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„Die Eiskönigin 2“ im Kino : Schwestern schaffen es ganz allein

Die Idole kleiner Mädchen: Eiskönigin Elsa, ihre Schwester Anna und Gefolge Bild: AP

Eltern müssen tapfer sein: Elsa und Anna sind zurück. Über die Eiskönigin und ihre Fans, den Feminismus von Disney – und die Frau, die hinter allem steckt.

          8 Min.

          Sie hätten ahnen, ja wissen müssen, dass es passiert. Sie hatten es ja schon einmal durchgemacht. Und doch dürften sie wieder auf verlorenem Posten stehen und der Übermacht, der sie sich gegenübersehen, wenig entgegenzusetzen haben.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Genauer: Die Eltern, die in diesen Wochen so leichtsinnig sind, in Begleitung ihres Nachwuchses eine Spielzeugabteilung aufzusuchen, werden kaum umhinkommen, ihren hyperventilierenden Kindern wieder irgendwelchen Elsa-und-Anna-Schnickschnack zu kaufen.

          Der zweite Teil des Disney-Animationsfilms „Die Eiskönigin“ (amerikanischer Originaltitel: „Frozen“) kommt bei uns erst am Mittwoch in die Kinos, doch die Fanartikel sind schon vor Wochen aufgetaucht; sie sind – das arg naheliegende Bild sei verziehen – wie eine Lawine in die Läden gerollt.

          Lego-Schlösser und Plüschfiguren

          Regalreihe um Regalreihe ist gefüllt mit Produkten um die royalen Schwestern Elsa und Anna und ihren ulkigen Kumpel, den Schneemann Olaf: Es gibt Lego-Schlösser und Plüschfiguren, „Frozen“-Versionen von Monopoly und Memory, Stickerschachteln und Bügelperlen, Schminktische und Schneekugeln, Stricklieselsets und Töpferscheiben, Karaokeboxen und „magische Eishandschuhe“. Selbstredend gibt es wieder Eisköniginperücken und -kleider sowie ein Olaf-Eau-de-Toilette für alle, die schon immer mal nach Schneemann riechen wollten.

          Geldbörsen gibt es naturgemäß auch. Unter dem „Frozen“-Label erscheinen Kinderschuhe, Smartwatches und Müsli-Mischungen, etliche Bücher, Sonderhefte. Zurück in den Läden sind auch die singenden Elsa-Puppen; wessen Kind schon eine singende Elsa daheim hat, der dürfte trotzdem in Nöte kommen – die neue Puppe singt schließlich ein neues Lied.

          Eltern, die alldem entkommen wollen, bleibt nur die Hoffnung, dass die Zeit für sie gearbeitet hat: dass nämlich ihr Kind in den sechs Jahren, die seit dem ersten Film vergangen sind, dem Elsa-und-Anna-Wahn entwachsen ist. (Dem dann freilich immer noch eine kleine Schwester verfallen könnte.)

          Kleine Elsa: Warten vor der Premiere von „Frozen 2“ in Los Angeles

          Dass es nicht damit getan ist, dem Publikum nur Träume zu verkaufen, hat man nirgendwo in Hollywood so verinnerlicht wie bei Disney, und nie hat man das Geschäft mit solcher Konsequenz betrieben wie mit „Frozen“. 1,3 Milliarden Dollar hat der erste Film allein im Kino eingespielt, und es braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass diese Summe beim Merchandising noch übertroffen wurde; hier scheint der ansonsten unsinnige deutsche Untertitel des Films – „Völlig unverfroren“ – einmal angemessen.

          Leuchtende Augen bei den Salesmanagern

          Ein Jahr nach dem Filmstart hatte Disney allein in Nordamerika drei Millionen „Frozen“-Kostüme an den Mann – beziehungsweise die Mädchen – gebracht. Dass die Fortsetzung hinter den Umsätzen weit zurückbleibt, steht nicht zu erwarten; allein schon die neue Figur eines Wassergeistes, der in Form eines zu Eis gefrorenen Pferdes daherkommt, dürfte jedem Salesmanager leuchtende Augen verschaffen.

          Von der Kritik mit mehr Leidenschaft gelobte Animationsfilme der jüngeren Zeit wie „Zoomania“ oder „Coco“ bleiben im Vergleich auf der Strecke, wobei das „Frozen“-Setting mit Märchenschloss, Prinzessinnen, Rentier und Schneemann auch deutlich Kinderzimmer-kompatibler anmutet als etwa der mexikanische Totenkult, auf dem die Story von „Coco“ aufbaut.

          „Frozen“ auf seinen enormen kommerziellen Erfolg zu reduzieren, würde dem Film freilich nicht gerecht; noch bemerkenswerter nämlich ist seine kulturelle Wirkung. Mit einem vergleichbaren Massenphänomen sind die Kinder des ausgehenden Jahrzehnts nicht konfrontiert worden – und ihre Eltern auch nicht.

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