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Donald Crowhurst : Er wollte Meer

  • -Aktualisiert am

Voller Selbstbewusstsein vor dem Start am Hafen von Teignmouth: Donald Crowhurst Bild: Getty Images

Die Welt umsegeln: vielleicht das letzte große Abenteuer. Doch der Engländer Donald Crowhurst verfuhr sich. Seine letzten Logbücher zeugen von Paranoia, Einsamkeit und Allmachtsvorstellungen. Von einem Segler, der nie zurückkehrte.

          10 Min.

          Von Donald Crowhurst gibt es bis heute keine Spur. Er hinterließ drei Logbücher, aus denen sich seine Fahrt rekonstruieren lässt. Das vierte Logbuch bleibt verschwunden. Niemand hatte ihn von seinem Vorhaben abbringen können, das so heroisch wie irrsinnig war.

          Eine Weltumseglung: vielleicht das letzte große Abenteuer. Wilfried Erdmann hat es geschafft, von 1967 bis 1968 segelte er als erster Deutscher alleine um die Welt. Als er in Helgoland anlegte, glaubte man ihm nicht. Erst als man die Logbücher prüfte und den seltsam tropischen Bewuchs am Schiffsrumpf sah, glaubte man ihm, wie er in seinem Buch „Ich greife den Wind“ schildert. Als erster hatte der Amerikaner Joshua Slocum als Einhandsegler mit seiner „Spray“ die Welt umsegelt. Drei Jahre und zwei Monate brauchte er dafür.

          Weltumsegelung war keine Pionierleistung mehr

          Aber nie hat jemand mit dem Versuch einer Umsegelung die Welt so bewegt und erschüttert wie Donald Crowhurst. Als er seinen Plan austüftelte, waren die Briten im Segelfieber. Francis Chichester war seit 1967 alleine um die Welt gesegelt und hatte nur einen Stopp in Australien eingelegt. 250.000 Zuschauer empfingen ihn. Die Weltumsegelung war zwar aus Sicht der weltallfixierten Amerikaner keine Pionierleistung mehr. Für die alte Seefahrernation aber war es ein Triumph. Einhandsegler waren Helden. Für seine seefahrerische Leistung wurde Chichester von der Königin mit dem Schwert des Sir Francis Drake zum Ritter geschlagen.

          Ehefrau Claire verabschiedet Donald Crowhurst am Hafen von Teignmouth
          Ehefrau Claire verabschiedet Donald Crowhurst am Hafen von Teignmouth : Bild: ullstein bild

          Francis Chichester hatte mit der Zeitung „Observer“ eine Transatlantik-Regatta ins Leben gerufen. Nun entdeckte auch die „Sunday Times“ das journalistische und finanzielle Potential eines Solo-Segelrennens. 1968 wurde das „Golden Globe Round The World Yacht Race“ ausgelobt. Der schnellste Segler, der alleine die Erde umrundete, und zwar nonstop, was bis dahin noch niemand geschafft hatte, sollte als neuer Segelheld gefeiert und vermarktet werden. Als Preisgeld warteten 5000 Pfund.

          Neun Männer meldeten sich: die Briten Robin Knox-Johnston, Nigel Tetley, Bill King, John Ridgeway und Chay Blyth, die Franzosen Bernard Moitessier und Loïck Fougeron sowie der Italiener Alex Carozzo. Aus dem Süden Englands meldete sich der Elektroingenieur und Hobbysegler Donald Crowhurst.

          Von den neun Teilnehmern war er der am wenigsten erfahrene. Bei seinen Wochenend-Segelausflügen hielt er meist Sichtweite zum Ufer. Hochseeerfahrung hatte er nicht. Crowhurst, 1932 in Indien geboren, war beim Start der Regatta 36 Jahre alt. Er war, wie Ron Hall und Nicholas Tomalin in „The Strange Last Voyage Of Donald Crowhurst“ schreiben, ein charismatischer Mann, voller Ideen, mit großem Selbstbewusstsein. Schon in seiner Jugend galt er als Querkopf und Anführer bei den seltsamsten Späßen. Er scherte sich nicht viel um seinen Ruf und ordnete sich ungern unter. 1956 wurde er aufgrund eines nicht aufgeklärten Schabernacks aus der Royal Air Force entlassen.

          Donald Crowhurst studierte Elektrotechnik und fand eine Anstellung bei einer Elektronikfirma in Bridgewater im Südwesten Englands. Seine Frau Clare brachte vier Kinder zur Welt. Aber bald fühlte er sich unterfordert. Er kaufte sich ein sechs Meter langes Boot und fuhr oft aufs Meer hinaus.

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