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Didi Hallervorden : Der müde Slapsticker

  • -Aktualisiert am

„Didi ist da” Bild: picture-alliance / dpa

„Nonstop Nonsens“ hat sein Image zementiert: Seither assoziiert die Welt mit Dieter Hallervorden vor allem ein Geräusch - „Palim, Palim“. Und den Satz: „Ich hätte gerne eine Flasche Pommes frites.“ An diesem Montag wird der Komiker siebzig Jahre alt.

          Der Kampf, den der Künstler Dieter Hallervorden mit sich und seinem Bilde in der Öffentlichkeit seit einigen Jahren austrägt, ist am kommenden Donnerstag in Sketchform zu besichtigen. Dann sendet die ARD eine große Gala aus Anlaß seines 70. Geburtstags, den er am Montag begehen wird. Der Sketch geht so: Hallervorden steht an einem Rednerpult auf der Bühne und wünscht, ein paar finale Bemerkungen über die "Slapstick-Figur Didi" los zu werden, die ihn in den siebziger Jahren bekannt und wohlhabend gemacht hat. Hallervorden möchte seinem Publikum "noch einmal versichern", daß er mit dieser Figur nichts, aber auch gar nichts zu tun habe.

          "Viele Zuschauer waren der irrigen Meinung, Didi sei Dieter Hallervorden." Doch das sei vollkommen falsch. "Klar habe ich den Volltrottel gegeben, aber doch nur, weil es mir andere so ins Drehbuch geschrieben haben." Der private Dieter Hallervorden habe durchaus Sinn für feinen Humor, "so wie ich es Ihnen jetzt gerade nahezubringen suche", ja, er liebe sogar die subtile Pointe.

          Die Didi-Glubschaugenbrille

          Doch dann bleibt diese Pointe wieder einmal aus. Eine imaginäre Fliege bringt ihn aus dem Takt, er glaubt sie jagen zu müssen und wird darüber zum Didi. Als er die Rede wiederaufnehmen will, weiß er schon nicht mehr, wer er ist: "Ich in meiner Eigenschaft als ... als ... wer noch mal?" fragt er durch die Didi-Glubschaugenbrille, die er nun auf einmal trägt. Dann fängt das Rednerpult an zu mucken, das Mikrofon fährt hoch und runter, er bleibt mit der Nase im Mikrofon stecken, er zieht die seit Jahrzehnten bewährten Didi-Grimassen, schiebt sich den Brillenbügel ins Ohr, bekleckert sich mit Tinte und entzündet versehentlich einen Teil seines Manuskripts. All dies geschieht, während der Hallervorden im Didi weiter beteuert, er stehe persönlich für äußerst feinsinnige Komik und würde nie ein Slapstick-Klischee bedienen. Als er von der Bühne abgeht, wird eine nackte Po-Atrappe sichtbar.

          2003: Hallervorden erhält den Comedy-Ehrenpreis

          Es ist, als wolle Hallervorden sein Identitätsproblem mit diesem Sketch endgültig aufheben. Jahrelang fühlte er sich von diesem Didi verfolgt, dem er doch seinen Erfolg verdankte. Seit Anfang der neunziger Jahre hat Hallervorden die Figur kaum noch gegeben, statt dessen kämpfte er darum, doch bitte endlich als politischer Satiriker ernstgenommen zu werden.

          Bessere Quoten als die Tagesschau

          Er wolle zu seinen "eigentlichen Wurzeln als Kabarettist zurück", erklärte er 1993, als er für Sat 1 die Sendung "Spottschau" produzierte. Bei dem Privatsender gab es damals allerdings gerade einen neuen Politikchef, den vom Bayerischen Rundfunk abgewanderten Heinz-Klaus Mertes. Als der noch beim BR war, hatte Hallervorden ihn in einer seiner ersten "Spottschauen" einen "Arsch mit Ohren" genannt. Nun war selbiger zuständig für die Sendung. Das ging nicht lange gut. Hallervorden wechselte zur ARD, dort hieß seine Sendung "Spottlight" und hatte in 100 Folgen über zwölf Jahre oft bessere Quoten als die darauffolgende "Tagesschau". Doch all dies reichte nicht, um Hallervorden im Bewußtsein des Publikums wieder als den Kabarettisten zu etablieren, der er vor allem zwischen 1960 und 1975 als Mitglied der von ihm mitbegründeten "Wühlmäuse" gewesen war. "Nonstop Nonsens" hatte sein Image zementiert. Seither assoziiert die Welt mit Dieter Hallervorden vor allem ein Geräusch - "Palim, Palim". Und den Satz: "Ich hätte gerne eine Flasche Pommes frites."

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