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Wolkige Botschaften: Die meisten Liedtexte im Gangsterrap, sagt Dimitri Chpakov, seien Pose. Bild: Daniel Pilar

Treffen mit Dimitri Chpakov : „Rapper sind nicht koscher“

Wie antisemitisch ist der deutsche Hiphop? Ein Treffen mit Dimitri Chpakov alias Spongebozz, dem ersten offen jüdischen Gangsterrapper.

          5 Min.

          Auf den ersten Blick ist Dimitri Chpakov ein ganz normaler Gangsterrapper. Der Achtundzwanzigjährige, schlaksig und blass, nach hinten gegelte rote Haare, dichter roter Bart, rappt über Drogen, Gewaltexzesse und Luxusmarken. In seinen Songs ist er selbst groß im (Drogen-)Geschäft und überhaupt ein krasser Typ, die anderen sind alle Loser. Beim Rappen trägt er manchmal ein Schwamm-Kostüm, nennt sich in Anspielung auf die Zeichentrickfigur Spongebozz und meint natürlich alles nur ironisch. Sein zweites Künstler-Alter-Ego heißt Sun Diego und kommt ohne Kostüm aus. Chpakov erwartet ein Verfahren, weil in seinem Studio Drogen und Waffen gefunden wurden und er Steuern hinterzogen hat. In der Welt des Gangsterraps ist das nicht schlecht fürs Image.

          Leonie Feuerbach
          Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Was ihn aber von anderen Rappern unterscheidet: Chpakov ist Jude. In einem Song heißt es: „Gangstarapper machen ein’n auf Kokaindealer, doch waren niemals im Ghetto wie meine Oma Sofia“. Und: „Ich war zwei Jahre weg, doch jetzt ist Yellow Bar Mitzvah, fahr’ den Verbrecherfilm wie Sosa, zieh’ von Messerklingen Koka, aber ich häng’ nicht mit Rappern ab, denn Rapper sind nicht koscher“. Im Video dazu brennt ein siebenarmiger Leuchter, Chpakov posiert mit Judenstern auf der Jacke.

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