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Deutsche Jungschauspielerin : Auf nach Hollywood

Briana Alegria mit ihrer Mappe beim Casting: Vielleicht wird es ja diesmal eine große Rolle Bild: Privat

Acht Stunden am Set für ein paar Sekunden in einer Serie. Tag für Tag Castings, immer auf der Jagd nach der großen Rolle. Über das Leben einer deutschen Jungschauspielerin in L.A.

          9 Min.

          Briana Alegria sitzt auf einem sehr weichen Sessel mit mintfarbenem Bezug, gleich am Fenster der Café-Etage im Berliner Privatclub Soho House. Sie trägt schwarze Jeans mit ein paar Rissen, dazu einen schwarzen Rollkragenpullover, und ist perfekt geschminkt, obwohl sie gerade vom Sport kommt. Vor der jungen Schauspielerin stehen ein Glas Mineralwasser und ein Teller dampfender Tomatensuppe.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So könnten viele Porträts über berühmte Schauspieler beginnen, und auch das hier würde gut dazu passen: Briana Alegria ist nicht nur im Berliner Soho House Mitglied, sondern ebenso in jedem anderen Ableger der Club-Kette weltweit, also auch in Los Angeles, wo sie lebt und arbeitet. Und dass sie ein perfektes Make-up mit der Mühelosigkeit eines Paars zerrissener Jeans zu konterkarieren weiß, zeugt von einer gewissen Übung im Fach Selbstdarstellung.

          „Da vorne wohne ich, wenn ich in Berlin bin“

          Nur – Briana Alegria ist nicht berühmt. Oder besser gesagt, unter ihrem Künstlernamen kennt sie so gut wie niemand. Eigentlich heißt die junge Schauspielerin Briana Herrenknecht, und ironischerweise ist sie mit diesem Nachnamen, als Tochter des baden-württembergischen Unternehmers Martin Herrenknecht, mehr Leuten ein Begriff. Aber Briana möchte eben nicht als Tochter erfolgreich sein, sondern als Schauspielerin. Nicht umsonst hat sie an der New Yorker Lee-Strasberg-Schauspielschule studiert. Also Briana Alegria. Aus dem zweiten Teil des Vornamens – ihre Mutter ist Kolumbianerin – ist ein Nachname geworden.

          Briana Alegria, ihr Künstlername, ist auch eine Art mini elevator pitch, eine schnelle Zusammenfassung, die erst mal nichts von ihrer deutschen Herkunft verrät und trotzdem exotisch genug klingt, um damit für möglichst viele verschiedene Rollen in Frage zu kommen. Vor fünf Jahren hat sie sich dazu entschlossen, Schauspiel zu studieren, davor war sie Stewardess bei der Lufthansa. Seit zwei Jahren versucht sie sich in Los Angeles, wie etliche Jungschauspieler. Sie führt ein Leben, in dem sie viel gibt – und es hoffentlich irgendwann, möglichst bald, als Schauspielerin auch zurückbekommt. So wie Diane Kruger oder Daniel Brühl.

          Briana Alegria schmunzelt, und dabei ziehen sich die Wangen links und rechts zu hübschen Grübchen zusammen. „Da vorne wohne ich, wenn ich in Berlin bin“, sagt sie und zeigt vom Fenster im Soho House aus nicht etwa auf einen sanierten Altbau, sondern auf ein Hochhaus am Alexanderplatz, in dem sie ein WG-Zimmer gemietet hat. Die Verwirklichung des Traums von der Schauspielerei kostet viel, neben dem Zimmer in Berlin ein weiteres in Hankock Park, einem Stadtteil von Los Angeles. „Hankock Park, das kennt man von den Postkarten“, sagt Alegria. „Palmen, Villen rechts und links, das ist Hankock Park. Von dort aus geht es einmal über die Straße, wo nicht mehr die riesigen Villen stehen, und da wohne ich.“ Dort lebt sie zum Beispiel immer zur pilot season, wenn in Los Angeles nicht nur für neue Serien gecastet wird, sondern überhaupt jeder im Filmgeschäft versucht, Projekte an Land zu ziehen. In ihrer WG wohnt Alegria mit vier weiteren jungen Menschen, einer Journalistin, zwei Immobilienmaklern und einem Opernsänger.

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