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„Dschungelcamp“-Finale auf RTL : Fremdschämen bis zum letzten Tag

  • -Aktualisiert am

Dschungelkönigin Evelyn Burdecki Bild: dpa

Eklige Prüfungen, peinliche Streits und persönliche Enthüllungen am Lagerfeuer: Nach zwei Wochen wird TV-Sternchen Evelyn Burdecki zur Königin gekrönt und geht das RTL-„Dschungelcamp“ zu Ende. Was aber bleibt in Erinnerung?

          Spätestens, als Evelyn Burdecki sich einen lebendigen Skorpion in den Mund schob, ihn auf einen Schlag zerkaute und sich danach auch noch jubelnd und glückselig bei den Moderatoren für diese tolle, tolle Idee bedankte, war auch dem letzten Zuschauer klar: Diese Frau wird Dschungelkönigin. Die 30-Jährige, die seit ein paar Jahren durch alle möglichen Fernsehshows tingelt, hätte es ja auch ganz anders machen können. So wie der selbsterklärte Life-Coach Bastian Yotta zum Beispiel, der ein paar Tage zuvor bei einer ähnlich schaurigen Ess-Prüfung seinem eigens kreierten Echter-Mann-Image so gar nicht gerecht wurde und während seinem minutenlangen Schmollen so aussah, als würde er die Moderatoren gleich in den Boden rammen. Aber nicht so Evelyn! Die hatte am letzten Tag angekündigt: „Ich bin hier im Busch, und ich gehe als Buschfrau raus.“ Ein solches Versprechen muss man erst einmal halten.

          Und so rannte Evelyn am Ende „Oh mein Gott“ und „Danke“ kreischend ums erloschene Lagerfeuer herum, bis ihr endlich die überdimensionale Krone aufs blonde Haupt gesetzt wurde.

          „Mit Penissen hab ich's nicht so.“

          Das Dschungelcamp enttäuscht nie. Am letzten Tag quetschte RTL nochmal alles in die Sendung, was an Angst und Ekel ging: Kakerlaken im Gesicht, Krokodile im Angriffsmodus, Lammhirn auf dem Teller. Und natürlich: Den berüchtigten Kamelpenis. Halleluja! Oder wie Evelyn sagt: „Mit Penissen hab ich's nicht so.“ Neben dem Skorpion und einem Bottich voll Kakerlaken-Kuh-Urin-Gemisch war der allerdings das einzige, was sie herunter bekam. Das Lammhirn, serviert auf einem ganzen Schafkopf, kam ihr nach wenigen Sekunden wieder hoch. Egal. Sogar die Moderatoren, die sonst gerne mal Witze unter der Gürtellinie machen, hatten Mitleid.

          Nicht so Evelyns Mitfinalisten, der GZSZ-Darsteller Felix van Deventer und Schlagersänger Peter Orloff. Eingeweide? Hirn? Essen die im normalen Leben doch ständig! Das war aber auch der einzige Ansatz von einem Konflikt, den die RTL-Zuschauer an diesem Finaltag zu sehen bekamen. Die konfliktträchtigen Camper hatten sie bereits allesamt aus dem Dschungel herausgewählt. Ob es wohl die Sehnsucht nach einer schönen, heilen Welt ist? Oder weil sie die Nase voll hatten von Currywurstbudenbetreiber Chris Töpperwien, der sich und sein Ego schon todsicher im Finale wähnte, und von seinem pubertären Streit mit Bastian Yotta („Der hat gesagt, ich bin schwul“)? Jedenfalls hatten sie die drei heiligsten Kandidaten ins Finale gewählt.

          Zwar fragte man sich bei Peter Orloff mehr denn je, was er sich wohl heimlich in seinen Frühstücksreis getan hatte. So oft brüllte der 74-Jährige in verschiedensten Variationen in die Kamera, niemals aufgeben zu wollen – fast noch häufiger, als er mit erleuchtetem Strahlegesicht dahin seufzte, wie dankbar und berührt er sei, diese Erfahrung machen zu dürfen. Das Dschungelcamp, ein wahrhaftiger Traum! Wer würde das nicht so sehen? Aber ganz ehrlich: Wer hätte am Anfang damit gerechnet, dass ausgerechnet Peter ins Finale kommen würde?

          Und dann war da natürlich noch Felix, der gerade die umwerfende Erkenntnis gehabt hatte: „Der Dschungel ist nicht für jedermann.“ Ach. Während der Staffel hatte er vor allem damit Aufsehen erregt, vorzeitig auszuplaudern, dass seine Freundin schwanger ist. Am Finaltag fiel er vor allem auf, weil er von einer furchterregenden Schlammkrabbe angegriffen wurde, aber dennoch tapfer weitermachte. Und weil er sich anschließend wie ein Kind freute, als es beim Belohnungs-Abendessen Carpaccio für ihn gab. Und ein Wunschgetränk, das verdächtig nach Eistee aussah.

          Aber so harmonisch wie an diesem letzten Tag im Dschungel ging es trotzdem selten zu. Dass die Prüfungen mal das Spannendste an der ganzen Sendung sind? Gab es fast nie.

          „I’m strong, I’m healthy, and full of energy“

          Da sehnte man sich schon fast nach dem Beef der Tage zurück, in denen Germanys-Next-Topmodel-2008-Teilnehmerin und Camp-Heulsuse Gisele Oppermann nach abermals verweigerter Prüfung mit fiesem Grinsen und den Worten „Heute nur Modelessen“ zurück ins Camp stolziert kam. Bis „Bachelor-in-Paradise“-Kandidat Domenico de Cicco vorschlug, man solle ihr einen Stock ins Hinterteil schieben und sie wie ein Ferkel über dem Feuer rösten. Ähnlich mit Ruhm bekleckerte sich de Cicco, indem er wiederholt über den Konflikt mit seiner ehemaligen Freundin Evelyn „einen Stein legen“ wollte. Zur Erinnerung: Die beiden wurden bei „Bachelor in Paradise“ ein Paar, wobei er ihr offenbar verschwieg, dass seine Freundin (oder Ex-Freundin, da steht Aussage gegen Aussage) schwanger daheim sitzt. Ebenfalls ganz weit oben in der Hierarchie der größten Fremdschäm-Momente: Die „Miracle Mornings“ von Bastian Yotta, der eine immer kleiner werdende Gruppe nötigte, nach dem Aufstehen erst mal seinen Slogan „I’m strong, I’m healthy, and full of energy“ in den Dschungel-Himmel zu brüllen. An Alf-Synchronsprecher Tommi Piper, an dem #Metoo offenbar vorüber gegangen ist, erinnert man sich dagegen eher mit einem leichten Schaudern („Doreen, komm mal her. Ich wollte nur sagen: Du brauchst keinen BH. Dein Körper ist vom Feinsten.“).

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          Was bleibt also vom Dschungelcamp 2019? Dass sich (fast) alle dauernd gegenseitig vorwerfen, fake zu sein und nur nach Sendezeit zu lechzen? Dass die frühere Pornodarstellerin Sibylle Rauch eine arme Wurst ist, der man die Sendung doch bitte, bitte erspart hätte? Dass aber eigentlich alle selber schuld sind, weil sie wissen, worauf sie sich einlassen? Also herzlich wenig, außer vielleicht der Erkenntnis, dass man nichts glauben kann, was man sieht und RTL immer die Macht hat. Und: Dass man besser erst gar nicht damit anfängt, das Dschungelcamp zu gucken. Denn denen, die in ihrem Leben noch keine einzige Folge gesehen haben, sei gesagt: Fängt man einmal damit an, hängt man drin. Und diskutiert plötzlich bis spät in die Nacht über die psychische Gesundheit von Gisele Oppermann und die finanzielle Lage von Bastian Yotta. Gut, dass das vorbei ist.

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