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Neue Mitglieder in Akademie : Die Oscar-Akademie wird weiblicher

  • -Aktualisiert am

Auch eingeladen: Nina Hoss und Sebastian Koch Bild: dpa

Die Oscar-Akademie verteilt die Oscars. Zum ersten Mal wurde die Hälfte der Neumitglieder-Einladungen jetzt an Frauen ausgesprochen. Dass viele Neuzugänge dabei aus dem Fernsehen stammen, sorgt aber für Kritik.

          Die Mitgliederliste der amerikanischen Filmakademie galt lange als eines der bestgehüteten Geheimnisse in Hollywood. Gelegentlich gab sich ein Schauspieler oder Regisseur in einem Interview als Angehöriger der exklusiven Organisation zu erkennen. Bei Granden der Filmindustrie wie Tom Hanks, Steven Spielberg und Robert Redford lag eine Mitgliedschaft auf der Hand – genau wie bei Oscar-Nominierten, die automatisch in die engere Wahl kamen.

          Wie bei einem Country Club müssen potentielle Neuzugänge vorgeschlagen werden. Eigene Bewerbungen schließt die Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS), wie die Filmakademie seit ihrer Gründung im Jahr 1927 offiziell heißt, aus. Vor sieben Jahren lüftete die „Los Angeles Times“ schließlich das Geheimnis um Hollywoods Schaltzentrale, die jedes Jahr die Oscars vergibt. Die knapp 6000 stimmberechtigten Mitglieder waren fast ausschließlich weiß (94 Prozent), männlich (77 Prozent) und hatten die produktivsten Jahre bereits hinter sich. Das Durchschnittsalter der Academy lag bei 62 Jahren. Nur jedes siebte Mitglied war jünger als 50. Die Organisation lag von der Demographie der Vereinigten Staaten so weit entfernt wie Trumps Gesundheitspolitik von Obamacare. „Die Filmakademie wird als elitäre Truppe wahrgenommen, der Minoritäten egal sind. Es scheint kein Interesse zu geben, diese Wahrnehmung zu ändern“, wetterte der afroamerikanische Schauspieler und Regisseur Bill Duke.

          Seitdem bemüht sich AMPAS um Diversität. Im Jahr 2013 kündigte die Academy an, in den kommenden Monaten etwa 400 neue Mitglieder einzuladen, unter ihnen mehr Frauen, Schwarze und Latinos als in der Vergangenheit. Große Veränderungen blieben aber aus. Die Zahl der weißen Wähler sank nur auf 93 Prozent, das Durchschnittsalter stieg derweil auf 63 Jahre an. Im Jahr 2015 wagte Hollywoods Herrenclub einen weiteren Versuch. Unter den gut 300 Neuzugängen waren mit David Oyelowo, Gugu Mbatha-Raw und Bong Joon-ho sowie Emma Stone und Rosamunde Pike mehr weibliche Stars, Filmschaffende mit nicht-amerikanischen Wurzeln und dunkler Hautfarbe als zuvor.

          Bei den Oscars ließ die neue Marschrichtung dagegen auf sich warten. Auch 2015 fanden sich auf der Liste der Nominierten in allen Schauspielkategorien nur hellhäutige Darsteller. Als die Filmakademie ein Jahr später abermals ausschließlich Weiße als beste Haupt- und Nebendarsteller aufstellte, kam es zum Eklat. Unter dem Hashtag #OscarSoWhite formierte sich in sozialen Medien der Widerstand. Cheryl Boone Isaacs, die afroamerikanische Chefin der Filmakademie, versprach Besserung. „Leider kommen die Veränderungen nicht so schnell, wie wir es gern hätten“, ließ sie wissen.

          Nach mehr als 900 Einladung im vergangenen Sommer legte die Filmakademie jetzt abermals nach. Am Montag gab sie bekannt, fast 850 Filmschaffenden aus 59 Ländern eine Mitgliedschaft angeboten zu haben. Zum ersten Mal in der Geschichte der Academy wurde die Hälfte der Einladungen an weibliche Schauspieler, Regisseure und Drehbuchautoren ausgesprochen. Fast jeder Dritte ist nicht weiß.

          Falls alle Eingeladenen annehmen, unter ihnen neben Lady Gaga und Jean-Louis Trintignant auch die Deutschen Nina Hoss und Sebastian Koch, zählt die Filmakademie künftig mehr als 9000 Mitglieder. Das Branchenblatt „The Hollywood Reporter“ warnt derweil vor Schnellschüssen im Namen der Diversität. Viele Neuzugänge wie Claire Foy und Elisabeth Moss stammten nicht aus der Filmindustrie, sondern arbeiteten im Fernsehen: „Wenn die Oscars auch weiterhin als Zeichen von Exzellenz der Filmbranche gelten sollen, müssen sich die Menschen, die dazu ihre Stimme abgeben, auch in Filmen bewiesen haben.“

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