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Die Paparazzi von Hollywood : Die Schönen und die Biester

  • -Aktualisiert am

Britney Spears auf den Fersen: Craig Williams, Reporter von Hollywood.TV Bild: AP

Unterwegs mit den Paparazzi von Hollywood - man wartet lang auf die Promis, die doch, gut gestylt, alle etwas von ihren Verfolgern wollen. Aber dann endlich kommt Jessica Alba mit Mann und Kind.

          Es klingt wie an der Schießbude auf dem Jahrmarkt. „Du sagst mir, welche du möchtest, und ich schieße sie dir.“ Fabio, 30 Jahre alt, portugiesisch durchwirktes Englisch, langes Teleobjektiv auf der Kamera, spricht aber nicht von Plastikrosen. „George Clooney, Leonardo DiCaprio, vielleicht Beckham?“ Auf die Frage, bei welchem Prominenten die Chance auf einen Abschuss denn am höchsten sei, folgt nur ein kurzes: „Ich rufe dich an.“

          Zwei Abende später klingelt das Telefon. Leo feiere im „Madeo“, und Tyson, der Boxer, werde am Flughafen von Los Angeles erwartet. Mike Tysons Goldzähne? Dann doch lieber mit Fabio und anderen Paparazzi vor dem schicken Italiener in West Hollywood auf DiCaprio warten und sich dabei Anekdoten aus dem am heftigsten umstrittenen Berufsstand in Kalifornien erzählen lassen.

          Der Kellner hat es ihm gesteckt

          Sie werden Haie genannt, Geier oder Hyänen. Aber jetzt lungern sie hier rum vor dem „Madeo“, die Paparazzi, es ist schon Nacht. Angetrunkene C-Prominente sind da und eine Armada schwarzer Limousinen mit Chauffeur. Wer fehlt, ist Leo. Der feiere gerade mit seiner Entourage in einer unscheinbaren Osteria am Beverly Boulevard, sagt Fabio, das habe ihm ein redseliger Kellner gesteckt, der immer für ein paar Dollarnoten zu haben sei. Wenn am „Madeo“ die livrierten mexikanischen Türsteher zackig die Tür aufreißen, um ein paar Gäste in die kühle Nachtluft zu entlassen, gleitet Fabios Blick fast gelangweilt in ihre Richtung. Das Warten nutzt Fabio für Weisheiten: „Ein guter Paparazzo ist nicht der, der die besten Fotos macht, sondern der, der die höchsten Preise aushandelt.“ Dann via Handy die Gewissheit. Ein Kollege der Agentur x17 teilt Fabio mit, DiCaprio habe das „Madeo“ längst verlassen. Fabio weist mit einem Achselzucken auf den Hintereingang des Restaurants, auf die Tiefgarage, durch die schon viele Prominente entwischten. „Wir bekommen die Celebritys eigentlich nur vor die Kamera, wenn sie es wollen“, sagt Fabio. „Wer sein Bild nicht im Internet oder in einem Magazin sehen will, bleibt zu Hause und lässt sich das Abendessen bringen. Pamela Anderson setzt manchmal tagelang keinen Fuß vor die Tür.“

          Paparazzi bei der Arbeit, hier vor dem Haus von Schwarzeneggers Kindermädchen

          Nach drei Jahren als Paparazzo im Dienst der Agentur x17 auf den palmengesäumten Straßen von Los Angeles scheint Fabio mit den Gewohnheiten vieler Stars vertraut. Eva Longoria lässt sich am liebsten beim Shopping auf dem Robertson Boulevard fotografieren, auch Megan Fox und Hilary Duff. Jessica Simpson bevorzugt längere Aufenthalte in den Friseursalons von Beverly Hills. Cameron Diaz sei schwer zu erwischen, da sie „wie eine Verrückte“ fahre. Und Drew Barrymore lasse sich nur fotografieren, wenn ein neuer Film mit ihr herauskomme.

          Man sieht sich im Supermarkt

          Bei Prominenten und Paparazzi gleichermaßen beliebt ist der Supermarkt Country Mart im Stadtteil Brentwood, in dem sich die Stars besonders am Wochenende en famille zeigen. „Regis wird auch schon mal von Managern oder Freunden angerufen, wenn die Celebritys ein bisschen Publicity brauchen.“ Hinter dem vertrauten „Regis“ verbirgt sich François Navarre, Fabios Arbeitgeber bei der Agentur x17, spätestens seit den Fotos von Britney Spears' Kopfrasur der Papa der „Paps“. Als ehemaliger Fotojournalist von „Le Monde“ hat der Achtundvierzigjährige den Voyeurismus zum Millionengeschäft gemacht. Das Bild des kahlgeschorenen Popstars vor dem Spiegel eines Friseursalons soll Navarre damals allein für den Erstabdruck mehr als 80.000 Dollar gebracht haben. Heute belagern in Los Angeles etwa 300 Paparazzi die einschlägigen Wasserlöcher der Stars wie das Hotel Marmont oberhalb des Sunset Boulevards, das Steakhouse „Boa“ in West Hollywood oder die Bar „STK“ am La Cienega Boulevard.

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