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Im Jahr der Flutkatastraphe : Spendenbereitschaft der Deutschen so hoch wie nie

  • -Aktualisiert am

Deutsches Spendenergebnis liegt auf Rekordniveau. Bild: KNA

Das Jahr 2021 markiert einen erfreulichen Rekord: Die Deutschen haben zwischen Januar und September rund 3,8 Milliarden Euro gespendet. Ein großer Anteil kam Projekten für die Opfer der Flutkatastrophe zugute.

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          Gerade Krisenzeiten verleiten die Menschen, Geld zu spenden: Nach einer Erhebung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) haben die Deutschen von Januar bis September 2021 etwa 3,8 Milliarden Euro an gemeinnützige Organisationen oder Kirchen gespendet – das mit Abstand höchste Ergebnis seit Beginn der Erhebung im Jahr 2005. Die hohe Bereitschaft ist vor allem auf die Flutkatastrophe im Juli zurückzuführen. Max Mälzer, Geschäftsführer des Deutschen Spendenrats, spricht von „einem fantastischen Beleg für die Solidarität der Deutschen, auch in sehr schweren Zeiten“.

          Insgesamt 16,8 Millionen Deutsche haben in diesem Jahr gespendet, ein Anstieg von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In den vergangenen Jahren war die Anzahl der Spender hingegen kontinuierlich zurückgegangen. Auch der durchschnittliche Betrag pro Spende erreicht mit 40 Euro einen Höchstwert und trägt zur positiven Entwicklung des Gesamtspendenvolumens bei: Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum steig es um 14 Prozent.

          Die gestiegene Spendenbereitschaft zieht sich durch fast alle Altersgruppen. Nur in der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen ist der Zahl der Spender gesunken. „Ganz erfreulich finde ich, dass sich bei der jüngeren Generation ein deutlicher Wachstum bei den Spendeneinnahmen zeigt“, sagt Bianca Corcoran von der GfK. Nach wie vor spende die Generation der Über-70-Jährigen am meisten: „Die Altersgruppe ist extrem wichtig und hat 2021 sogar im Durchschnitt sogar noch mehr gespendet.“ Ihr Anteil am Gesamtspendenvolumen stieg von 43,2 auf 44,5 Prozent und ihr durchschnittliches Spendenvolumen von 288 Euro auf 315 Euro.

          Hohe Summen für Not- und Katastrophenhilfe

          Der größte Anteil an Spenden fließt auch in diesem Jahr mit 78,5 Prozent in die humanitäre Hilfe. In der Not- und Katastrophenhilfe hat sich der Spendeneingang dabei im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt und ist damit ausschlaggebend für das insgesamt starke Ergebnis. Laut Mälzer ist wohl die Flutkatastrophe im Sommer der Grund für den hohen Anstieg. So gab es in den Monaten Juli, August und September ein besonders hohes Spendenaufkommen.  Zudem wurden lokale und nationale Projekte mit 66 Prozent des Spendenvolumens stärker unterstützt.

          Obwohl die Zahlen aus diesem Jahr insgesamt von einer positiven Entwicklung zeugen, ist in einigen Bereichen ein deutlicher Rückgang der Geldspenden zu sehen. „Die Spenden für Flüchtende leiden stark dieses Jahr”, so Corcoran. Das Spendenvolumen sank im Vergleich zum Vorjahr um ganze 30 Prozent, von 297 auf 207 Millionen Euro. Auch im Sport und in der Kultur- und Denkmalpflege gab es einen erheblichen Verlust.

          Positive Ergebnisse zeigen sich wiederum im Tierschutz, mit einem Zuwachs von 9 Millionen Euro und dem Umwelt- und Naturschutz mit 10 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Nicht nur die Durchschnittsspende ging in diesem Bereich nach oben, der Erhebung zufolge konnten auch viele neue Spender akquiriert werden.

          Fraglich ist, ob der positive Trend anhält. Bianca Corcoran von der GfK weist darauf hin, dass womöglich nicht jeder neue Spender, der während der Flutkatastrophe erstmals Geld gegeben hat, auch in Zukunft regelmäßig spendet. Über die diesjährigen Zahlen könne man sich jedoch erst einmal freuen, und die Prognose für das Spendenjahr 2021 ist ebenfalls positiv: Insgesamt ist mit einer Summe von 5,8 Milliarden Euro zu rechnen.

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