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Bevölkerungsrekord : Deutschland hat erstmals mehr als 84 Millionen Einwohner

Menschen warten im März in der Anlaufstelle für Flüchtlinge aus der Ukraine auf dem Berliner Hauptbahnhof. Bild: dpa

Noch nie zuvor haben so viele Menschen in Deutschland gelebt wie jetzt. Grund dafür ist Zuwanderung - vor allem aus der Ukraine.

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          In Deutschland leben so viele Menschen wie noch nie: 84 Millionen Einwohner zählte das Statistische Bundesamt Ende Juni 2022. Demnach leben 843.000 mehr Menschen in Deutschland als zum Jahresende 2021. Das sei eine Zunahme von einem Prozent. Im gesamten Jahr 2021 war die Bevölkerungszahl hingegen nur um 82.000 Personen gestiegen. Grund für den sprunghaften Anstieg war der Zuzug geflüchteter Ukrainer infolge des russischen Angriffskrieges: Etwa 750.000 Ukrainer kamen im ersten Halbjahr 2022 nach Deutschland.

          Johanna Schwanitz
          Volontärin

          Die Frauen sind in der Bundesrepublik in der Überzahl: Im ersten Halbjahr 2022 stieg die Zahl der Frauen um 526.000, also um 1,2 Prozent. Bei den Männern waren es nur 317.000, also 0,8 Prozent. Vor allem Frauen und Kinder sind nach Angaben der Statistiker vor dem Krieg in der Ukraine geflohen: Ende Juni 2022 lebten in Deutschland 501.000 ukrainische Frauen mehr als Ende 2021, die Zahl der Männer stieg um 248.000.

          Bevölkerungszunahmen dieser Größenordnung habe es nach Angaben der Statistiker seit der Deutschen Wiedervereinigung nur in den Jahren 1992 infolge der Grenzöffnungen in Osteuropa und des Kriegs in Jugoslawien, als 700.000 Menschen nach Deutschland kamen und 2015, als 978.000 Menschen vor dem Krieg in Syrien nach Deutschland geflüchtet sind.

          Ohne Zuwanderung wäre Bevölkerung geschrumpft

          Insgesamt lag die Nettozuwanderung, also das Ergebnis von Zuwanderung minus Abwanderung, bei rund einer Million Menschen. Sie war damit siebenmal höher als im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres. In den Bundesländern sind die Einwohnerzahlen unterschiedlich stark gestiegen. Mit einem Zuwachs von 1,3 Prozent stieg die Bevölkerungszahl in Berlin am meisten, in Bayern und Hessen waren es 1,2 Prozent. Bremen verzeichnet mit 0,5 Prozent den geringsten Zuwachs, in Thüringen und im Saarland waren es 0,6 beziehungsweise 0,7.

          Deutschlands kleinste Gemeinde liegt in Rheinland-Pfalz: Sieben Männer und zwei Frauen bewohnen Dierfeld in der Vulkaneifel. Zweitkleinste Gemeinde blieb wie bereits ein Jahr zuvor Wiedenborstel in Schleswig-Holstein. In der Ortschaft im Kreis Steinburg lebten Ende vergangenen Jahres elf Einwohner. Die bevölkerungsreichste Stadt war wie im vergangenen Jahr wieder Berlin.

          Ohne die Zuwanderung wäre die Bevölkerung Deutschlands geschrumpft, denn im ersten Halbjahr sind 161.000 mehr Menschen gestorben, als geboren wurden. Wie Claire Grobecker vom Statistischen Bundesamt erklärt, ist diese Entwicklung der Übersterblichkeit seit den Siebzigerjahren bekannt. „Es ist erwartbar, dass die Sterbefälle weiter zunehmen werden“, sagte sie. Das liege nicht nur an der Corona-Pandemie und den steigenden Temperaturen, sondern auch an der demographischen Entwicklung Deutschlands.

          Noch ist Basis der Berechnung der Zensus 2011. Von Ende 2023 an stehen dann die Ergebnisse des Zensus 2022 zur Verfügung. Dadurch könnte die Einwohnerzahl jedoch wieder nach unten korrigiert werden.

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