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Deutsche in Hollywood : Den Traum leben, ohne Nachhilfe

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Vielmehr als „Einzeltäter mit unternehmerischem Gespür“ versteht sich beispielsweise auch der Filmkomponist Patrick Kirst. Der Sechsunddreißigjährige, der nach dem Besuch des Musikkonservatoriums in Karlsruhe durch ein Stipendium des Rotary Clubs erst an die amerikanische Ostküste und von dort vor acht Jahren nach Hollywood kam, hat für Filme wie „The Proposal – Selbst ist die Braut“ und „Sex and the City – Der Film“ geschrieben, ohne alteingesessene Meister seines Fachs wie den Frankfurter Oscar-Preisträger Hans Zimmer („König der Löwen“) jemals gesehen zu haben. „Die meisten professionellen Verbindungen stammen aus meinem Studium an der University of Southern California in Los Angeles und sind international“, erklärt Kirst.

Eine „German film community“ hat der Beethoven-Fan bis heute nicht kennengelernt. Um an die ersten Aufträge für eigene Kompositionen zu kommen, musste sich der Musiker daher auch einiges einfallen lassen. Während er als Korrektor für den Hollywood-Komponisten Aaron Zigman arbeitete, legte er dem Musiker eines Abends anonym eine CD mit eigenen Stücken vor die Haustür. Am nächsten Tag meldete sich Zigman, wollte wissen, ob Kirst die Titel komponiert habe – und legte den Telefonhörer kommentarlos wieder auf. Vier Monate später rief Zigman den deutschen Kollegen ein weiteres Mal an und bot dem Überraschten einen Job als Orchestrator an. Seitdem hat der Kehler, der heute im Künstlerviertel Venice bei Los Angeles lebt, die Schauspielerin Katherine Heigl in „The Ugly Truth – Die nackte Wahrheit“ musikalisch bei der Partnersuche begleitet, Arrangements für die Eisbären, Elefanten und Wale der Disney-Dokumentation „Earth“ geschrieben sowie für ein paar Dutzend weitere Filme Musik mit oft klassischen Untertönen und exotischen Instrumenten komponiert.

Dramatische Wasserszenarien

Mehr einem Mix aus Fleiß und Zufall denn einem deutschen Pass hat auch Stephan Trojansky seinen ersten Großauftrag in Hollywood zu verdanken. Der Special-Effects-Filmer aus München war mit seiner amerikanischen Frau Danielle gerade nach Los Angeles gezogen, als ihn Emmerichs Ko-Produzent Volker Engel ansprach. Der „Roland“ drehe gerade einen Katastrophenfilm und brauche ein paar Riesenwellen. Trojansky bastelte am Computer tagelang Flutszenen, ließ Wassermassen über Städte hereinbrechen und ganze Landstriche in den Wellen versinken, bevor er Engel die Testaufnahmen schickte. Umgehend bekam er den Auftrag, für Emmerichs Weltuntergangsdrama „2012“ dramatische Wasserszenarien zu entwickeln. Ein Jahr später spielte der Film innerhalb von vier Tagen mehr als 200 Millionen Dollar ein.

Für die Simulation von Flüssigkeiten wurde der Münchner schon vor drei Jahren mit einem Technik-Oscar geehrt. Bei der Verleihung des renommierten amerikanischen Filmpreises vor drei Wochen konnte Trojanskys Special-Effects-Schmiede „Scanline VFX“ für Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ fast einen zweiten Goldritter mit in die Studios nach Marina del Rey nehmen, wo der Münchner heute fast 60 Mitarbeiter beschäftigt. „Auch wenn es sich abgedroschen anhört: Wir leben den amerikanischen Traum“, sagt der Vierunddreißigjährige. „Und das ganz aus eigenen Stücken und ohne deutsche Nachhilfe.“

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