https://www.faz.net/-gum-82wkv

Vermarktung des Royal Babys : Der ganze königliche Zirkus

  • -Aktualisiert am

Da ist sie: die Tochter von Herzogin Kate und Prinz William Bild: AP

Mit hundert Salutschüssen wird am Nachmittag in London das neue Royal Baby begrüßt. Nur ein kleiner Teil der großen Show um den Zuwachs im Königshaus: Schon die Geburt der kleinen Prinzessin von Cambridge folgte einer perfekten Dramaturgie.

          3 Min.

          Schon am frühen Abend, nur zwölf Stunden nachdem die Herzogin von Cambridge vor dem Krankenhaus vorgefahren war, bekamen die Fotografen das ersehnte Bild: Perfekt frisiert trat die Herzogin mit ihrem Mann, Prinz William, vor das St. Mary’s Hospital und präsentierte ihre neugeborene Tochter. Daraufhin verschwand die Familie wieder im Krankenhaus, um es noch vor Einbruch der Nacht in Richtung Kensington Palast zu verlassen. William steuerte den Wagen eigenhändig, wie schon vor 21 Monaten, als Prinz George geboren wurde.

          Vieles erinnerte an diesem Wochenende an Kates erste Niederkunft. Es war das selbe Krankenhaus in Paddington, derselbe Flügel für Privatpatienten. Wieder hatte die Schwangerschaft mit starker Übelkeit begonnen, wieder überschritt die Mutter den errechneten Termin, wieder verlief die Entbindung unkompliziert - und wieder wies das Kind mit 3741 Gramm ein stolzes Gewicht auf. Auch die Vermarktungsmaschine war rechtzeitig und verlässlich angesprungen. Schon Anfang April hatte die Königliche Münzpresse angekündigt, nicht nur die üblichen Erinnerungsmünzen zu prägen, sondern eine Sonderauflage von 2015 silbernen Penny-Stücken. Diese sollen an jene verschenkt werden, die am selben Tag wie die Prinzessin zur Welt gekommen sind. Glückspennys hatte es schon zur Geburt von Prinz George gegeben. Damals, im Juli 2013, gab es allerdings noch nicht das neue Konterfei der Königin, die zumindest auf der Münze älter geworden ist.

          Bessere Pressearbeit

          Manches ist auch anders beim zweiten Mal. Im Vergleich zur ersten Schwangerschaft handelt es sich um eine spürbar kleinere Staatsaffäre. Der jüngste Spross im Hause Windsor steht in der britischen Thronfolge hinter dem älteren Bruder George, was die Aufregung ein bisschen schmälerte. Zugleich fiel das Ende der Schwangerschaft in die Schlussphase eines ungewöhnlich spannenden Wahlkampfs - am Donnerstag wählt das Königreich ein neues Unterhaus. Für eine Veränderung, zumindest der Wahrnehmung, sorgte auch der neue PR-Berater im Kensington Palast. Eingeweihte wissen zu berichten, dass der Amerikaner Jason Knauf beauftragt worden war, den Medienrummel herunter- und die Privatsphäre der jungen Familie hochzufahren. Vor Georges Geburt hatten sich die Reporter schon Tage vor der Entbindung gegenüber dem Krankenhauseingang aufgebaut und die lange Wartezeit mit derart dämlichen Berichten, Kommentaren und Interviews gefüllt, dass unfreiwillig der ganze royale Zirkus entlarvt wurde. Manchen ist noch in Erinnerung, wie der BBC-Reporter Simon McCoy seiner Frustration vor laufender Kamera Luft machte: „Bald kommen weitere Berichte von hier, keiner davon mit Nachrichtenwert - aber das wird uns nicht abhalten.“

          Diesmal ließ Jason Knauf die Bürgersteige sperren, den kostbaren Platz verteilte er an einige wenige, ausgesuchte Fernsehteams aus dem Königreich. Erst nachdem Kate am frühen Samstagmorgen den Kreißsaal betreten hatte, durften andere, insbesondere internationale Kamerateams und Fotografen, auch Position beziehen. Dafür, das war Bestandteil des „Deals“, waren sie rechtzeitig vom Kensington Palast informiert worden.

          So lief die Dramaturgie im Sinne der Royals ab. Gegen elf Uhr morgens, zweieinhalb Stunden nach der Entbindung, erschien ein historisch uniformierter „Town Crier“ vor dem Krankenhauseingang, bimmelte eine Glocke und verkündete den Journalisten die Geburt der Prinzessin. Vorher waren schon, der Etikette folgend, Königin Elisabeth II., Kronprinz Charles und Premierminister David Cameron informiert worden. Um drei Uhr nachmittags wurde dann die offizielle „Easel“, die staffeleiähnliche Tafel mit der Geburtsanzeige, am Haupteingang zum Buckingham Palast aufgebaut.

          Die Prinzessin von Cambridge steht an vierter Stelle in der britischen Thronfolge - nach ihrem Großvater Charles, ihrem Vater William und ihrem Bruder George. Sie ist die erste Prinzessin in der Familie seit der Geburt von Eugenie von York vor 25 Jahren, Tochter von Prinz Andrew und von Sarah, der Herzogin von York. Die letzte, die den Titel „Princess of Cambridge“ trug, war Mary Adelaide von Cambridge, Enkeltochter von Georg III., die 1833 in Hannover geboren wurde.

          Viel Freiheit für die Prinzessin

          Dank des neuen Thronfolgegesetzes, das vor vier Jahren reformiert wurde, kann die Prinzessin nicht mehr durch einen jüngeren Bruder verdrängt werden. Auch bei der Wahl des Ehemanns wird sie freier sein: Die Prinzessin dürfte sogar einen Katholiken heiraten, ohne auf die Krone verzichten zu müssen. Diese geriete verfassungsrechtlich erst außer Reichweite, würde die mögliche Thronfolgerin selbst konvertieren - ein Katholik als Oberhaupt der anglikanischen Staatskirche, das wäre selbst für britische Verhältnisse ein wenig sonderbar.

          Die Modernität, die das Thronfolgegesetz ausdrücken soll, kennt Grenzen. Wenn die Prinzessin dereinst heiraten will, wird sie die Zustimmung des Staatsoberhauptes einholen müssen (und niemand will ausschließen, dass dies dann immer noch Elisabeth II. sein wird). Viel wird über den Namen der Prinzessin spekuliert. Die Labour Party fürchtet angeblich den Namen Margaret, weil der an Frau Thatcher erinnern und so die Wahlen im letzten Moment entscheiden könnte; die Frage wäre allerdings zu wessen Gunsten. Die unvermeidlichen Buchmacher haben andere auf der Liste: Ganz oben steht Alice, gefolgt von Charlotte, Elizabeth und Victoria. Zahllose Royalisten wünschen sich aber den Namen Diana, nach Charles’ erster Ehefrau, Mutter von William und Harry. Sie wäre an diesem Wochenende zum zweiten Mal Großmutter geworden, hätte sie nicht vor 18 Jahren den Tod in einem Pariser Autotunnel gefunden. Der kleinen Prinzessin von Cambridge droht aber auch ohne den Namen ein Leben, das nach Spuren abgesucht werden wird, die an ihre Großmutter erinnern, die „Prinzessin der Herzen“.

          Weitere Themen

          Bruder von Honduras’ Präsident verurteilt

          Kokainschmuggel : Bruder von Honduras’ Präsident verurteilt

          Der Bruder des honduranischen Präsidenten ist in den Vereinigten Staaten wegen Kokainschmuggels schuldig gesprochen worden. Er soll Geschäfte mit dem ehemaligen mexikanischen Drogenboss „El Chapo“ gemacht haben – und seinem Bruder Geld für den Wahlkampf gesponsert haben.

          Topmeldungen

          Brexit-Deal : Kein Tag der Entscheidung

          Auch Boris Johnson ist nicht immun gegen das, was seiner Vorgängerin Theresa May widerfahren war. Mehr als drei Jahre nach dem Referendum liegt der Austritt des Vereinigten Königreichs weiter im Nebel. Vielleicht kann das bei einem Thema von dieser Bedeutung nicht anders sein.
          Ohne Worte: Die Bayern um Manuel Neuer sind enttäuscht.

          Wildes Spiel in Augsburg : Später Bayern-Schock nach Lewandowski-Rekord

          In der Anfangsphase gibt es für den FC Bayern gleich zwei schlechte Nachrichten: Ein früher Rückstand und ein wohl langer Ausfall von Niklas Süle. Danach sieht es auch dank Lewandowski lange gut aus, ehe in der Nachspielzeit alles noch schlimmer kommt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.