https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/deutsche-riesen-sollen-hunger-in-nordkorea-stillen-1411881.html

: Deutsche Riesen sollen Hunger in Nordkorea stillen

  • Aktualisiert am

Zehn Kilo bringt der Deutsche Riese von Züchter Karl Szmolinsky auf die Waage Bild: dpa

Als nordkoreanische Diplomaten bei Karl Szmolinsky in Eberswalde anklopften, verstand er sie zunächst nicht. „Kilo, Kilo, Fleisch, Fleisch“, sollen sie immer wieder gesagt haben. Dabei ging es ihnen um den Deutschen Riesen Robert und seinesgleichen.

          1 Min.

          Karl Szmolinsky hat eine Leidenschaft für Deutsche Riesen. Die schwergewichtigen Kaninchen, denen der Züchter aus Eberswald seine Freizeit widmet, wiegen mit rund 10 Kilo deutlich mehr als ihre üblichen Stallgenossen.

          Das hat nun nordkoreanische Diplomaten auf eine Idee gebracht. Nach einem Wettkampfsieg von Szmolinskys Deutschem Riesen Robert mit einem Kampfgewicht von 10,5 Kilogramm klopften die Koreaner im vergangenen Jahr bei dem 67-Jährigen an. „Kilo, Kilo, Fleisch, Fleisch“, hätten sie stets wiederholt, erinnert sich der Züchter. Schließlich kauften die Gäste aus Asien zwölf Tiere, darunter Robert, zum Preis von 80 Euro pro Stück. Eine gelungene Zucht könnte in Nordkorea viel Not lindern: Ein Deutscher Riese bringt bis zu sieben Kilo Fleisch und kann eine sechsköpfige Familie satt machen.

          Pro Jahr 60 kleine Kaninchen

          Szmolinsky sagt, er sei froh zu helfen. Eigentlich sind seine Zuchtkaninchen bis zu 200 Euro das Stück wert. „Ich will der Bevölkerung helfen, das ist ein armes Land, da gibt es eine Hungersnot“, sagt der ehemalige Kraftfahrer. Der heutige Rentner weiß, wovon er spricht, hat er doch selbst den Krieg in Deutschland als Kind erlebt. Und in Nordkorea, wo in den 90er Jahren zwei Millionen Menschen durch Hungersnöte starben, droht die Nahrung nach einer Warnung der unabhängigen Organisation International Crisis Group in diesem Winter wieder knapp zu werden.

          Vereinte Nationen : Nordkorea bittet um Einstellung der humanitären Hilfen

          Und so hofft Szmolinsky, dass seine zwölf Kaninchen gesund, munter und fortpflanzungsfreudig sind. Im Prinzip sollten zwölf Tiere an die 60 Junge pro Jahr hervorbringen. Ob sie aber in Pjöngjang ebenso gut gedeihen wie in Eberswalde, ist unsicher - vor allem, was das Futter betrifft. Bis zu einem Kilo braucht so ein Deutscher Riese pro Tag, „aber sie haben gesagt, sie hätten genug Reis, Kartoffeln und Gras“. Auch hat Szmolinsky die Delegation aus dem Fernen Osten mit einem landwirtschaftlichen Handbuch ausgerüstet. Das stamme zwar von 1959, „aber alles stimmt noch“.

          Eberswalde auf der Weltkarte

          Jetzt wartet Szmolinsky nur noch darauf, dass die nordkoreanische Botschaft in Berlin eine ihm versprochene Reise nach Pjöngjang organisiert. Dort will er sich vor Ort überzeugen, wie es den Kaninchen ergeht. Seit drei Wochen hat er nichts mehr aus Berlin gehört. Doch Langeweile hat er deshalb nicht: Ein Fernsehteam nach dem anderen will seine Ställe filmen, Japaner, Russen, Amerikaner, alle waren schon da. Außerdem wollen Delegationen aus China und Peru vorbeikommen, um möglicherweise ebenfalls eine Zucht aufzuziehen. Szmolinsky freut sich: „Ich bin stolz, Eberswalde ist jetzt auf der Weltkarte.“

          Weitere Themen

          Dritter möglicher Hintermann gefasst

          Mord an Peter R. de Vries : Dritter möglicher Hintermann gefasst

          Ermittler haben einen dritten möglichen Hintermann im Mordfall des niederländischen Reporters gefasst. Es soll sich um einen 26 Jahre alten Polen handeln, der wohl Verbindungen zum Chef einer berüchtigten Drogenbande hat.

          Topmeldungen

          Brauchen einander: Kanzler Scholz bei einem Wahlkampfauftritt im vergangenen Jahr mit der Parteilinken Wiebke Esdar

          Trotz programmatischer Wende : Warum ist die SPD-Linke (noch) so friedlich?

          Olaf Scholz verlangt seiner Partei eine Menge ab. Kritik von der Parteilinken? Wenig. Aber der Friede bekommt Risse. Die Juso-Chefin geht den Koalitionspartner FDP und Christian Lindner hart an.
          Ein Thermogramm offenbart die energetischen Schwachstellen. Von weiß über rot, gelb und blau nach schwarz signalisiert warm bis kalt.

          Haus, Auto, Kühlschrank : Wie sich jetzt Energie sparen lässt

          Die Regierung ruft zum Energiesparen gegen Russland auf. Frieren für den Frieden muss das nicht bedeuten – aber es gibt viele Möglichkeiten, wie jeder einzelne weniger Gas und Öl verbrauchen kann.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.