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Interview mit Don Johnson : „Wir müssen keine Superhelden sein, wir sind alle super genug“

  • -Aktualisiert am

„Ich beantrage immer wieder die Lizenz, noch ein wenig länger prominent zu sein“: Johnson 2018 in L.A. bei der Premiere des Films "Book Club". Bild: dpa

Mit der stilprägenden Fernsehserie „Miami Vice“ wurde Don Johnson einst berühmt. Heute ist er 70 Jahre alt, spielt in „Knives Out“ mit – und nennt Tochter Dakota die bessere Schauspielerin.

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          Für Don Johnson war 2019 ein Jahr der Jubiläen: 50 Jahre waren vergangen seit seiner ersten Hauptrolle (in einer Theaterinszenierung des Gefängnisdramas „Fortune and Men’s Eyes“ in Los Angeles), und 20 seit der Hochzeit mit Ehefrau Kelley Phleger, Mutter der drei jüngsten seiner insgesamt fünf Kinder. Und am 15. Dezember feierte der Schauspieler auch noch seinen 70. Geburtstag.

          Wir trafen den 1949 in Missouri Geborenen, der in den Achtzigern, nach diversen Jahren als mittelmäßig Erfolgreicher in Hollywood, mit der innovativen Krimiserie „Miami Vice“ zum globalen Star wurde, einige Wochen vor seinem 70. in L.A. zum Interview. Anlass war sein neuer Kinofilm „Knives Out – Mord ist Familiensache“, gerade in den deutschen Kinos zu sehen, doch natürlich blieb auch seine Rolle in der Serie „Watchmen“ nicht außen vor.

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          Mr Johnson – „Knives Out“, „Watchmen“: Ist da pünktlich zu Ihrem 70. Geburtstag ein großes Comeback im Gange?

          Ehrlich gesagt, fühlt sich mein Leben aktuell nicht anders an als irgendeine andere Phase der letzten 50 Jahre (lacht). Meine Karriere hat sich von Anfang immer wieder erneuert und sich ständig in andere Richtungen entwickelt. Das ist wie ein Führerschein, den man bei uns in den Vereinigten Staaten ja auch alle paar Jahre verlängern muss. Ich beantrage quasi immer wieder aufs Neue die Lizenz, doch noch ein wenig länger prominent zu sein. Und war in all der Zeit nie weg vom Fenster. Von einem Comeback kann also keine Rede sein.

          In jedem Fall scheinen Sie gerade ein Händchen zu haben für besonders interessante Rollen; auch Ihre Auftritte in dem Thriller „Dragged Across Concrete“ oder Serien wie „Sick Note“ und „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ kommen einem da in den Sinn.

          Vermutlich hat es zuletzt einfach geholfen, dass ich bewusst nach Projekten gesucht habe, in denen ich nicht bloß die Vater-Rolle spielen durfte. Nichts gegen Väter natürlich. Aber wenn man nicht aufpasst, dann spielt man in meinem Alter allzu oft sehr austauschbare, nichtssagende Figuren, die keine wirkliche Persönlichkeit haben. Doch wenn man gezielt Ausschau hält nach Rollen, die Ecken und Kanten mitbringen, wird man schon fündig. Und es hilft, wenn man sich nicht darum schert, wie groß oder klein eine Rolle ist.

          Gab es je eine Zeit, in der Sie keine Lust mehr hatten und sich einfach nur zurückziehen wollten?

          Um Gottes Willen, nein. Dazu ist meine Leidenschaft für meinen Beruf viel zu gut. Ich liebe es einfach, Filme zu drehen, Theater zu spielen und eine Show abzuziehen.

          „ Ich liebe es einfach, eine Show abzuziehen“: Johnson (hinten, Mitte) und Kollegen in „Knives Out – Mord ist Familiensache“.

          „Knives Out“ ist eine Art Hommage an Krimis à la Agatha Christie. Beinahe altmodisch, nicht wahr?

          Mag sein. Aber letztlich nie aus der Mode gekommen. Ich zumindest war seit jeher ein Fan von Agatha Christie, ihrem Hercule Poirot und überhaupt solchen Mord-Geschichten. Wobei „Knives Out“ schon eine ziemlich einzigartige Sache ist, quasi ein solcher altmodischer Krimi, in dem auch noch eine Art Hitchcock-Thriller steckt. Und der obendrein witzig ist. Der Tonfall, in dem das Ganze erzählt wird, ist nämlich das eigentlich Besondere an dem Film.

          Sie haben, nicht zuletzt im Fernsehen, häufig Hauptrollen gespielt, Sie hatten mehrfach eine eigene Fernsehserie, nach „Miami Vice“ in den Neunzigern dann „Nash Bridges“. Ist es da schwierig, sich in einem solchen großen Ensemble als einer von vielen einzuordnen?

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