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Diamantene Hochzeit: Prinz Philip und die Queen : Eine etwas altmodische Art der Ehe

Nach 60 Jahren Ehe ist es den beiden immer noch nicht zu bunt geworden: Prinz Philip und Königin Elizabeth Bild: AFP

Königin Elisabeth II. und Prinz Philip feiern mit mehr als 2000 Festgästen in Westminster Abbey ihre Diamantene Hochzeit. Vor 60 Jahren knieten die Gäste auf Orangenkisten, heute gibt es Knieschemel. Johannes Leithäuser berichtet.

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          Vor sechzig Jahren war Großbritannien nicht bloß vom November, sondern auch vom Krieg noch grau - und so hatten die Kronprinzessin Elisabeth und ihr Bräutigam mit ihrem privaten Hochzeitsglück gleich noch eine nationale Ablenkungs- und Erbauungsaufgabe zu erfüllen. „Ein erstes Nachkriegszeichen von Prunk und Farbe“, seufzte der „Manchester Guardian“ damals erleichtert. Zum diamantenen Jubiläum sind die Farben dezenter geworden: ein hellblaues Kostüm trägt die Königin auf der offiziellen Hoffotografie zum Hochzeitstag; und ihr Gemahl Philip scheint sie ein wenig unschlüssig durch den Garten des Herrensitzes Broadlands in Hampshire zu führen - jenes Anwesens, in dem das junge Paar am 20. November vor sechzig Jahren seine Hochzeitsnacht verbrachte.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Das Hoffoto ist Bestandteil einer ganzen „Einst und jetzt“-Ereignisreihe zum Jubiläumstag. Auch im November 1947 entstand im Garten von Broadlands eine Aufnahme, in der die Kronprinzessin ihrem gerade angetrauten Gatten am Arm hängt. Auf dem Schwarzweißbild führt Philip noch in der nicht ungewöhnlichen Manier eines jungen Ehemanns das Wort, Elisabeth hört mit augenscheinlicher Bewunderung zu. Dieses Rollenspiel sollte sich spätestens fünf Jahre später nach der Krönung der jungen Frau zur Königin ändern. Doch blieb auch in den folgenden 55 Jahren jeder dem anderen in seiner Ausnahmestellung verbunden: Der Prinzgemahl sage ihr als seiner Ehefrau „ziemlich umstandslos“ die Meinung, bekannte die Königin letzthin und gestand ihm damit eine Freiheit zu, die sie zweifelsohne umgekehrt verschiedentlich auch für sich in Anspruch nimmt. Seit Stephen Frears Film „Die Queen“ vom vergangenen Jahr weiß jeder Kinogänger überdies, dass Philips Kosename für seine Frau „alter Kohlkopf“ lautet.

          Sperrholzkartons in rosa Seide

          Wie vor sechzig Jahren ist der Hochzeitstag (einen Tag vorzeitig) mit einem Gottesdienst in der Abtei von Westminister begangen worden, anders als damals durfte jetzt auch die Verwandtschaft des Herzogs von Edinburgh anwesend sein; unter anderen nahmen die Nachkommen seiner zweitältesten Schwester aus dem badischen Fürstenhaus an der Zeremonie teil. Im Jahr 1947 waren die drei älteren Schwestern - ihrer Abkunft nach griechische Prinzessinnen - nicht geladen gewesen, weil sie alle (eine vierte Schwester war bei einem Unfall zehn Jahre zuvor ums Leben gekommen) „unglückliche Verbindungen“ im politischen Sinne eingegangen waren. Alle hatten Abkömmlinge aus deutschen Fürstenhäusern geehelicht, von denen wiederum einige mit Hingabe im Dienst des Nationalsozialismus standen.

          Nach 60 Jahren Ehe ist es den beiden immer noch nicht zu bunt geworden: Prinz Philip und Königin Elizabeth Bilderstrecke

          Genau wie damals- und wie bei allen derartigen Anlässen - hat der Hofdichter ein Werk auf den Tag gedichtet, am Montag wurde es in der Abtei von der Schauspielerin Judi Dench verlesen. Anders als vor 60 Jahren waren die Knieschemel in der Abtei nicht aus alten Orangenkisten verfertigt - im Nachkriegsjahr 1947 kannte die Sparsamkeit in Britannien kaum Grenzen, man behalf sich daher mit Sperrholzkartons, die mit rosafarbener Seide umhüllt wurden. Der Staat begrenzte die Kosten der Zeremonie überdies dadurch, dass er dem Domkapitel von Westminster die Rechnung über 92 Pfund für die Hilfstribüne schickte, auf der die Geistlichkeit beim Hochzeitsgottesdienst Platz nahm.

          Kompromisse und Disziplin

          Die Regierung legte im November 1947 auch Wert auf die Bekanntmachung, dass die Braut Elisabeth für ihr Hochzeitskleid die 200 Extra-Kleidermarken in Anspruch nahm, die in der Zeit der Rationierung jeder Braut im Vereinigten Königreich zustanden. (Weitere Kleidermarken, die aus dem ganzen Land als Spende in den Buckingham Palast geschickt worden waren, mussten zurückgesandt werden, weil die Weitergabe von Marken gesetzlich untersagt war.) Die materielle Lage des jungen Paares besserte sich spätestens durch die Vielzahl von Hochzeitsgeschenken. Die französische Regierung schickte ein komplettes Sèvres-Service, der Gouverneur der australischen Provinz Queensland ließ 500 Dosen Ananas zustellen, aus der Bevölkerung gingen zwei Paar Bettsocken und zahlreiche weitere wärmende Gaben ein. Die Mutter der Braut, Königin Elisabeth, stiftete silberne Salzstreuer, König Georg VI. schenkte dem Bräutigam einen Paradedegen, der am Hochzeitsabend beim Anschneiden der Hochzeitstorte eingeweiht wurde. Aus Indien sandte Mahatma Ghandi ein Tuch aus selbstgesponnenem Garn, das die eingestickte Parole „Sieg für Indien“ trug, welches von der Großmutter der Braut, Queen Mary, aber stärker deswegen missbilligt wurde, weil sie es für Ghandis Lendenschurz hielt.

          Sechzig Jahre später ist das Hochzeitspaar seiner Abkunft (beide, die Königin und der Herzog, sind Ururenkel von Königin Victoria), seines Alters und seiner Haltung wegen zum unerreichten Doppelidol einer sozial, weltanschaulich, geographisch fragmentierten Nation geworden - so altmodisch ferne, dass die eigenen Kinder darüber rätseln, wie es kommt, dass ihre Eltern noch als Paar erhalten sind. Prinz Andrew, das dritte der vier Kinder von Elisabeth und Philip, mutmaßt, es stecke wohl die „etwas altmodische Ansicht dahinter, dass die Ehe eine Partnerschaft ist“. Wahrscheinlich müsse man Kompromisse schließen können und zu einer gewissen Disziplin fähig sein, fährt der von seiner Frau Sarah Ferguson schon seit eineinhalb Jahrzehnten geschiedene Prinz Andrew fort und schließt mit dem als Kompliment an seine Eltern gemeinten Geständnis: Er selbst habe das „leider nicht fertiggebracht“.

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