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Herzogin von Alba : Die eigenwillige Aristokratin

  • -Aktualisiert am

Die Herzogin von Alba: Cayetana Fitz-James Stuart Bild: AFP

Cayetana Fitz-James Stuart war die Trägerin der meisten Adelstitel der Welt und die reichste Frau Spaniens. Vor allem war sie aber die wohl eigenwilligste Aristokratin. Nun ist die Herzogin von Alba im Alter von 88 Jahren gestorben.

          Sevilla trägt Trauer. Die Herzogin von Alba, die berühmteste „Adoptivtochter“ der andalusischen Hauptstadt, die wie keine zweite deren Fiestas, Stierkämpfe und Flamencos genoss, ist am Donnerstag in ihrem Dueñas-Palast gestorben. Sie war 88 Jahre alt. Cayetana Fitz-James Stuart, die achtzehnte Herzogin von Alba, war nicht nur die Trägerin der meisten Adelstitel der Welt (49), sondern mit ihren Schlössern, Latifundien und Kunstsammlungen, die auf einen Wert von mehr als drei Milliarden Euro geschätzt werden, auch die reichste Frau Spaniens. Vor allem war die am 28. März 1926 im Madrider Liria-Palast geborene Aristokratin aus dem bedeutendsten Adelsgeschlecht des Landes aber die eigenwilligste und lebhafteste.

          Ihr letzter Akt selbstbewusster Rebellion gegen Konvention und König – von ihren damals entsetzten sechs Kindern nicht zu sprechen – war ihre dritte Ehe mit dem 25 Jahre jüngeren Verwaltungsangestellten Alfonso Díez vor drei Jahren. Die Tradition gebot es, dass ein Alba vor der Hochzeit bei dem König wenigstens nachfragt, ob er einverstanden ist. Der damalige König Juan Carlos, von den Nachkommen mobilisiert, schüttelte zunächst den Kopf. Erst als die Herzogin ihre Familie mit einer genauen Erbteilung besänftigt und der Herzog in spe Alfonso auf alle Ansprüche verzichtet hatte, stimmte der König zu.

          Geheiratet wurde dann im Dueñas-Palast, wo Cayetana de Alba, wie sie gewöhnlich genannt wurde, nun an einer Lungenentzündung starb. Zuletzt waren es die Erinnerungen, die zählten, als sie gebrechlich wurde, von ihrem Mann stets liebevoll umsorgt. Er hatte eine große Leinwand für alte Hollywood-Filme aufgespannt, und gemeinsam sah man noch einmal „Vom Winde verweht“. Die Herzogin kannte die meisten Schauspieler von damals, weil sie mit ihnen irgendwo einmal getanzt und gefeiert oder sie zuhause als Gäste gehabt hatte. Grace Kelly zählte dazu und auch, obschon keine bezahlte Schauspielerin, Jackie Kennedy.

          Cayetana war das einzige Kind von Jacobo Fitz-James Stuart – das kastilische Geschlecht ist mit einem „illegitimen“ Zweig der Stuarts verwandt. Sie verlor ihre tuberkulosekranke Mutter, von der man sie schon längere Zeit ferngehalten hatte, mit nur acht Jahren. Als die Zweite Republik auch für die Albas zur Bedrohung wurde, ging Jacobo mit der Tochter zunächst ins Exil nach Paris. Nach Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs war die nächste Station London, wo die junge Cayetana eine exquisite Ausbildung erhielt und vier Sprachen lernte. Der Herzog blieb auch nach dem Machtantritt des Generals Franco noch für einige Jahre als Botschafter in der englischen Hauptstadt.

          Die Herzogin in jüngeren Jahren Bilderstrecke

          Ihre erste Hochzeit mit dem Ingenieur Luis Martínez de Irujo – sie kostete 20 Millionen Peseten und galt als teuerste der Welt – fand dann im Jahr 1947 in der Kathedrale von Sevilla statt. Nach dem Tod des Vaters ihrer sechs Kinder heiratete sie 1978 ein zweites Mal. Die Ehe mit dem ehemaligen Jesuitenpater Jesús Aguirre, einem Theologieprofessor, der später Schriften deutscher Linker wie Walter Benjamin und Theodor W. Adorno verlegte, führte wie die dritte zu nationalem Stirnrunzeln. Die Herzogin setzte aber ihren Willen durch und überlebte auch den „abtrünnigen Priester“.

          Nach der Diktatur erklärte sie sich als Sympathisantin des Sozialisten Felipe González zur „felipista“. Sie, die der gleichnamigen dreizehnten Herzogin von Alba nicht nur äußerlich verblüffend ähnelte, war stets stolz darauf, zu tun, wonach ihr war. Nur eine Parallele ersparte die Malerfreundin der Kunstgeschichte. So wie Goya sich einst von ihrer Vorfahrin und seiner mutmaßlichen Geliebten zur nackten und bekleideten Maja inspirieren ließ, wollte auch Picasso die attraktive Herzogin doppelt malen. Doch ihr Vater Jacobo und ihr Ehemann Luis sollen da die Daumen gesenkt haben – und sie gehorchte ausnahmsweise.

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