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Hitzewelle in Europa : Deutscher Wetterdienst warnt vor besonders starker UV-Strahlung

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Die Sonne brennt auch am Wochenende vom Himmel – und könnte vielen Menschen damit zur Gefahr werden. Bild: dpa

Fast in ganz Deutschland werden abermals Rekordtemperaturen erwartet. Der Wetterdienst warnt neben großer Hitze auch vor der gefährlichen UV-Strahlung. Mindestens fünf Menschen sind in Europa bereits gestorben.

          Vor besonders starker UV-Strahlung hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Samstag gewarnt. Die am Morgen aktualisierte Warnung galt für fast ganz Deutschland. Nur ein schmaler Küstenstreifen an Nord- und Ostsee sowie Schleswig-Holstein waren nicht betroffen. UV-Strahlung erhöht das Risiko von Hautkrebs: „Jedes Zuviel an UV-Bestrahlung, das heißt jede Hautrötung und jeder Sonnenbrand, können die Zellstruktur der Haut verändern“, erklärt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. „Je häufiger diese Schädigungen passieren, desto höher ist das Risiko, dass in einem späteren Lebensalter Hautkrebs entsteht.“

          Am Samstag werden laut DWD „in der Mitte und im Süden hohe UV-Strahlungswerte“ erwartet. Am Ober- und Hochrhein müssten sich die Menschen zudem auf eine starke Wärmebelastung einstellen. Bei nahezu wolkenlosem Wetter mit viel Sonne sollten die Temperaturen in Deutschland auf 29 bis 36 Grad ansteigen. Nur an den Küsten und im höheren Bergland bleibe es mit 22 bis 29 Grad etwas kühler. Auch am Sonntag werde es wieder sonnig und warm mit Temperaturen in der Spitze von 39 Grad.

          Deutlich mehr Hitzetote auch in Deutschland erwartet

          Solche Hitzewellen kosten nach Schätzungen Tausenden Menschen in Deutschland das Leben. „Man sieht, dass vor allem in den Altersgruppen 75 bis 84 und über 85 Jahren ein besonderes Risiko besteht“, sagte Matthias an der Heiden vom Robert Koch-Institut in Berlin der Deutschen Presse-Agentur. Mit einer aktuellen Zunahme der Todesfälle in Deutschland wegen der Juni-Hitze sei zu rechnen. Eine Studie von Autoren um an der Heiden kam kürzlich zu dem Schluss, dass die Hitzewelle 2003 mit 7600 Hitzetoten die folgenschwerste im Zeitraum 2001 bis 2015 war.

          Für den Sommer 2018 lagen noch keine bundesweiten Auswertungen vor – allein für Berlin gehen Experten aber von etwa 490 Todesfällen aus. In den Hitze-Sommern 2006 und 2015 starben den Berechnungen zufolge im ganzen Land jeweils mehr als 6000 Menschen. Bei mehreren Arten von Erkrankungen verschlimmern sich die Symptome bei hohen Temperaturen, dazu zählen etwa Atemwegserkrankungen. Betroffen sind dem Experten zufolge aber nicht nur Menschen mit Grunderkrankungen: Hitze belaste generell das Herz-Kreislaufsystem – der Körper muss die eigene Temperatur konstant halten.

          Vor den neuen Extremtemperaturen fordert der neue Ärztepräsident Hitzepausen für Arbeitnehmer. „Wichtig ist, bei großer Hitze die Schlagzahl etwas herunterzufahren und – wenn irgendwie möglich – die ein oder andere Pause extra einzulegen“, sagte der im Mai zum Präsident der Bundesärztekammer gewählte Klaus Reinhardt der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ/Samstag). „Arbeitgeber sollten es aus Fürsorge für ihre Mitarbeiter ermöglichen, dass bei extremer Hitze das Tempo gebremst wird.“

          Rückendeckung kommt von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach: „Arbeit bei den enormen Temperaturen ist gesundheitsgefährdend.“ Die klassische Pausenregelung sei „für die extreme Hitze nicht ausgelegt“. Verordnete lange Mittagspausen nach Vorbild der Siesta in südlichen Ländern hält Lauterbach für falsch. „Notwendig sind flexible Regelungen.“ Die Gewerkschaft IG BAU beklagte, es gebe zwar Regelungen, diese würden aber von zahlreichen Bauunternehmern gebrochen. „Viele stellen sich quer und ignorieren offenbar ganz bewusst die strengen Auflagen, um Kosten zu sparen“, sagte IG-BAU-Sprecher Ruprecht Hammerschmidt der Zeitung. „In drastischen Ausnahmefällen lässt man lieber einen Bauarbeiter umkippen, als ihm eine Flasche Wasser hinzustellen.“

          In der aktuellen Hitzewelle, die große Teile Europas im Griff hat, sind bisher fünf Menschen gestorben. Am Freitag erlitt in der Nähe von Rennes im Westen Frankreichs ein 33 Jahre alter Dachdecker einen tödlichen Schwächeanfall, als er auf einem Dach bei 35 Grad im Schatten seiner Arbeit nachging. In Italien starb ein 60 Jahre alter Gerüstbauer, der einen Tag zuvor in Rimini während der Arbeit zusammengebrochen war. Im südspanischen Andalusien erlitt am Donnerstag ein 17 Jahre alter Erntehelfer einen tödlichen Hitzschlag, in der Stadt Valladolid im Norden Spanien brach ein 93 Jahre alter Mann ebenfalls nach einem Hitzschlag auf der Straße tot zusammen. Bereits am Donnerstag war ein 72-jähriger Obdachloser in der italienischen Stadt Mailand gestorben.

          Seit Tagen leiden weite Teile Spaniens unter einer für Juni unüblichen Hitze mit Temperaturen von über 40 Grad Celsius. Nach Angaben der Wetterdienste dürfte sie bis Samstag andauern. Im Nordosten des Landes gilt bereits höchste Hitze-Warnstufe. 34 der insgesamt 50 Provinzen, darunter vor allem in Katalonien, warnen zudem vor Waldbränden.

          Auch in Frankreich trieb die Hitzewelle die Temperaturen auf nie dagewesene Höhen. Mit 45,9 Grad Celsius sei dort der höchste jemals gemessene Wert registriert worden, teilte das Meteorologie-Institut Météo France mit. Er wurde demnach aus Gallargues-le-Montueux im südlichen Département Gard gemeldet. Zuvor war die 45-Grad-Marke laut Wetterdienst bereits in Villevieille überschritten worden, das ebenfalls im Département Gard liegt. Der Meteorologe François Jobard erklärte, Frankreich reihe sich damit in die Liste der europäischen Länder ein, deren Temperaturrekord bei mindestens 45 Grad Celsius liegt: Bulgarien, Portugal, Italien, Spanien, Griechenland und Nordmazedonien.

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