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Studie : Die Angst der Deutschen vor dem Kontrollverlust

Die Terrorbedrohung bereitet den Deutschen die größte Sorge - hier sichern schwerbewaffnete Bundespolizisten den Münchner Hauptbahnhof nach einer Terrorwarnung. Bild: Andreas Müller

Noch nie im zurückliegenden Vierteljahrhundert hatten die Deutschen so viel Angst vor Terror wie heute. Auch die Sorge vor einem Kontrollverlust des Staates ist angesichts von Flüchtlingszuzug und zunehmendem politischen Extremismus groß.

          Die Deutschen erleben einen starken Schub an Zukunftsangst. Vor allem die Ängste vor Terrorismus, politischem Extremismus und den Folgen der Flüchtlingskrise sind stark gestiegen, die Angst vor den Folgen der Schuldenkrise bleibt hoch. Die jährliche repräsentative Umfrage der R+V- Versicherung zu den „Ängsten der Deutschen“ hat einen starken Anstieg des „Angstindex“ ermittelt. Die Studie fragt seit einem Vierteljahrhundert jedes Jahr, wie 20 Ängste auf einer Skala von eins bis sieben jeweils bewertet werden – Bewertungen von 5 bis 7 werden als „große Angst“ zusammengefasst. Zu den erfragten Ängsten und Sorgen zählt nicht nur Politisches und Wirtschaftliches, sondern auch persönliche Schicksalswendungen wie Pflegebedürftigkeit im Alter oder Trennungsängste.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Den Spitzenwert in der Studie, deren Daten im April und Mai erhoben wurden, nimmt der Terrorismus ein (73 Prozent melden „große Angst“ vor Terroranschlägen), gefolgt von politischem Extremismus (68 Prozent), Spannungen durch den Zuzug von Ausländern (67), Überforderung durch den Zuzug von Flüchtlingen (66). Persönliche Sorgen werden weniger oft als beunruhigend wahrgenommen: Große Angst vor schwerer Erkrankung geben 57 Prozent der Befragten an.

          Die Angst vor Terrorismus ist so hoch wie nie zuvor.

          Vor allem die steile Steigerungsrate der häufigsten Angst-Ursachen hat die Forscher erstaunt: Die Angst vor Terrorismus stieg um mehr als 20 Prozentpunkte, auch die anderen Ängste stiegen zweistellig. Der „Angstindex“, der aus dem Mittelwert der 16 am häufigsten mit „großer Angst“ belegten Angstursachen gezogen wird, stieg um zehn Prozentpunkte auf 49 Prozent – höher war er nur in den Jahren nach den Terroranschlägen vom September 2001.

          Die Angstwerte von Frauen (50 Prozent) sind geringfügig höher als die von Männern (47 Prozent), Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sind fast eingeebnet. Allerdings bestehen regional große Schwankungen: Am ängstlichen sind die Einwohner Hessens (59 Prozent), gefolgt von den ostdeutschen Flächenländern und Nordrhein-Westfalen (52 Prozent). Am geringsten sind Angstgefühle in Berlin (40 Prozent) sowie in Niedersachsen und Bremen (42 Prozent) verbreitet.

          Die Studie zeigt auch deutlich, dass das Zutrauen in die Politik bei der Lösung der aktuellen Probleme stark gesunken ist. Zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) halten Politiker heute für überfordert. Das sind 17 Prozent mehr als noch im Vorjahr. 2014 zweifelten nur 45 Prozent der Interviewten an den Fähigkeiten von Politikern. Das war der niedrigste Wert seit der Befragung im Jahr 2001 - umso steiler verläuft die Misstrauenskurve nun nach oben.

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