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Diamanten-Experte : „Und plötzlich ist da dieser Ring“

Tradition: Tiffany-Ring mit der Fassung, wie Firmenmitbegründer Charles Lewis Tiffany sie 1886 zuerst entwarf. Bild: Pari Dukovic

Melvyn Kirtley ist Edelsteinprüfer bei Tiffany. Der Diamanten-Experte über den Saphir von Kate Middleton und warum Amerikaner für ihren Verlobungsring einen Kredit aufnehmen.

          3 Min.

          Mr. Kirtley, in Deutschland hat der Verlobungsring jüngst einen echten Siegeszug hingelegt. Noch vor ein paar Jahren war es unüblich, zum Heiratsantrag auch einen Ring zu überreichen. Nun aber wäre für viele deutsche Paare eine Verlobung ohne Ring geradezu undenkbar. Spüren Sie diesen Effekt auch bei Tiffany?

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In den Vereinigten Staaten hat der Verlobungsring schon seit über 130 Jahren Tradition. In anderen Teilen der Welt ist das wirklich ein ganz neuer Trend, dazu gehört zum Beispiel auch Asien. Aber es stimmt, der Trend hat sich in kurzer Zeit so stark durchgesetzt, dass man schon von einer jungen Tradition sprechen kann. Bei Tiffany macht Verlobungsschmuck jetzt weltweit 29 Prozent vom Gesamtumsatz aus.

          Laut einer Studie der Unternehmensberatung Bain vom vergangenen Jahr ist der Verkauf von Verlobungsringen heute sogar einer der drei wichtigsten Wachstumsmotoren für die Diamantenindustrie. Können Sie das bestätigen?

          Ja, Verlobungsringe steuern die Diamantenindustrie auf jeden Fall. Wir beobachten auch, dass sich der Diamantring – der Solitär – als beliebtestes Verlobungsgeschenk durchsetzt. Gut, die Briten schenken auch gerne mal einen Saphir-Ring.

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          Ist das auf Kate Middleton zurückzuführen, die ja ihren Verlobungsring mit Saphir-Stein – den zuvor schon Charles Diana überreicht hatte – sehr oft trägt?

          Ihr Ring wird sicher Einfluss haben auf die Verkäufe, aber eigentlich waren Saphire in Großbritannien schon immer beliebter als anderswo. In den allermeisten Teilen der Welt geht die Tendenz doch stark hin zu klarem, purem Design.

          Hat sich am Design des klassischen Solitär-Rings in den vergangenen Jahrzehnten etwas verändert?

          Interessanterweise kaum. Vor 130 Jahren, im Jahr 1886, entwarf Charles Lewis Tiffany die Sechskrappenfassung. Zuvor saßen die Ringe tief auf dem Finger, die Diamanten waren auch sehr tief im Ring eingelassen. Die Steine sollten damals nicht allzu sehr auffallen, geschweige denn glänzen. Tiffany kam dann auf die Idee, die Diamanten in ihrer ganzen Schönheit zu präsentieren, indem sie geradezu über dem Finger zu schweben schienen. Die Fassung mit ihren sechs Krappen machte das möglich, und die verwenden wir bis heute. Die Schlifftechniken sind natürlich nicht mehr mit denen von vor über hundert Jahren zu vergleichen, also haben wir in dieser Hinsicht hier und da mal etwas verändert. Aber das Design erinnert sehr stark an den Originalentwurf.

          Wann verkaufen Sie davon denn besonders viele? Stimmt es, dass sich Paare oft im Frühling verloben?

          Chef-Gemmologe Melvyn Kirtley
          Chef-Gemmologe Melvyn Kirtley : Bild: Hersteller

          Der Frühling ist eine schöne Zeit zum Heiraten, das dürfte dann auch Paare dazu animieren, die sich verloben. Aber die Zeit um Weihnachten und Silvester herum ist auch nicht zu unterschätzen, dann haben wir besonders viele Kunden, die nach Verlobungsringen suchen. Es gibt doch keine bessere Art, ins neue Jahr zu starten, als verlobt.

          Stimmt es, dass die Amerikaner im Durchschnitt bereit sind, drei Brutto-Monatsgehälter in einen Verlobungsring zu investieren? Die Texaner sollen sich einen Verlobungsring angeblich sogar vier Monatsgehälter kosten lassen.

          Wir rechnen nicht mit solchen Formeln, typischerweise kommen unsere Kunden aber mehrmals vorbei, bevor sie sich für einen Ring entscheiden. Oft sind es drei bis vier Besuche.

          Und solchen Kunden bieten Sie dann zumindest in den Vereinigten Staaten auch den „Tiffany Payment Plan“ an. Einen Kredit für einen Ring?

          Ja, Kunden können bei uns die Kosten für einen Verlobungsring über einen gewissen Zeitraum zinsfrei verteilen. Ein Diamantring ist für viele eine enorm teure Anschaffung, vielleicht sogar die teuerste außerhalb des Hauses und abgesehen vom Auto.

          In Ihrem New Yorker Store sollen sich rund dreißig Verlobungen pro Jahr ereignen. Waren Sie mal bei einer dabei?

          Ja klar, ich werde auch gerne eingespannt, wenn Leute eine Verlobung organisieren wollen. Eine der beliebtesten Ideen: Man kauft den Ring, nimmt ihn aber nicht mit. Dann kommt man mit der nichtsahnenden Freundin vorbei – und als Überraschung ist da plötzlich der Ring.

          So wie es in vielen romantischen Komödien dokumentiert ist, mal abgesehen von dem großen Vorbild „Frühstück bei Tiffany“.

          Ja, das ist hier sozusagen Teil des Einkaufserlebnisses.

          Welcher Verlobungsring hat Sie in Ihrer Karriere am meisten beeindruckt?

          Das dürfte der sein, den wir jetzt zum 130-jährigen Jubiläum des Tiffany-Verlobungsrings entworfen haben, ein Ring, natürlich mit Sechs-Krappen-Fassung, einem 8,55-Karat-Diamanten aus Platin, lupenrein. Selbstverständlich ein Einzelstück.

          Und wem wurde damit ein Heiratsantrag gemacht?

          Oh der steht aktuell noch zum Verkauf, für 2,4 Millionen Dollar.

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