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Nach Tumulten in Freibad : Düsseldorf führt Videoüberwachung im Rheinbad ein

  • -Aktualisiert am

Rheinbad-Kasse: Die städtische Bädergesellschaft erwägt für die Saison 2020 das Einführen eines Online-Ticketsystem. Bild: dpa

Dreimal schon musste das Rheinbad nach Tumulten komplett geräumt werden. Nun will der Oberbürgermeister die Lage mit einem Maßnahmenkatalog in den Griff bekommen – und muss frühere Aussagen zurechtrücken.

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          Es ist ein bisschen erstaunlich, wie erstaunt sich der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel am frühen Montagnachmittag über den großen Medienauflauf im Rathaus der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt äußert. Denn um eine Nebensächlichkeit geht es beileibe nicht, der Oberbürgermeister selbst hat das in den vergangenen Tagen deutlich gemacht.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Schon dreimal in vier Wochen musste das Rheinbad, eines von vier Düsseldorfer Freibädern, geräumt werden, weil größere Gruppen Jugendlicher mit Migrationshintergrund Rabatz machten und sich die Bademeister und die anwesenden Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdiensts mit der Lage überfordert sahen. Zuletzt wurden am Freitag bei hochsommerlicher Hitze sämtliche 1500 Badegäste aufgefordert, nach Hause zu gehen. Und Geisel platzte der Kragen: „Eine solche erneute Provokation ist vollkommen inakzeptabel.“

          Längst hat sich aus der Causa Rheinbad eine Grundsatzdiskussion über Ton und Umgang in Freibädern entwickelt. Peter Harzheim, der Präsident des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister, ließ sich von der „Bild-Zeitung“ mit den Worten zitieren: „Freibäder sind eigentlich Orte der Kommunikation und der Erholung. Mittlerweile sind sie Orte des Schreckens.“ Günter Krings, Staatssekretär im Bundesinnenministerium, forderte die Behörden auf, die Aufenthaltsrechte der Randalierer zu überprüfen. „In solchen Fällen müssen Bund, Länder und Kommunen auch noch konsequenter bei aufenthaltsbeendenden Maßnahmen zusammenarbeiten“, sagte Krings der „Rheinischen Post“. Auch Geisel brachte noch am Montag im ZDF-Morgenmagazin „aufenthaltsbeendigende Maßnahmen“ ins Spiel. Sodann eilte der Oberbürgermeister zurück ins Rathaus, um mit den Leitern aller beteiligten städtischen Ämter und Beamten der Düsseldorfer Polizei über die Lage und mögliche Gegenmaßnahmen zu beraten.

          Danach steht fest: Die Causa ist weitaus komplexer als bisher gedacht.

          Am Mittag teilt Geisel zunächst mit, dass die Besucher im Rheinbad künftig ihren Ausweis vorlegen müssen, damit Personen mit Hausverbot schon am Drehkreuz abgewiesen werden können. Jeder Badegast bekommt am Eingang zudem ein farbiges Bändchen um das Handgelenk, niemand soll mehr unerkannt über den Zaun ins Bad gelangen können. Zudem gibt es im Bad ab sofort Videoüberwachung.

          Präsentieren Maßnahmenkatalog (von links): Roland Kettler, Geschäftsführer der Bädergesellschaft, Thomas Geisel und Burkhard Hintzsche, Stadtdirektor von Düsseldorf
          Präsentieren Maßnahmenkatalog (von links): Roland Kettler, Geschäftsführer der Bädergesellschaft, Thomas Geisel und Burkhard Hintzsche, Stadtdirektor von Düsseldorf : Bild: dpa

          Sodann sieht Geisel Anlass zu diversen Klarstellungen. Ausdrücklich nimmt der Oberbürgermeister die auch von ihm verbreitete Information zurück, es habe sich bei den Jugendlichen am Freitag um eine „Bande“ gehandelt. Durch Medienberichterstattung und Reaktionen im Internet sei der Eindruck entstanden, „marodierende Jugendbanden haben gewissermaßen die Herrschaft über das Bad übernommen“, sagt Geisel. Nach eingehender Auswertung aller vorliegenden Informationen treffe das aber nicht zu. Die Gruppe sei auch kleiner gewesen als bisher angenommen.

          „Richtig ist, es gab ein Zusammenwirken von 20 bis 60 Jugendlichen, die zum Teil nordafrikanischer Herkunft waren. Es war aber nicht so, dass dadurch der Badebetrieb anderer Badegäste nachhaltig gestört wurde.“ Die Gruppe habe vorübergehend Sprungbrett und Rutsche des Bades in Beschlag genommen, andere Badegäste nicht durchgelassen und sich dann geweigert, den Anweisungen des Personals Folge zu leisten.

          Bei den Personen, deren Personalien am Freitag festgestellt wurden, handle es sich nach Auskunft der Polizei um deutsche Staatsbürger, sagt Geisel. Laut Polizei wurde nach den Vorkommnissen am Freitagabend ein 16 Jahre alter Jugendlicher wegen Beleidigung und Bedrohung einer Bademeisterin angezeigt. Der Junge kam in Deutschland zur Welt, hat aber nordafrikanischen Wurzeln. Er soll der Bademeisterin angedroht haben, man werde sie „gegen die Wand schlagen“. Der zweite Mann, gegen den ermittelt wird, hat mit dem Tumult selbst nichts zu tun. Der 27 Jahre alte Deutsche soll eine Polizistin beleidigt haben, als er das Bad verlassen musste. Auf seine Äußerungen im ZDF-Morgenmagazin angesprochen, sagt Geisel: „Bisher ist es so: Die Personen, die namentlich bekannt sind, sind Deutsche. Deutsche können nicht des Landes verwiesen werden.“

          Unklar bleibt am Montag, ob die dritte Kompletträumung innerhalb von nur vier Wochen tatsächlich nötig war – und warum beim dritten Mal nur von zwei Störern die Personalien aufgenommen wurden. Im Bad gehe es künftig auch um eine „deutlichere Ansprache“ der Jugendlichen. „Das ist besser, als wenn man nur abwiegelt“, sagt Geisel vage.

          Das Rheinbad war erstmals Ende Juni geräumt worden, nachdem eine Gruppe Jugendlicher mit Migrationshintergrund nach einem Streit einen Badegast bedroht hatte. Gegen einige der Störer setzte die herbeigeeilte Polizei auch Pfefferspray ein. Nach diesem Vorfall engagierte die städtische Bädergesellschaft einen Sicherheitsdienst. Doch schon am folgenden Tag kam es wieder zum Tumult, und wieder wurde das Bad geräumt. Gut einen Monat lang hatten die Bademeister und die sechs Wachleute die Lage dann im Griff. Auch Mitarbeiter des Ordnungsamts zeigten Präsenz, regelmäßig schauten Streifenpolizisten vorbei. Das Signal war: Hier gilt eine Nulltoleranz-Strategie. Das funktionierte bis Freitag. Um Stärke zu demonstrieren, rückte die Polizei mit 18 Streifenwagen an.

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