die ganze Prozedur hat nur ein paar Minuten gedauert. Für Großkunden macht Maushagen schon mal tausend Herzen. Dabei ist ihm nur ein Konditormeister behilflich. Zu zweit schaffen sie etwa 300 pro Tag. Seine Frau Brigitte übernimmt die Organisation.

          „Ich wollte eigentlich Priester werden“, erzählt Maushagen. „Aber meine Rechtschreibung war angeblich zu schlecht.“ In Bochum erinnert sich der einstige Spätaussiedler an das heimelige Gefühl in der Backstube und Küche seiner Großeltern in Oberschlesien und beginnt mit 14 Jahren eine Lehre als Koch. „Zucker ist der Grund, warum ich auf die süße Seite der Küche wechselte und Konditormeister wurde“, sagt Maushagen, der zu DDR-Zeiten im Westberliner Hilton Hotel arbeitete und von dem dortigen Patissier lernte, wie man mit Zucker modelliert.

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