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Lina Larissa Strahl : Das ist Bibi & Lina

Man würde sie jederzeit als Babysitter für den Nachwuchs verpflichten. Vermutlich aber müsste Lina Larissa Strahl absagen – sie ist zu beschäftigt. Bild: Jens Gyarmaty

Schauspielerin, Sängerin und Idol unserer Töchter: Keine verkörpert derzeit die Freude am Jungsein erfrischender als Lina Larissa Strahl. Ab Donnerstag ist sie wieder als Bibi im Kino zu sehen.

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          Als Eltern hat man nur sehr begrenzten Einfluss darauf, zu wem der eigene prä- oder vollpubertäre Nachwuchs aufblickt. Mit ein wenig Pech hört der zarte kleine Sohn plötzlich Gangsta-Rap der fiesen Sorte, und mit noch mehr Pech probiert er das dort einstudierte Vokabular an Mitschülerinnen oder an der Lehrerin aus. Ebenso kann es geschehen, dass das Töchterchen, das noch unlängst seine Spargroschen keinem lumpigen Lutscher opferte, mit einem Mal jede Woche Kosmetikplunder und Klamotten anschleppt, die ein geschäftstüchtiges Youtube-Girl empfohlen hat. Es ist nur eine Phase, tröstet man sich dann gern, aber die kann lang und schwer erträglich sein.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Von daher dürfen viele Eltern von Mädchen, die im Deutschland der 2010er Jahre aufwuchsen, mit einem Stoßseufzer konstatieren: Glück gehabt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit nämlich sind ihre Kinder geprägt worden durch eine Kinoreihe, die vier Filme in vier Jahren hervorgebracht hat und zugleich ein paar Stars, die keinem Erwachsenen Sorgenfalten ins Gesicht treiben müssen. Die Rede ist von Detlev Bucks „Bibi & Tina“-Filmen um die zum Teenager gereifte Kinderhörspielhexe Bibi Blocksberg und ihre Freundin Tina, die rund um den Reiterhof von Tinas Mutter und um das Schloss des Grafen Falkenstein turbulente Abenteuer erleben. Unter den fünf erfolgreichsten deutschen Kinderfilmen seit 2014 sind drei „Bibi & Tina“-Filme; den dritten Teil sahen vergangenes Jahr im Kino knapp zwei Millionen Menschen.

          So viel Erfolg macht misstrauisch, und ja: „Bibi & Tina“ ist Mainstream-Kino ohne besonders viel Tiefgang, und es bedient sich des „Mädchen auf dem Reiterhof“-Topos, auf den schon die „Immenhof“-Filme der 1950er Jahre setzten. Doch Buck wäre nicht der eigenwillige Kopf, als den man ihn aus dem Erwachsenenkino kennt, wenn er das Genre nicht subversiv unterwandert und die biederen Hörspiel-Vorlagen nach seinem Gusto umgeformt hätte.

          Sowohl die 1980 gestartete „Bibi Blocksberg“-Reihe, deren Heldin mit Zauberei („Eene meene mei, flieg los, Kartoffelbrei, hex hex!“) für Gerechtigkeit kämpft, als auch das 1991 ins Leben gerufene Pferde-Spin-Off „Bibi & Tina“ („Das sind Bibi und Tina, auf Amadeus und Sabrina...“) bieten brave Unterhaltung, mit der man jüngere Kinder über lange Autofahrten zuverlässig ruhigstellen kann – um den Preis, dass spätestens nach dem dritten Hörspiel die Eltern durchdrehen. Bucks Filme hingegen sind nicht nur kind-, sondern auch teenie- und sogar erwachsenengerecht; wenn man so will, hat er aus einem Schlager einen psychodelischen Popsong gemacht. Mit bonbonbunter Optik, mit reichlich Witz und Aberwitz, einem glänzend aufgelegten Ensemble aus Schauspielgrößen, die mal so richtig aufdrehen, und talentiertem Nachwuchs. Die Hexerei spielt gar keine so zentrale Rolle mehr, die Hormone der jungen Heldinnen und Helden spielen schon verrückt genug.

          Den Absprung in eine neue Etappe des Berufslebens schaffen

          Viel wichtiger sind die Musikeinlagen, die immer dann einsetzen, wenn, so hat Buck es ausgedrückt, die Emotionen für Worte zu groß werden. Dem einstigen Rosenstolz-Musiker Peter Plate und seinen Mitkomponisten Ulf Leo Sommer und Daniel Faust ist das Kunststück gelungen, die Gefühlswelt junger Menschen in kleine Pop-Perlen zu fassen, so eingängig, dass sie – um ein Beispiel aus dem allerengsten Umfeld zu geben – hinterher nicht nur elfjährige Mädchen mit Inbrunst trällern, sondern auch deren sechsjährige Schwestern. Für viele Kinder dieser Altersgruppe sind „Bibi & Tina“ so etwas wie der erste Kontakt mit der Popkultur gewesen, und dass sie selbst davon ein Teil sein dürfe, sagt die Bibi-Darstellerin Lina Larissa Strahl, das finde sie „extrem cool“.

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