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Erste schwarze Miss World : „Die Bühne war meine Freundin“

Jennifer Hosten (Mitte mit Krone) im Kreis ihrer Konkurrentinnen. Bild: Press Images

Vor 50 Jahren wurde Jennifer Hosten die erste schwarze Miss World. Hier erzählt sie, welche Anfeindungen nach der Wahl kamen und was sie danach mit ihrem Leben anstellte.

          5 Min.

          Frau Hosten, war Ihnen vor 50 Jahren, als Sie zum Miss-World-Wettbewerb nach London reisten, bewusst, dass Sie Geschichte schreiben könnten?

          Maria Wiesner
          Redakteurin im Ressort „Gesellschaft & Stil“.

          Ich kam aus einem sehr kleinen Land, niemand wusste 1970 wirklich, wo Grenada liegt. Damals hatte meine Heimat noch nicht einmal ihre Unabhängigkeit erlangt. Also dachte bei „Grenada“ niemand an die Karibikinsel, sondern dass es irgendwie mit der Stadt Granada in Spanien zu tun habe. Für mich bot sich also die Gelegenheit, der Welt mein Land vorzustellen. Und ich glaube, ich war damals ein Vorbild für viele junge Frauen, insbesondere für Women of Color.

          Sie haben den Wettbewerb dann gewonnen – als erste Woman of Color. Ihrem Sieg folgte damals eine größere Diskussion in den britischen Medien. Wie haben Sie die Reaktionen wahrgenommen?

          Die Kontroverse hatte damals zwei Aspekte: Da war zum einen die Tatsache, dass ich gewonnen hatte. Und dann ging auch noch der zweite Platz an die Kandidatin, die für „Africa South“ angetreten war.

          Wegen des Apartheids-Regimes in Südafrika gab es damals zwei Kandidatinnen für das Land bei der Miss-World-Wahl...

          Es trat Jillian Elizabeth Jessup als offizielle weiße Kandidatin für „South Africa“ an. Und Pearl Jansen lief als schwarze Kandidatin unter der Länderbezeichnung „Africa South“. Sie kam auf den zweiten Platz. Da gab es natürlich jene Menschen, die das alles für ein politisches Statement hielten, denn auf Platz eins und zwei waren zum ersten Mal in der Geschichte des Wettbewerbs Women of Color. Und obendrein gab es da noch den feministischen Widerstand gegen die Wahl als solche. Die Aktivistinnen warfen der Veranstaltung vor, dass sie Frauen als Objekte darstelle. Sie bezeichneten die Wahl als sexistisch und erniedrigend.

          Auf ihren Sieg folgte eine größere Diskussion in den Medien: Jennifer Hosten 1971 beim Shopping in London.
          Auf ihren Sieg folgte eine größere Diskussion in den Medien: Jennifer Hosten 1971 beim Shopping in London. : Bild: Getty

          Diesen Widerstand nimmt der aktuelle Spielfilm „Die Misswahl“ in den Fokus. Wie nah an der Wahrheit erzählt denn der Film das Geschehen?

          Er ist erstaunlich akkurat, davon war ich sehr positiv überrascht, denn ich war anfangs nicht sicher, wie wahrheitsnah man mich darstellen würde. Es gibt ja immer die künstlerische Freiheit, mit der man rechnen muss. Und obwohl mich das Filmteam bereits 2010 kontaktiert hatte und sehr ausführlich recherchierte, ist man sich am Ende ja trotzdem nie sicher, wie man dargestellt wird. Das ist einer der Gründe, aus dem ich meine Memoiren „Miss World 1970“ geschrieben habe. Ich wollte meine Geschichte teilen, damit man sich nicht nur an die Version des Films erinnern würde. Aber dann traf ich Gugu Mbatha-Raw, die Schauspielerin, die mich in „Die Misswahl“ darstellt. Und ich traf die Regisseurin Philippa Lowthorpe und die Produzentin Suzanne Mackie. Alles Frauen, und sie versicherten mir, dass sie sich sehr genau an die Wahrheit halten würden. Und jetzt, da selbst meine Kinder den Film gesehen haben, kann ich sagen, dass auch sie die Darstellung meiner Person sehr treffend fanden. (lacht)

          Die Jennifer Hosten im Film ist eine sehr energische junge Frau. Jedes Hindernis lässt sie nur noch härter an ihren Zielen arbeiten. Waren Sie damals so?

          Einige der Herausforderungen, auf die ich damals traf, machten mich noch entschlossener. Ich wollte mein Bestes geben. Wenn ich auf ein Hindernis stieß, stachelte mich das noch mehr an, besser zu sein. Ich war entschlossen, zu zeigen, dass ich beim Wettbewerb alles geben würde. Das schloss auch mit ein, mir ein sehr schönes Kleid zu suchen, einen sehr schönen Badeanzug, ein tolles Kostüm.

          Jennifer Hosten (links) mit Gugu Mbatha-Raw, die sie im Film „Die Misswahl“ spielt.
          Jennifer Hosten (links) mit Gugu Mbatha-Raw, die sie im Film „Die Misswahl“ spielt. : Bild: Joanne Davidson

          In Ihrem Buch beschreiben Sie, dass sich die Reporter sowieso nur auf die blonden Kandidatinnen stürzten. Und selbst die Veranstalter hatten bei den Proben schon eine gewisse Vorauswahl getroffen...

          Das ist eine Sache, die im Film etwas zu kurz kommt: die Nacht vor dem eigentlichen Wettbewerb. Da wurden nur 15 Mädchen ausgesucht, um den Ablauf auf der Bühne zu üben. Der Rest von uns saß auf den Stühlen und musste das Publikum geben. Wir waren sehr enttäuscht, dass wir keine Gelegenheit bekamen, auf die Bühne zu gehen und zu proben, was wir am nächsten Tag tun würden. Es war die letzte Möglichkeit, sich mit dem Terrain vertraut zu machen. Ich war eine der wenigen, die am Tag des Wettbewerbs darum baten, vorab noch einmal auf der Bühne üben zu können. Ich bin dann am Morgen sehr zeitig in die Royal Albert Hall gegangen und habe fast drei Stunden auf dieser Bühne verbracht, bin auf und ab gegangen und hab mir ihre Beschaffenheit eingeprägt und die Position der Kameras. Als dann die große Nacht kam, war die Bühne meine beste Freundin. Ich konnte vergessen, dass ich da oben stand, ich konnte ich selbst sein.

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