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Aidsstiftung : Gates gegen Aids

  • Aktualisiert am

Menschlichkeit und Millionen: Die „Bill & Melinda Gates Stiftung” Bild: picture-alliance/ dpa

Fast 290 Millionen Dollar spendet die Stiftung von Bill und Melinda Gates für die HIV-Impfstofforschung. So sollen die international unabhängig arbeitenden Forschergruppen besser vorankommen in ihrem Ziel, der Krankheit Aids Herr zu werden.

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          Der HIV-Impfstofforschung mangelt es nicht nur an Geld, auch die vielen kleinen, international voneinander unabhängig arbeitenden Forschergruppen sind für das gemeinsame Ziel bislang hinderlich gewesen. Nun führt die „Bill & Melinda Gates Foundation“ erstmals die bedeutendsten Aids-Vakzine-Forscher der Welt zu elf Konsortien zusammen. Gemeinsam sollen sie sich fortan auf die Erforschung eines Impfstoffs konzentrieren können. Um einen schnelleren und leichteren Ergebnisaustausch zu ermöglichen, werden sie zudem mit fünf zentralen Laboratorien und Datenanalyse-Einrichtungen verbunden.

          Die nötigen Mittel für diese „Collaboration for Aids Vaccine Discovery“, so der offizielle Titel, stammen zu 100 Prozent von der „Gates Foundation“. Die amerikanische Stiftung des Microsoft-Gründers Bill Gates und seiner Frau Melinda hat 287 Millionen Dollar fest zugesagt - die größte Summe, die bislang von privater Seite für die HIV/Aids-Forschung ausgegeben wurde. Sie entspricht etwa der Hälfte des Geldes, das im Jahr 2004 (690 Millionen Dollar) insgesamt in die HIV-Impfstofforschung geflossen ist.

          Menschliche und tierische Antikörper isolieren

          Nach Angaben der „Gates Foundation“ sollen die elf geförderten Konsortien vor allem zwei wissenschaftliche Hemmnisse überwinden: die Entwicklung von Impfstoffkandidaten, die in der Lage sind, die Bildung von effizienten neutralisierenden Antikörpern gegen HIV anzuregen, und die Verbesserung der zur Zeit vorhandenen Impfstoffkandidaten, so daß diese eine stärkere und länger anhaltende zelluläre Immunantwort zum Schutz vor dem Virus auslösen. Als Förderungsbeispiel nennt die Foundation unter anderen die Forschungsgruppe von Robin Weiss (University College in London): Der auf Retroviren spezialisierte Zellbiologe beschäftigt sich mit neutralisierenden Antikörpern, die, durch Vakzine gebildet, sich an den infektionsauslösenden Erreger binden.

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          Auf dieser Wirkung basieren beinahe alle lizenzierten Impfstoffe für menschliche Krankheiten. Der Wissenschaftler, der von der „Gates Foundation“ mit rund 25 Millionen Dollar gefördert wird, will eine große Anzahl an menschlichen und tierischen Antikörpern - unter anderem von Lamas - isolieren und sie auf ihre Fähigkeit zur Neutralisierung des HI-Virus untersuchen. Ausgehend von den am besten wirkenden Antikörpern, will Weiss dann Impfstoffkandidaten entwickeln - wie es heißt, „quasi im Rückwärtsverfahren“.

          Sammeln aller zirkulierender HI-Viren

          Zu den 165 Wissenschaftlern aus 19 Ländern, die von den 16 Förderungszusagen der „Gates Foundation“ profitieren, gehört auch der Deutsche Hagen von Briesen und sein Team vom Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik im saarländischen St. Ingbert. Der Wissenschaftler, der im Georg-Speyer-Haus in Frankfurt an der ersten deutschen Isolierung eines HI-Virus beteiligt war und später das entsprechende Zentrum von Weltgesundheitsorganisation (WHO) und UN-Aids geleitet hat, wird für den Aufbau einer „Cryobank mit Vorbildcharakter“ gefördert. In ihr, so sagt er, sollen alle, in den Konsortien anfallenden Reagenzien der Impfstoffkandidaten abgelegt werden.

          Gesammelt werden sollen aber auch alle HI-Viren, die zur Zeit zirkulieren, um sie allen beteiligten Wissenschaftlern zur Verfügung zu stellen. „Wir wollen neue Standards erarbeiten“, sagt von Briesen und verweist darauf, daß das Fraunhofer-Institut sich vor allem mit der Entwicklung neuer Technologien befaßt. Seine Fragestellungen innerhalb der „Collaboration“ lauten zum Beispiel: Wie können die Proben langfristig aufbewahrt werden? Wie können sie zugänglich gemacht werden? Wer soll auf das Material zugreifen können?

          Dafür bekommt von Briesen 7,5 Millionen Dollar von der „Gates Foundation“, zugleich erhält sein Wissenschaftlerteam aber auch noch 600.000 Dollar vom Saarland und 1,16 Millionen Dollar vom Fraunhofer-Institut. „Damit“, sagt der Deutsche nicht ohne Stolz, „sind wir die einzige unter den 16 von der ,Gates-Foundation' geförderten Einrichtungen, die selbst noch zusätzliches Geld einbringt.“

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