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Drei Clowns geben Auskunft : „Die rote Nase ist ein Stigma“

„Für einen Clown ist die Maske eine Möglichkeit, sich zu verstecken“, sagt Oleg Popov. Bild: Kat Menschik

Clowns gelten heute als so unzeitgemäß wie der Zirkus selbst. Hat der Clown eine Zukunft? Und wie kommt es, dass Clowns vielen Kindern keine Freude, sondern sogar Angst machen – und manchem Erwachsenen auch?

          7 Min.

          Die Bühne im Großen Saal des Berliner Admiralspalastes ist, kurz vor Beginn der Show, nicht der beschaulichste Ort für ein Interview. Requisiten liegen herum, Bühnenarbeiter sind zugange, und von der Decke herab senkt sich an einem Seil ein Mond aus Pappmaché. Was hier gleich zu sehen sein wird, ist eine der letzten Vorstellungen der Show „Lachen Machen - Die Könige der Clowns“, mit der fünf berühmte, vielfach ausgezeichnete Künstler durch Deutschland getourt sind: René Bazinet, Avner Eisenberg, Oleg Popov, David Shiner und Peter Shub. Die drei Letzteren haben sich zum Gespräch eingefunden. Noch sind alle ungeschminkt, keiner hat seine Arbeitskleidung angelegt.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Asketisch, elegant und beim Gespräch viel ernsthafter als später auf der Bühne wirkt David Shiner, geboren 1953 in Massachusetts, Star am Broadway und am Cirque du Soleil. Peter Shub aus Philadelphia, Jahrgang 1957, Diplomsoziologe, bekannt geworden beim Circus Roncalli, braucht auch während des Interviews Bewegung und spielt, was anfangs leicht irritierend ist, mit einem Baseballschläger. Dazwischen sitzt, im karierten Sakko, Oleg Popov, geboren 1930 bei Moskau, seit sechzig Jahren in der Manege, Volkskünstler der UdSSR, eine Clown-Legende wie Grock oder Charlie Rivel. Als Einziger der drei trägt er auf der Bühne eine rote Nase. Das Interview wird auf Deutsch, auf Englisch und auf Russisch geführt, Popovs Frau und Bühnenpartnerin hilft als Übersetzerin.

          Kann es einen oder mehrere „Könige der Clowns“ geben? Der König und der Narr, das sind ja historisch völlig konträre Figuren.

          Shiner: Ich weiß gar nicht, warum das Programm „Die Könige der Clowns“ heißt. Wir sind alle gut, aber es gibt andere gute Clowns.

          Shub: Es ist interessant mit den beiden Wörtern, Clowns und Könige. Im Mittelalter war es unsere Aufgabe, das gesamte Königreich zu unterhalten. Und wenn wir nicht lustig waren, wurden wir einen Kopf kürzer gemacht. Um zu überleben, mussten wir komisch sein.

          Popov: Ein Clown braucht drei Dinge: den Geist eines Schriftstellers, das Herz eines Dichters und den Körper eines Athleten. Das Wichtigste für einen Clown aber ist es, ein sympathischer und guter Mensch zu sein.

          Shiner: Ich stimme zu.

          Shub: Und er sollte ein schönes Auto haben.

          Popov: Wofür das Auto?

          Shub: Wenn du eine schlechte Show hast, kannst du damit schnell flüchten.

          Popov: Ich würde ein Flugzeug nehmen.

          Man sagt, dass es einen Menschen stark verändert, wenn er eine Uniform trägt: Er strahlt sofort mehr Autorität aus. Was passiert mit Ihnen, wenn Sie Ihr Clownskostüm überstreifen?

          Shub: Kostüme sind Materialien, sie beeinflussen dein Verhalten. Wenn du eine Nase aufsetzt oder auch nur einen Hut, dann verhältst du dich anders. Es ist eine Art Statement. Oft entscheide ich mich aber dafür, mich neutral zu kleiden. Dann werde ich durch die Art interpretiert, wie ich mich bewege, und nicht dadurch, wie ich aussehe.

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