https://www.faz.net/-gum-9h7yt

Alba August im Gespräch : „In Astrid erkenne ich mich auch selbst – in der Abenteuerlust“

  • -Aktualisiert am

Alba August schloss erst vor kurzem ihr Schauspielstudium in Kopenhagen ab und ist noch relativ neu im Geschäft. Bild: Foto Petra Kleis

Die 25 Jahre alte Schwedin Alba August spielt in ihrer ersten großen Kinorolle gleich eine Ikone: Astrid Lindgren, die Schöpferin von Pippi Langstrumpf. Im Interview spricht sie über ihre Rolle im Film, ihr Elternhaus und was sie als nächstes vorhat.

          Schnell noch eine Zigarette auf dem Hotelbalkon mit Blick auf den Potsdamer Platz, dann kann das Interview losgehen. Ob die Rauchpause zur Beruhigung dient? Man merkt Alba August nämlich an, dass Gespräche mit der Presse für sie noch ein wenig aufregend und längst noch keine Routine sind. Kein Wunder, schließlich ist die 25 Jahre alte Schauspielerin, die erst vor einigen Monaten ihr Schauspielstudium in Kopenhagen abschloss, noch relativ neu im Geschäft. In ihrer ersten großen Kinorolle spielt sie nun die junge Astrid Lindgren.

          Frau August, lassen Sie uns als Erstes über Lindgren sprechen, immerhin verkörpern Sie die legendäre Schriftstellerin aktuell in „Astrid“. Hatten Sie schon vorher einen Bezug zu ihr?

          Selbstverständlich! Astrid Lindgren spielte eine große Rolle in meiner Kindheit. Als ich klein war, war sie die berühmteste Schriftstellerin überhaupt und in Schweden omnipräsent. Nicht nur standen alle ihre Bücher in meinem Regal; meine Schwester und ich waren gefühlt auch jedes Wochenende im Junibacken, einem Kindermuseum rund um Astrid Lindgren und ihre Geschichten in Stockholm. Man könnte wohl sagen, dass sie für mich so etwas wie eine Heldin oder sogar ein Idol war.

          Sie dann gleich in Ihrer ersten großen Filmrolle zu spielen, das war also eine besondere Ehre?

          Natürlich, aber gleichzeitig war das auch ganz schön respekteinflößend. Ich war mindestens so nervös, wie ich begeistert war. Zum Glück habe ich es dann recht schnell geschafft, sie als eine Rolle wie jede andere zu betrachten und mich einfach darauf zu konzentrieren, diese Figur zu verstehen. Wobei es natürlich sehr geholfen hat, dass der Film von der jungen Lindgren erzählt, also aus den Jahren, lange bevor sie eine legendäre Schriftstellerin war.

          Kannten Sie ihre Biographie?

          Kein bisschen. Aber das geht vermutlich den meisten Lesern so. Die Geschichte, wie sie so jung schwanger wurde und ihren Sohn erst einmal weggeben musste, hat mich schockiert und unglaublich berührt. Zu meiner Bewunderung für Astrid Lindgren als Schriftstellerin kam noch ein ganz neuer Respekt für sie als Frau hinzu. Weswegen ich dann erst recht den Wunsch hatte, ihr auch wirklich gerecht zu werden. Vom Schreibmaschine-Schreiben bis zu den Zwanziger-Jahre-Tänzen wollte ich wirklich alles lernen, um möglichst authentisch zu wirken.

          Lindgren 1948, mit etwa 40 Jahren.

          Es gibt in „Astrid“ eine Tanzszene, die ganz wunderbar verdeutlicht, was für eine mutige und unabhängige Frau Lindgren schon in jungen Jahren war. Woher hatte sie, die 1907 auf einem Hof in der schwedischen Provinz geboren wurde, diese Stärke?

          Ich glaube, sie hatte wirklich Glück mit ihren Eltern. Die waren zwar sehr religiös und streng. Aber sie hatten auch ein enormes Vertrauen in Astrid und haben ihr früh echte Verantwortung überlassen. Sie bekam immer zu spüren: Du bist stark, du schaffst das. Abgesehen davon, hat sie natürlich ihre Kindheit größtenteils in der Natur verbracht. Auch daher kamen ihre Freiheitsliebe und ihre Impulsivität, dieses Eins-Sein mit ihren Gefühlen.

          Sehen Sie Parallelen zu Ihrer eigenen Persönlichkeit? Sind Sie auch stark und mutig?

          Das würde ich durchaus mit „Ja“ beantworten. Wobei wir alle natürlich viel komplexer sind, als es zwei einzelne Adjektive beschreiben könnten. Ich bin auch ängstlich, ich bin nervös, ich bin unsicher. Und für Astrid gilt sicherlich das Gleiche. Aber ja, um bei Ihrer Frage zu bleiben: Ich erkenne mich in ihr durchaus wieder. Diese manchmal fast zu große Neugier, diese Lust auf Abenteuer und Herausforderungen – die kenne ich auch von mir selbst.

          „Ihre Eltern sagten ihr, du schaffst das“: Alba August im Teenager-Alter.

           Ihr Vater Bille August ist ein Oscar-prämierter Regisseur, Ihre Mutter Pernilla August ist erfolgreiche Schauspielerin und ebenfalls Filmemacherin. Wann wurde Ihnen bewusst, dass Ihre Eltern berühmt sind?

          So richtig bewusstgemacht habe ich es mir erst in den letzten Monaten, weil Leute wie Sie mich darauf ansprechen und mit der Arbeit meiner Eltern vertraut sind. Früher habe ich das kaum mitbekommen. Wie berühmt mein Vater in Dänemark ist, wusste ich nicht, da ich so gut wie nicht mit ihm aufgewachsen bin. Auch meine Mutter hat, genau wie er, größtenteils anspruchsvolle Filme für Erwachsene gedreht, weswegen meine Klassenkameraden davon nichts mitbekamen. Und bei den wenigen Ausnahmen war ich es dann, die ahnungslos war. Ich weiß noch, wie mich mal auf dem Schulhof jemand ansprach und ganz begeistert war, dass meine Mutter in „Star Wars“ mitspielt. Worauf ich nur antworten konnte: „Was ist ,Star Wars‘?“

          Wie sehr hat Ihr Elternhaus trotzdem Ihre Berufswahl geprägt?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brexit-Chaos : Jetzt ist alles denkbar

          Nach der Verschiebung der Brexit-Abstimmung im Unterhaus erscheint alles denkbar: Theresa Mays Rücktritt, ihr Sturz, Neuwahlen – oder ein neu ausgehandelter Brexit-Vertrag.

          Kramp-Karrenbauer : Wie hältst du‘s mit der Neuen?

          Was verändert die Wahl Annegret Kramp-Karrenbauers? SPD und Grüne sehen die CDU in schwieriger Lage, die FDP will Merz-Anhänger für sich gewinnen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.