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Molly Tillerman aus der Serie „Central Park“ bekommt nun eine neue Stimme Bild: Picture-Alliance

Rassismus-Debatte : Die Macht der Stimmen

Weiße Sprecher für dunkelhäutige Cartoonfiguren: In Amerika gilt das nun als rassistisch. Was heißt das für Deutschland und die Synchronstimmen schwarzer Stars?

          9 Min.

          Über das Wohl und Wehe eines Films kann mitunter die Besetzung einer einzigen Rolle entscheiden. Nehmen wir Disneys Zeichentrickverfilmung des „Dschungelbuchs“ von 1967, bis heute gerade in Deutschland ungemein beliebt, die Rudyard Kiplings düstere Vorlage zum leichtpfötigen Hippie-Musical umwandelte. Im amerikanischen Original zu hören sind die Stimmen zahlreicher Musiker, das Geier-Quartett war nach dem Vorbild der Beatles geformt, die aber nicht mitmachen mochten. Und noch einen weiteren ganz Großen hatte Disney für eine Figur im Sinn gehabt: Louis Armstrong. Doch jeder, der diesen Film liebt, muss heilfroh sein, dass es dazu am Ende nicht gekommen ist.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Für Armstrong nämlich war jene Rolle vorgesehen gewesen, die schließlich sein Kollege und Namensvetter, der Italoamerikaner Louis Prima, übernahm: der swingende, scattende Orang-Utan King Louie. Gottlob aber dämmerte es den Disney-Leuten schon damals, welch verheerendes Signal man mit Armstrong als King Louie gesetzt hätte: ein weltberühmter Schwarzer als Affenkönig, der den Knaben Mogli um das Geheimnis des Feuermachens anbettelt, da er so gern ein richtiger Mensch wäre. Statt in den Herzen unzähliger Zuschauer wäre der Film – jedenfalls seine Originalversion – wegen Rassismus längst auf dem Index gelandet. Nachdem die Armstrong-Idee verworfen wurde, fanden sich auf der Besetzungsliste des „Dschungelbuchs“ ausnahmslos weiße Darsteller. So wie es damals normal war und über Jahrzehnte auch normal bleiben sollte.

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