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Dresden : Im Zwinger stehen wieder Orangenbäumchen

Harte Arbeit: Ein Orangenbaum wird am im Zwinger in Dresden an seinen Platz getragen. Jeder der blau-weißen Eichenkübel wiegt zwei Zentner. Bild: dpa

Vor 300 Jahren säumten noch gut 1000 Orangenbäumchen den Hof des Zwingers. In Erinnerung an die glanzvolle Vergangenheit der Stadt, die heute oft negative Schlagzeilen macht, sind sie nun zurück. Zumindest 76 Stück.

          Um sich von der bisweilen unübersichtlichen Gegenwart abzulenken, blickt auch der Dresdner gerne zurück, am liebsten in die vermeintlich glanzvolle Zeit Augusts des Starken. Dem mächtigen Kurfürsten verdankt die Stadt schließlich auch ihr berühmtestes Wahrzeichen, den Zwinger. Und der soll nun wieder so schön werden wie früher. Am Samstag wurde mit einem Fest Vollzug gemeldet: 76 Orangenbäumchen, die meisten über private Patenschaften finanziert, schmücken den Innenhof mit seinen symmetrisch angelegten Rasenflächen, Sandwegen und Springbrunnen – und sorgen so für frische Dreidimensionalität in dem flachen Areal.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Vor 300 Jahren säumten noch gut 1000 Zitrusbäumchen, die August in Italien geordert hatte, das für barocke Lustbarkeiten eingehegte Gelände. Neben Bildern, Bauwerken und Pretiosen galten unter Europas Herrschern damals Orangen- und Zitronenbäumchen als der letzte Schrei. Wer so teure, exotische Gewächse besaß, verstand es zu leben.

          Nun hatte August so üppig in Italien eingekauft, dass die Zitruspflanzen noch lange nach seinem Tod den Zwinger zierten. Doch vor gut 100 Jahren war Schluss, auch weil sich Besucher an den Exoten schadlos hielten, sie erkletterten, Zweige abbrachen und sogar in die Kübel gepinkelt haben sollen.

          Die Pflanzen müssen sich an das nördliche Klima gewöhnen

          Dass das heute nicht mehr passiert, darauf soll Karsten Otto achten, Gärtner mit Spezialisierung zum Orangeur, was seit dem Barock als Krönung des Gärtnerwesens gilt. Seit drei Jahren schon kümmert er sich um die neuen Bäumchen, die wie ihre Vorläufer aus Italien kamen – mit dünnen Stämmchen und krausen Ästen. „Die sahen aus wie Struwwelpeter“, sagt Otto, der fortan die Gartenschere anlegte, um die Verzweigung anzuregen. Inzwischen sind sie knapp drei Meter hoch, haben champignonartige Kronen, und zwischen den dunkelgrünen Blättern sind weiße Blüten und vereinzelt Früchte zu sehen.

          Die Bäumchen sind auch ein beliebtes Fotomotiv.

          Gelernt hat Otto sein Handwerk im Barockgarten Großsedlitz vor den Toren Dresdens, wo das Wissen um die Orangenzucht seit Augusts Zeiten weitergegeben wird. Hier gewöhnte er die Kübelpflanzen an das nördliche Klima, schaffte sie im Sommer nach draußen und zum Überwintern in die Orangerie. „Sie haben sich gut entwickelt“, sagt er. „Mal gucken, wie sie auf Dresden reagieren.“ Denn von nun an sollen sie jedes Jahr zwischen Mai und September in den Zwinger einziehen.

          Das ist auch körperlich harte Arbeit, wiegt doch jeder der blau-weißen Eichenkübel zwei Zentner. Gut zehn Liter Wasser schluckt jeder Baum an heißen und vor allem windigen Tagen. Die Früchte seien nicht zum Verzehr geeignet, sagt Otto „Sie schmecken bitter, säuerlich und trocken und eignen sich eher für Schnaps oder Konfitüre.“ Auch das ist historisch korrekt. Schon August der Starke hatte einst Bitterorangen, Pomeranzen, erworben. Eine einzige davon hat bis heute im Schlosspark Pillnitz überlebt – mit hohlem Stamm zwar, aber einer üppig grünen Krone.

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