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Herzblatt-Geschichten : Diagnose: Britische Hüften

Emma Thompson hat Erfolge als Schauspielerin und Drehbuchautorin gefeiert – die „Bild“ beschäftigt sich aber lieber ihren Zähnen und ihren Hüften. Bild: dpa

Ob das ansteckend ist? Die „Bild“ diagnostiziert bei Emma Thompson „britische Hüften“. Derweil geht das Rätselraten um Herzogin Meghans Geburtspläne weiter und Guido Maria Kretschmer beweist selbst in Notsituationen Stil.

          Keine Sorge, Sie haben nichts verpasst. Zumindest bis zu unserem Redaktionsschluss ist das Kind von Meghan und Harry nicht auf die Welt gekommen, Schlagzeilen zum Trotz wie dieser in Frau aktuell: „Sensation am Königshof! Harry & Meghan – Das erste Baby-Foto im Internet“. Dahinter verbirgt sich lediglich die Absicht des royalen Paares, das erste Foto ihres Kindes auf der eigenen Instagram-Seite zu zeigen. Ein weiterer, von Frau im Spiegel kolportierter Plan: Meghan verzichtet „auf die renommierten Gynäkologen des Könighauses, weil sie die Vorstellung schrecklich finde, dass ,Männer in Anzügen‘ ihr Baby zur Welt bringen“. Möglicherweise versuchen die königlichen Gynäkologen ja, doch noch zum Zuge zu kommen, indem sie stattdessen hippe T-Shirts, Bademäntel oder Röcke anziehen.

          Ihre Hochzeitskleidung durch ein pittoreskes Accessoire aufgepeppt haben Designer Marc Jacobs und sein Gatte Charly: Beide trugen laut Frau im Spiegel „kleine Pinguine aus Diamanten und Onyx“. Und zwar, so Jacobs, aufgrund der Symbolik: „Pinguine haben nur einen Partner fürs Leben. Ein großes Beispiel für Ergebenheit und Treue.“ Wobei man berücksichtigen sollte, dass ein Pinguinleben meist nur zehn bis zwanzig Jahre dauert, da wird der Partner nicht so rasch langweilig. Jacobs selbst übrigens wird von Frau im Spiegel nicht als Pinguin bezeichnet, sondern als „exzentrischer Paradiesvogel“; wie es um deren Monogamie bestellt ist, das mögen Biologen beurteilen.

          „Rockstars sollten Single bleiben“

          Für die Hochzeitsgäste gab’s kleine Gaben, so bekam jeder „einen Pullover mit zwei aufgestickten kuschelnden Ottern“. Sollte das ein Ausdruck dessen sein, was das Hochzeitspaar von seinen Gästen hält, es wäre ein fataler: Otter nämlich halten sich, wie wir nachgelesen haben, mit Kuscheln nicht groß auf, sondern gehen sofort auf recht robuste Art zur Sache, die oft mit Bisswunden einhergeht. Nach der Paarung sucht das Männchen das Weite. Es kann halt nicht jeder eine Pinguinbeziehung führen.

          Halten sich für Pinguine: Marc Jacobs (rechts) und sein Mann Char Defrancesco.

          Eher zur Gattung der Otter wäre wohl Marc Terenzi zu zählen, der sich von seiner Freundin getrennt hat und von Die neue Frau mit den Worten zitiert wird: „Sie will die Kleinstadt, ich die Weltbühne. Rockstars sollten Single bleiben.“ Das mag ja sein, doch haben wir es bei Terenzi mit einem Rockstar zu tun? Als wir letztmals von ihm hörten, hatte er sich bei einer bekannten Gruppe von Strippern verdingt. Wo mögen solche wohl am besten aufgehoben sein, in Mittelstädten?

          Ottern wie Pinguinen steht Franziska van Almsick womöglich gleichermaßen wohlwollend gegenüber, zieht es doch beide Tiere gern ins Wasser. In Bild überrascht unsere Schwimmlegende mit einer traurigen Beichte: „,Ich kann nicht baden und ich kann nicht plantschen‘, so van Almsick. ,Wenn ich in ein Schwimmbecken gehe, muss ich sofort meine Bahnen ziehen.‘“ Damals mit ihren Kleinen beim Baby-Schwimmkurs hat sie die anderen Mütter dann sicher locker abgehängt. Und noch ein Bekenntnis: Der Deutschen liebster Waldschrat Peter Wohlleben packt gegenüber Gala aus, seine Frau und er hätten sich „jüngst im Urlaub in Lappland in die Wildnis geschlagen und gleich am ersten Tag verirrt“. Wohlleben verirrt sich im Wald – eine Nachricht, so erstaunlich wie die Schlagzeile „Franzi van Almsick beim Plantschen ertrunken“.

          Von den Nächten, in denen Charlie Sheen sicher heimkommt

          Ebenjenes Schicksal hätte um ein Haar Guido Maria Kretschmer ereilt. „Traumatisches Nahtod-Erlebnis“, berichtet Freizeitwoche über ihn, der mit 14 Jahren in einen zugefrorenen See eingebrochen sei. „Ich weiß noch, wie ich dachte: Ach, wie schade! So ist das also, wenn man stirbt“, erinnert sich Kretschmer, und da merkt man wieder, dass dieser Mann Stil hat: Drohten wir selbst zu ertrinken, würden wir ganz gewiss nicht „Ach, wie schade“ denken, sondern etwas ganz anderes, hier auf keinen Fall Zitierfähiges.

          Schauspieler Charlie Sheen legt inzwischen Wert darauf, dass all seine Freunde nachts sicher nach Hause kommen.

          Von seinem auch nicht ganz ungefährlichen Leben mit viel Alkohol und Drogen verabschiedet hat sich Charlie Sheen, der jetzt, wenn er mit Freunden ausgeht, eine ganz neue Erfahrung erlebt: „Alle kommen gut nach Hause, keiner wird verletzt oder festgenommen.“ Während früher bei Charlies Kneipentouren mindestens zwei Kumpels im Krankenhaus landeten, drei im Gefängnis und vier niemals wieder zu Hause angekommen sind.

          Derartige Exzesse nie geleistet hat sich Sheens Kollegin Emma Thompson, die der Bild-Autor Norbert Körzdörfer dennoch eine „unperfekte Ikone“ nennt – habe sie doch nicht nur „unregelmäßige Zähne“, sondern auch „britische Hüften“. Britische Hüften, handelt es sich hier um eine Diagnose, vergleichbar der Spanischen Grippe? Wir hoffen inständig, dass wir uns bei der Bild-Lektüre nicht irgendwann mit Körzdörferscher Schreibe infizieren.

          Genauso riskant ist es vermutlich, die Editorials des Bunte-Chefredakteurs Robert Pölzer zu lesen. „Das Schicksal“, schreibt er diese Woche, kann „nur dann eine neue Tür öffnen, wenn die Tür zum Herzen nicht versperrt ist“: Handelt es sich da um zwei Türen oder um ein und dieselbe? „Wer nicht lächelt, wird nicht angelächelt“, behauptet er weiter, obwohl wir sein Foto, auf dem er uns anstrahlt, mit steinerner Miene betrachten. „Wahrhaft gebt ihr erst, wenn ihr von euch gebt“, schließt er endlich, und wissen Sie was, Herr Pölzer? Sie geben wahrhaft viel von sich. Und zwar viel Unsinn.

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