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MTV Video Music Awards : Gott ist eine Frau

  • -Aktualisiert am

Die Abräumerin des Abends: Camila Cabello Bild: AFP

Bei den diesjährigen MTV Video Music Awards dominierten starke Frauen. Das ist auch ein Verdienst der MeToo-Bewegung.

          Inmitten von göttlich anmutenden Tänzerinnen performte Ariana Grande am Montagabend bei den MTV Video Music Awards in New York ihren Song „God is a woman“ – tatsächlich schien er das Motto dieses Abends zu sein, der ganz im Zeichen kreativer und erfolgreicher Frauen steht.

          In elf von insgesamt 20 Kategorien konnten sich Frauen die Trophäe sichern. Im letzten Jahr sah das noch anders aus. Künstlerinnen konnten sich in nur drei von 16 Kategorien gegen ihre männlichen Konkurrenten durchsetzen.

          Die wichtigsten Auszeichnungen gingen an die erst 21 Jahre alte kubanisch-amerikanische Sängerin Camila Cabello. Rapperin Nicki Minaj triumphiert in der bisher eher männlich dominierten Kategorie „Hip-Hop“ über Favoriten wie Rap-Superstar Drake. Und ihre Kollegin Cardi B. konnte sich nur fünf Wochen nach der Geburt ihrer Tochter den Preis als beste Newcomerin sichern. Bei der Eröffnung wickelte die ehemalige Stripperin eine der beliebten Trophäen in eine pinke Babydecke – ein Schuss in Richtung ihrer Kritiker. „Vor einigen Monaten haben mir einige Leute gesagt: ‚Du spielst mit deiner Karriere. Du bekommst ein Baby, was machst du?´ Ich habe das Baby ausgetragen, ich habe das Baby bekommen und jetzt gewinne ich immer noch Preise.“ Ein Kind und – oder besser gesagt – trotz Karriere ist offenbar auch im 21. Jahrhundert für viele noch ein Widerspruch.

          Auch der Preis für das Lebenswerk ging in diesem Jahr an eine Frau. Jennifer Lopez, ebenfalls zweifache Mutter und seit Jahren erfolgreich im Geschäft, bedankte sich mit Tränen in den Augen bei ihrer Familie. Madonna gedachte in einer Rede der erst kürzlich verstorbenen Soul-Legende Aretha Franklin (gleichwohl Kritiker ihr vorwerfen, dass Madonna in ihrer Rede hauptsächlich einer Queen gedacht hat – sich selbst).

          In Zeiten von MeToo setzen die Entwicklungen, die dieser Abend preisgibt, ein wichtiges Zeichen. Über Monate hinweg waren immer wieder neue Fälle von sexueller Belästigung bekannt geworden, Täter enttarnt und Verfahren eröffnet.  Immer mehr Opfer fanden den Mut, Missbrauch und Diskriminierung zu kommunizieren und sich öffentlich zu solidarisieren. Im Mittelpunkt der diesjährigen Verleihung standen starke und unabhängige Frauen, die nicht mehr nur als dekorative Begleitung oder optische Unterstützung fungierten.

          Das Musikbusiness, das sich seit jeher Diversität auf die Flagge schreibt, versammelte darüber hinaus besonders viele afro- und lateinamerikanischen Künstlerinnen und reagierte damit besonders stark auf die Protestbewegungen in der Gesellschaft. Erstmals gab es auch die Kategorie „Lateinamerikanische Musik“.

          Dieser Abend voller Gewinnerinnen ist auch das Ergebnis einer Debatte, die trotz ihrer fortwährenden Präsenz in den Medien immer noch am Anfang steht – die VMAs sind ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.

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