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Hitze-Sommer in der Sahara : „Die Deutschen sollten aufhören zu jammern“

Das Leben ist hart in der Wüste: die Sahara im Süden Algeriens Bild: AFP

Die Temperaturen in diesem Sommer brechen Rekorde und sind an manch einem Tag fast unerträglich. Doch was sollen erst die Menschen in der Sahara sagen? Wir haben einen jungen Mann aus der Wüste gefragt.

          Deutschland ächzt auch in diesem Sommer unter der „Sahara-Hitze“. Doch was sollen nur die Menschen aus der Wüste sagen? Im Süden Algeriens brütet die Sonne über dem Sand. Das Leben ist unwirtlich. Selbst im Januar herrscht eine maximale Durchschnittstemperatur von knapp 21 Grad in Tindouf ganz im Südwesten des Landes. Früher lebten in diesem Streifen Berbervölker, die von der nordafrikanischen Küste bis tief ins Land zogen. Heutzutage sind die meisten Nomaden sesshaft geworden – eine Ausnahme bilden die Tuareg. Mahssen Badati ist ein junger Mann, der in der Hitze der Sahara lebt. Im Interview sagt er, warum die Deutschen sich nicht weiter über das heiße Klima beschweren sollten.

          Martin Franke

          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

          Mahssen, was zeigt das Thermometer bei Ihnen an?

          Gerade sind es zwischen 45 und 46 Grad Celsius.

          In Deutschland beschweren sich die Menschen über die hohen Temperaturen. In dieser Woche soll es mancherorts fast 40 Grad heiß werden. Sollten die Deutschen aufhören zu jammern?

          Ganz ehrlich, ich glaube, die Deutschen sollten aufhören zu jammern. Sie haben gute Gebäude, in denen sie sicher sind und Schatten finden. Ich bin Flüchtling aus der Westsahara [sogenannter Sahraui; Anm. d. Red.]. Wir leben hier seit 45 Jahren in Camps aus Zelten und Bruchbuden. Was sollen wir denn sagen?

          So heiß, dass der Kaffee im Sand kocht.

          Beschwert Ihr Euch in der Sahara über die Hitze?

          Ja, natürlich. Wir befinden uns aber auch in einer harten Situation und leben an einem Ort, wo die Menschen an Wassermangel leiden und die Hitze im Juli und August noch über 52 Grad steigen wird. Und: Die Menschen wissen, dass sich auch hier das Wetter ändert wegen des Klimawandels. Viele können nachts nicht schlafen.

          Wie äußert sich der Klimawandel in der Sahara?

          Das Grundwasser nimmt ab, die Temperaturen sind in der Nacht mittlerweile genauso hoch wie am Tag. Das war früher anders. Es ist unmöglich, der Hitze standzuhalten. Das ist ein Produkt des Klimawandels. Die steigenden Temperaturen sind den Menschen nicht vertraut. Wir spüren das am ganzen Körper, es belastet unsere Gesundheit und auch die unserer Tiere.

          Ist dieser Sommer besonders heiß?

          Jeder Sommer hat seine Besonderheiten. Dieser Sommer begann bereits früh im Mai, als wir einen Rekordanstieg an Temperaturen sahen. Auch die Temperaturen der letzten Tage waren enorm.

          Mahssen Abba Badati bereitet den Tee auf (Archivbild vom Februar 2018)

          Wie organisiert man bei solch hohen Temperaturen Alltag und Arbeit?

          Wir arbeiten vor allem am frühen Morgen – und ziehen uns von mittags bis abends gegen sieben Uhr in den Schatten zurück, damit wir keinen Hitzeschlag erleiden. Die Hitze ist eine ernste Gefahr, die Mensch und Tiere töten kann. Für uns kommt erschwerend hinzu, dass wir als Flüchtlinge kaum Ressourcen haben.

          Welche Tipps gegen Hitze kann ein Bewohner der Sahara einem Mitteleuropäer geben?

          Da kann ich vier Tipps geben: Die Menschen sollten nur das Wichtigste erledigen, sie sollten auf ihre Kinder aufpassen, viel Wasser trinken und die richtige Kleidung tragen ...

          ... vielleicht Turbane wie in der Sahara?

          Wenn nötig, solltet ihr auch mal Turban tragen. Eine Kappe reicht aber auch, glaube ich.

          Wenn es so heiß ist, macht Essen wenig Spaß. Wie und wann machen Sie das?

          Eigentlich esse ich gerne mittags. Im Sommer aber lieber morgens, wenn es noch kühler ist. Das Problem ist jedoch, dass die letzten Tage kaum von den Nächten zu unterscheiden waren. Es ist einfach nur noch ziemlich heiß.

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