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Dinner for One : „Heute ist mir meine Lache eher peinlich“

  • Aktualisiert am

„Dinner for One“: Butler James muss die dahingeschiedenen Freunde von Miss Sophie am Glas vertreten Bild: dpa

Der bekannteste Lacher Deutschlands entstand vor genau 50 Jahren: Als „Dinner for One“ gedreht wurde, saß eine Frau im Publikum und lachte lauter als alle anderen. Sonja Göth über ihren Beitrag zum Sketch.

          2 Min.

          Frau Göth, ich möchte mit Ihnen über den 50 Jahre alten Lacher sprechen.

          Ach nö, das ist für mich gar nicht so wichtig. Ich weiß eigentlich gar nicht, was ich Ihnen erzählen soll. Ich wundere mich, was aus diesem Lacher gemacht worden ist. Es war doch nur ein Lacher.

          Immerhin ist es einer der wohl bekanntesten Lacher Deutschlands. Als im Juli vor genau 50 Jahren in Hamburg der legendäre Sketch „Dinner for One“ aufgenommen wurde, saßen Sie im Publikum und haben lauter gelacht als alle anderen. Millionen von Menschen haben das gehört. Und Sie sind ein bisschen berühmt geworden.

          Das geht schon sei 1988 so, da fing die ganze Geschichte an. Ich war gerade in der Telefonzentrale vom NDR, und ein Mann vom WDR wollte jemanden aus der Unterhaltungsabteilung sprechen. Als er dann sagte, es geht um „Dinner for One“, ist mir herausgerutscht: Da bin ich ja dabei gewesen. Und der hat dann das erste Interview fürs Radio mit mir gemacht.

          Und dann ging es so weiter. 2003 rief sogar das dänische Fernsehen an.

          Erst habe ich abgelehnt, weil ich nicht vor die Kamera wollte, und dann habe ich gedacht: Ach jetzt ist es auch egal. Später wurde ich auch noch nach Baden-Baden zu einer Fernsehsendung eingeladen.

          Sonja Göth, 86 Jahre alt, lebt in Tornesch bei Hamburg
          Sonja Göth, 86 Jahre alt, lebt in Tornesch bei Hamburg : Bild: Stephan Schütz

          Hört sich ganz schön stressig an.

          Das war interessant, da kam ich mal nach Baden-Baden.

          Andere hätten gesagt: Schön, da kam ich mal ins Fernsehen.

          Ach was, das ist mir nicht so wichtig. Eigentlich bin ich nicht so der Mensch für die Öffentlichkeit. Das ist nicht mein Leben. Ich vernichte sogar alle Fotos, die es von mir gibt. Aber ich konnte mich da dann irgendwann auch nicht mehr rauswühlen. Ich kann nicht dem einen ein Interview gestatten und dem nächsten sagen: Das geht nicht. Das wäre unfair.

          Wie kam es denn dazu, dass Sie bei der Aufzeichnung im Studio saßen?

          Mein Mann war in der Beleuchtung beim NDR tätig, und ich habe öfter als Aushilfe in der Telefonzentrale gearbeitet. Als Mitarbeiter für die Aufnahme zusammengetrommelt wurden, sagte mein Mann zu mir: „Du, es wird Publikum gesucht, komm rüber.“ Dann bin ich da hin, und das war’s.

          Und was fanden Sie dann so furchtbar lustig?

          Wenn man das zum ersten Mal sieht: Da lacht doch jeder. Mein Kreischen war aber besonders laut. Und ich konnte nicht mehr aufhören, das war das Problem. Man hat sich ja nicht mehr in der Gewalt, wenn man so lachen muss. Das muss einfach raus. Dabei hatte ich den Sketch vorher schon mal auf der Bühne gesehen, sogar in der Originalbesetzung mit Freddie Frinton als Butler James. Aber da saßen wir so weit weg, dass ich mich gar nicht mehr richtig daran erinnern konnte.

          Gab es eine Stelle, an der Sie besonders viel lachen mussten?

          Als der Butler aus der Blumenvase trank. Erst ein paar Tage zuvor kam eine Nachbarin zu mir und war ganz aufgeregt, weil ihr Sohn aus der Vase getrunken hatte. Das ist dann wieder hochgekommen.

          Fanden die anderen im Studio Ihr Lachen lustig?

          Der Aufnahmeleiter kam irgendwann zu mir her und hat den Finger auf die Lippen gelegt. Das hieß: Wenn ich nicht aufhöre, muss ich raus. Selbst Freddie Frinton fühlte sich wohl gestört. So hat man mir das nachher zumindest gesagt.

          Haben Sie damals schon geahnt, dass „Dinner for One“ so groß werden wird?

          Überhaupt nicht. Das wurde ja auch erst viel später wieder an Silvester gesendet, das hat lange geruht. Wir haben uns das angesehen und gelacht, das war’s.

          Nun gehören Sie offenbar zum Inventar. Als in Wanne-Eickel eine westfälische Version gedreht wurde, saßen Sie wieder im Publikum.

          Das war eine Klamotte. Ich habe anstandshalber ein bisschen mitgelacht. Das war nicht das Original, das kann man einfach nicht toppen.

          Wie sieht denn Ihr klassisches Silvester aus? Gehört „Dinner for One“ dazu?

          Ich feiere immer mit der Familie, mit meiner Schwester und meinem Schwager. Bevor wir essen, gucken wir uns immer „Dinner for One“ an. So geht das los. Das gehört einfach dazu.

          Ist es noch immer lustig?

          Wir lachen noch darüber, aber nicht mehr so viel wie früher. Es läuft eher so nebenher mit. Seit die anderen wissen, dass es meine Lache ist, hören die natürlich anders hin. Meine Schwester sagt immer: „Halt, jetzt, jetzt, jetzt kommt’s.“

          Sind Sie nicht wenigstens ein bisschen stolz, Teil davon zu sein?

          Mir ist das eher peinlich.

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