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Mit 3G auf die Piste : Die Skisaison in Südtirol beginnt – unter Auflagen

In Südtirol hält man an der Skisaison fest. (Archivbild) Bild: picture alliance / Bildagentur-o

Zum Wochenende hat es in Südtirol kräftig geschneit. Einen neuerlichen Ski-Lockdown will man sich nach dem Totalausfall im vergangenen Jahr nicht leisten. Lokale Notbremsen und eine Impfoffensive sollen die Saison retten.

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          Der Wettergott hat es gut gemeint mit der Skisaison in Süd­tirol: Zum Wochen­ende hat er tüchtig Schnee geschickt. Aus anderem Grund ist Manfred Gaudenz vom Weißen Kreuz zufrieden: Die dreitägige Impfaktion an der Talstation der Kabinenbahn Piz La Ila in Alta Badia war ein voller Erfolg. Mehr als 700 Leute haben sich von Mittwoch bis Freitag im Impfcontainer des Weißen Kreuzes die Spritze setzen lassen. Bei gut vier Fünfteln von ihnen sei es die Booster-Impfung gewesen, sagt Gaudenz.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Der „Landesrettungsverein Weißes Kreuz“ ist eine Besonderheit der autonomen norditalienischen Provinz Südtirol. Gegründet wurde der Hilfs- und Rettungsdienst 1965 von deutschsprachigen Südtirolern, die sich vom italienischen Roten Kreuz nicht ausreichend versorgt sahen. Heute ist das „deutsche“ Weiße Kreuz mit knapp 400 hauptamtlichen Mitarbeitern und gut 2300 ehrenamt­lichen Helfern ein professioneller Rettungs- und Sanitätsdienst, der längst nicht mehr mit dem „italienischen“ Roten Kreuz konkurriert, sondern kooperiert. Man teilt sich die Notrufnummer 112 und koordiniert die Notfall- und Hilfseinsätze.

          Für den Piks im Impfcontainer des Weißes Kreuzes, aufgestellt am Fuß der Skipiste Gran Risa von Alta Badia, war keine Anmeldung erforderlich. Jeder „Impfling“ ab 18 Jahren musste bloß den Anamnesebogen ausfüllen, nach dem Gespräch mit dem Impfarzt die Einverständniserklärung unterschreiben – und schon wurde das BioNTech-Pfizer-Vakzin verabreicht.

          Schlusslicht bei der Impfquote

          Angestoßen hatte die Impfaktion in Alta Badia, im Herzen des Siedlungsgebiets der ladinischen Sprachgemeinschaft im Gadertal, der staatliche Südtiroler Sanitätsbetrieb in Bozen. Denn Südtirol gehört neben Kalabrien und Sizilien zu den nationalen Schlusslichtern bei der Impfquote. Knapp 78 Prozent der Einwohner über zwölf Jahre sind in Südtirol vollständig geimpft. Im Landesdurchschnitt sind es gut 84 Prozent. Bei den Neuinfektionen gehört Südtirol dagegen zu den Spitzenreitern, auch wenn die Lage in den Kliniken noch unter Kontrolle ist.

          Weil jüngst mehrere Indikatorengrenzen überschritten wurden – eine Wocheninzidenz von mehr als 800 je 100.000 Einwohner sowie eine Impfquote von weniger als 70 Prozent –, hat die Regierung in Bozen 36 Gemeinden mit etwa 16.000 Einwohnern zu „roten Zonen“ erklärt und Einschränkungen verhängt, unter anderem eine nächtliche Ausgangssperre und Maskenpflicht im Freien, sofern der Abstand nicht eingehalten werden kann.

          Die lokalen „Notbremsen“, die zunächst bis 6. Dezember gelten, und eine neue Impfoffensive der Regierung in Bozen sollen die Wintersaison retten helfen. Gemäß nationalem Warnampelsystem gilt die Provinz Südtirol mit ihren gut 530.000 Einwohnern weiter als „weiße Zone“ mit geringem Infektionsrisiko und minimalen Einschränkungen. Das Beherbergungs­gewerbe meldet eine erfreuliche Buchungslage für die Wintersaison – noch. Seit März 2020 standen in ganz Italien Skilifte und Gondeln still, während etwa in der Schweiz munter gewedelt und gerodelt werden durfte.

          Gefahren wird nur mit Green Pass

          Nach dem Totalverlust der Wintersaison 2020/21 will man sich in Italien einen neuerlichen Ski-Lockdown nicht leisten. „Die Schließung der Anlagen wäre ein Desaster und würde die Wirtschaft der Alpen zerstören“, warnt Andy Varallo, Präsident von Dolomiti Superski. Der Verbund betreibt ein Dutzend Skigebiete in Südtirol, im Trentino und in Venetien. Am Samstag wurden von Dolomiti Superski wie geplant die ersten Lift- und Seilbahnanlagen in Betrieb genommen, namentlich im Skigebiet Kronplatz bei Bruneck im Pustertal. Vom kommenden Wochenende an sollen die meisten der gut 460 Lifte des Verbundes laufen. Und auf den 1200 Kilometern Pisten soll es brummen.

          In die Gondel und auf den Lift darf aber nur, wer über den Green Pass verfügt, also geimpft, genesen oder getestet ist. Die Kapazität der geschlossenen Gondeln ist auf 80 Prozent begrenzt, es gilt zudem Maskenpflicht. Überall muss ein Mindestabstand von einem Meter eingehalten werden. Weil Impfungen „das A und O“ im Kampf gegen das Virus seien, unterstützte Dolomiti Superski den Sanitätsbetrieb beim Impfangebot.

          In Alta Badia fiebert man derweil einem Großereignis im internationalen Skizirkus entgegen: Am 19. und 20. Dezember finden zwei Riesenslalomläufe im Weltcup der Herren statt. Es wird die 36. Ausgabe des Rennens auf der technisch schwierigen Gran Risa sein. Nach dem Geisterrennen im letzten Jahr sollen heuer wieder Zuschauer dabei sein. In begrenzter Zahl.

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