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Drei Wochen im Outback : Die Rettung kam im Fluge

Daniel Dudzisz auf einem Foto, das die Polizei in Queensland veröffentlicht hat Bild: dpa

„Wegen der vielen Fliegen, muss man nicht hungern“: Drei Wochen hat ein deutscher Wanderer im australischen Outback überlebt. Anschließend entschuldigte er sich für die Suchaktion, die er ausgelöst hatte. Und kündigte an, bald weiterzuwandern.

          Es gibt viele mögliche Begründungen, warum der Teufel im Sprichwort in der Not ausgerechnet Fliegen frisst. Von nun an ließe sich auch sagen, dass sich der Beelzebub („Herr der Fliegen“) einfach ein Beispiel an Daniel Dudzisz genommen hat. Der Deutsche hat fast drei Wochen im australischen Outback überlebt, weil er sich den eigenen Angaben nach von Fliegen ernährte.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Der 26 Jahre alte Mann war im vergangenen Monat im Bundestaat Queensland als vermisst gemeldet worden. Nun wurde er auf einer einsamen Straße in der Nähe des Cooper Creek von einem Autofahrer aufgesammelt. „Er machte Witze darüber, dass er im australischen Outback wegen der vielen Fliegen, die man für ihr Protein essen kann, niemals hungern würde“, sagte der Polizist Mark Henderson dem Sender ABC.

          Wie der Polizeibeamte berichtete, hatte Dudzisz nur eine Dose Bohnen und Frühstücksflocken dabei. Die seien ziemlich schnell zur Neige gegangen. Eine medizinische Versorgung habe er nach seiner Rückkehr in die Zivilisation abgelehnt. „Er war sicherlich hungrig, aber abgesehen davon war er gut beisammen“, sagte der Polizist laut ABC. Überschwemmungen hatten dem Deutschen den Weg zurück in den Ort Windorah abgeschnitten. Etwa eine Woche nach seinem Verschwinden hatte die Polizei dann eine Anzeige veröffentlicht, in der nach einem Mann mit braunen Haare und Brille, sowie Körpermaßen von 1,75 Metern und etwa 70 Kilogramm gesucht worden war. Zuletzt habe er eine braune Hose und einen Hut mit breiter Krempe getragen.

          Der Deutsche habe sich entschuldigt, dass er die groß angelegte Suchaktion ausgelöst hatte, hieß es nun. Er habe in seiner Zeit im Busch die über dem Gebiete kreisenden Hubschrauber zwar gesehen, sich durch die dichte Baumdecke aber nicht bemerkbar machen können. Doch der Mann ist schwere Bedingungen bei seinen Reisen offenbar gewöhnt. Das lässt sich aus einem Interview schließen, das er vor seinem Verschwinden einem Lokalblatt gegeben haben soll. Dem „Warrego Watchman“ soll er Anfang Februar gesagt haben, dass seine Art zu reisen „ziemlich hart“ sei. Er könne dies verkraften, seitdem er einst für zwei Jahre obdachlos gewesen sei. Bei einer nächtlichen Begegnung will er sogar mit bloßen Händen ein Känguru in die Flucht geschlagen haben. „Es hat sich kaum gewehrt. Es war wohl von meiner beherzten Attacke überrascht“, wurde er in der „Brisbane Times“ zitiert.

          Den Angaben nach ist der Deutsche auf einem gewaltigen Fußmarsch über den halben australischen Kontinent unterwegs. Seine Route führe ihn über 4000 Kilometer vom Bundestaat New South Wales bis zum roten Felsen Uluru in der zentralaustralischen Wüste („Ayers Rock“). Der Deutsche habe wohl keine Probleme damit, aus Wasserlöchern zu trinken, sagte der Australier Andrew Plax, der ihn vor seinem Verschwinden für einige Zeit beherbergt hatte. Der Mann charakterisierte den Deutschen als netten Menschen, der viel reise und die Natur und Einsamkeit genieße.

          Eine Hotelangestellte berichtete der Zeitung „The Courier-Mail“, der Deutsche sei nach seiner Rückkehr zuerst in ein Geschäft gegangen, um sich etwas zu Essen und Zigaretten zu besorgen. „Er kaufte eine Packung Frühstücksflocken, zwei Liter Milch, ein Stück Käse und ein paar ‚Party-Pies’“, sagte eine Angestellte des Geschäfts. Danach habe er für sich alleine sein wollen. Wie es hieß, wird Daniel Dudzisz seinen Gewaltmarsch in Kürze fortsetzen. Er versprach aber offenbar, künftig in der Nähe von Straßen zu bleiben.

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