https://www.faz.net/-gum-8na24

Mexikanerin in Amerika : „Mein Herz ist voller Angst“

  • -Aktualisiert am

Mexikanerin in Amerika: Die Juristin Montserrat Santillan Escamilla stammt aus Mexiko-Stadt, lebt seit 2011 in Kalifornien und ist mit einem amerikanischen Ingenieur verheiratet. Bild: privat

Wie fühlt es sich an, jetzt als Mexikanerin in Trumps Amerika zu leben? Eine Mutter fürchtet den Tag, an dem ihr Sohn in den Kindergarten kommt. Hier spricht sie über ihre Ängste.

          2 Min.

          Mein Herz ist voller Angst, wenn ich nur an den Tag denke, an dem mein Sohn hier in den Vereinigten Staaten in den Kindergarten kommen wird. Andere Kinder werden glauben, sie hätten das Recht, ihn spüren zu lassen, er sei etwas Schlechteres als sie - weil seine Mutter eine Einwanderin ist, weil seine Mutter braune Haut hat, weil seine Mutter Mexikanerin ist, weil sie Spanisch spricht, weil sie so vieles ist, das von der Person abgeurteilt und angegriffen wurde, die sein Präsident sein wird.

          Mich schmerzt allein der Gedanke, dass mein Junge mich oder sich selbst nicht lieben könnte, weil ich bin, wer ich bin. Mich schmerzt der Gedanke, er könnte seine Selbstachtung verlieren, weil andere Leute ihm zu verstehen geben, dass die Hälfte seines Erbguts minderwertig sei.

          Aber noch mehr schmerzt mich der Gedanke, dass ich nichts getan haben könnte, um all das zu verhindern. Seit dieser Wahlnacht fühle ich mich dazu bestimmt, den Kindern und Jugendlichen in diesem Land zu helfen, mehr über die Menschenrechte zu erfahren, warum sie aufgeschrieben wurden, was sie bedeuten, wie sie im täglichen Leben anzuwenden sind. Mein Junge soll aus erster Hand erfahren, dass ein Mensch nicht nach seiner Herkunft oder Nationalität zu beurteilen ist, sondern nach seinem Charakter und seinen Fähigkeiten.

          Ich will, dass mein Sohn ein Gefühl dafür entwickelt, was richtig und was falsch ist. Ich will, dass er in der Lage ist, andere zu verstehen, sich in sie hineinzuversetzen und ihnen dabei zu helfen, selbst besser zu werden. Und ich will, dass das Fehlverhalten anderer keine Macht über ihn gewinnt.

          Als mein Sohn kam, wurden die rassistischen Kommentare lauter

          Solange ich in Mexiko lebte, spielten meine Hautfarbe, meine Größe, mein Kleidungsstil und mein Bildungsgrad kaum eine Rolle. Das änderte sich in den Vereinigten Staaten. In meinen ersten Jahren in diesem Land bauten sich wegen meiner Herkunft viele Mauern vor mir auf. Im Laufe der Zeit sind sie dünner geworden. Aber als mein Sohn auf die Welt kam, wurden die rassistischen Kommentare lauter denn je.

          In der Nacht von Trumps Wahlsieg wurde mir klar, dass ich zu früh aufgehört habe zu kämpfen. Ich möchte nicht, dass diese Nacht eine traurige bleiben wird. Ich möchte, dass sie zu der Nacht wird, in der ich nicht länger zum Opfer gemacht wurde. Diese Nacht soll die Nacht sein, in der ich noch mehr als bisher das Schicksal umarme, eine Mexikanerin außerhalb von Mexiko zu sein. Ich weigere mich aber, nur als Mexikanerin, nur als Latina, nur als Frau definiert zu werden. Mein Sohn soll mir nie vorwerfen können, dass ich mich dagegen nicht gewehrt habe.

          Ich bete zu Gott, dass ich mich in der amerikanischen Gesellschaft getäuscht habe, dass die Dinge nicht so schlimm werden, wie es der Wahlkampf vermuten lässt. Ich bete für Harmonie in diesem Land, für Liebe und Frieden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ist die Welt noch zu retten? Eine Frau bei einer Demo in Lissabon.

          Raus aus der Klimakrise : „Moralappelle bringen nichts“

          Der Kölner Spieltheoretiker und Verhaltensökonom Axel Ockenfels erklärt im Interview, wo der Knackpunkt im Klimakonflikt liegt – und auf welcher Grundlage das Problem von der Weltgemeinschaft gelöst werden könnte.

          Muhammad Bin Salmans Pläne : Der Ölprinz mit der Billion

          Er ist jung und braucht das Geld: Der saudische Kronprinz Muhammad Bin Salman bringt den weltgrößten Ölkonzern Saudi Aramco an die Börse. Damit will er nicht nur das Land reformieren, sondern auch die eigene Macht sichern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.