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Reaktionen auf Prinz Andrew : „Qualvoll“ und „arrogant“

Schlechte Verteidigung: Die Kritik an Prinz Andrew reißt nach seinem BBC-Interview nicht ab. Bild: dpa

Zwei Tage nach Prinz Andrews Versuch, sich im Missbrauchsskandal um Jeffrey Epstein zu entlasten, hält die Kritik an ihm weiter an. Nun äußern sich auch die Anwälte der Opfer sowie frühere Kommunikationsberater des Königshauses.

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          Auch am Montag riss die Kritik an Prinz Andrew und dessen Interview über seine Beziehung zu dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein nicht ab. Amerikanische Anwälte der Missbrauchsopfer beklagten, dass der 59-Jährige in dem am Samstagabend ausgestrahlten Interview keine Anteilnahme für die Opfer gezeigt habe, und äußerten Zweifel an der Verteidigungslinie des Herzogs von York. Britische Zeitungskommentatoren vertraten einhellig die Auffassung, dass sich der zweitälteste Sohn der Queen mit seiner Bereitschaft, der BBC Rede und Antwort zu stehen, keinen Gefallen getan hat.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Prinz Andrew wird von einer früheren „Sex-Sklavin“ Epsteins vorgeworfen, sie im Alter von 17 Jahren mehrmals missbraucht zu haben. Die Treffen seien von Epstein eingefädelt worden. Dies wies der Prinz in dem Interview „kategorisch” zurück. Er sagte, dass er sich an kein Treffen mit der Frau erinnern könne und focht ihre Vorwürfe an. So habe er an einem der drei Abende, an dem er mit der Minderjährigen vor 18 Jahren in London geschlafen haben soll, mit seiner Tochter ein Pizza-Schnellrestaurant in Woking besucht. Auch habe er zu jener Zeit nicht, wie von der Frau zu Protokoll gegeben, beim Tanzen schwitzen können, weil er als Folge einer Verletzung im Falkland-Krieg gar nicht habe schwitzen können. Ein Foto, das den Prinzen dabei zeigen soll, wie er in offenem Hemd die junge Frau an der Hüfte umarmt, sei schon deswegen fragwürdig, weil er in London nie ohne Krawatte ausgehe. 

          Mehr Fragen als Antworten

          Hofberichterstatter meinten am Montag zu wissen, dass die Queen und Kronprinz Charles nicht in Andrews Entscheidung einbezogen worden seien, ein Interview über sein Verhältnis zu Epstein zu geben. Der Investmentbanker hatte sich vor drei Monate im Gefängnis das Leben genommen. Erst als das Interview mit der BBC verabredet und terminiert war, sollen sie informiert worden sein. Zeitungen berichteten, dass er seiner Mutter nach dem Interview gesagt haben soll, dass es „ziemlich gut gelaufen“ und ein „Erfolg“ gewesen sei. In Kommentaren war hingegen vielfach von einer „Katastrophe” die Rede und einem Gespräch, das mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet hätte. Frühere Kommunikationsberater der Königsfamilie bezeichneten das Interview als „qualvoll“ und „arrogant“. Manche forderten, dass Andrew von seinen Aufgaben für das Königshaus entbunden werden sollte. Mehrere Anwälte, die sich mit Fällen sexuellen Missbrauchs befassen, forderten den Herzog auf, dem FBI bei den Ermittlungen zu helfen. 

          Die Affäre erreichte am Montag auch die Politik. Premierminister Boris Johnson wurde bei einem Auftritt vor dem britischen Wirtschaftsverband CBI mehrmals von Journalisten gefragt, ob er die Empörung über das Interview des Prinzen teile und dem Herzog ebenfalls rate, sich den amerikanischen Ermittlungsbehörden zur Verfügung zu stellen. Johnson sagte, er äußere sich nicht zu Fragen, die die königliche Familie berührten. 

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