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Nach fast 58 Tagen : Deutsche Extremsportlerin erreicht auf Skiern den Südpol

Da hatte sie die Strecke noch vor sich: Anja Blacha bei einem Vorbereitungslauf in der Antarktis. Bild: dpa

Auf ihrer Reise durch die weiße Weite trotzte Anja Blacha Temperaturen von minus 35 Grad, starken Windböen und vor allem der gewaltigen Distanz von 1400 Kilometern. Am Donnerstag hat sie nun den Südpol erreicht.

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          Zum Jahreswechsel schaute Anja Blacha, wie man das gerne so macht, auf die vergangenen zwölf Monate zurück. 2019 sei ein großartiges Jahr gewesen, stellte sie fest, sie habe viel Zeit an außergewöhnlichen Orten und mit unglaublichen Menschen verbringen können, in der Welt der Bergsteiger und der Gemeinschaft der Pol-Abenteurer: „Ich habe mehr als eine von drei Nächten in diesem Jahr in einem Zelt mit Schlafsack verbracht.“ Was schon mal eine gute Grundlage ist für ein großartiges Jahr.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der Tag, an dem Anja Blacha diese Bilanz zog, die später auf Instagram zu lesen war, gehörte auch zu diesen Nächten: An Silvester war die 29 Jahre alte gebürtige Bielefelderin gerade in der Antarktis unterwegs, in Richtung Südpol – alleine, aus eigener Kraft, mit einem Schlitten, auf dem sie ihr Gepäck zog, ohne Versorgungsstellen auf dem Weg und ohne Hilfsmittel wie etwa einem Lenkdrachen. Die „purste, die reinste, die intensivste Form“ wollte sie erleben, so begründete Anja Blacha vor ihrem Start die Entscheidung für die Solo-Tour.

          Am frühen Freitagmorgen war auf Anja Blachas Instagram-Seite nun zu lesen: „Made it. At the South Pole now“ – „Geschafft. Bin jetzt am Südpol.“ Nach 1400 Kilometern, die sie zurückgelegt hatte, nachdem sie am 12. November auf der Berkner-Insel in die weiße Weite gestartet war. Auf ihrem Weg trotzte Anja Blacha laut ihren Mitteilungen Schlechtwettertagen, die sie im Zelt verbrachte, Temperaturen von bis zu minus 35 Grad, Windböen von bis zu 100 Kilometern pro Stunde, zahlreichen Gletscherspalten und der gewaltigen Distanz, die den täglichen Fortschritt oft minimal erscheinen ließ – obwohl sie auch Tage erlebte, an denen sie erstaunliche 28 Kilometer mit dem anfangs 110 Kilogramm schweren Schlitten zurücklegte.

          An anderen Tagen kam sie wegen des schwierigen Geländes statt auf Ski nur mit Steigeisen voran, musste vor eisigen Anstiegen die Last aufteilen und die Strecke mehrmals hin- und herwandern, um das gesamte Gepäck nach oben zu bringen. Der Südpol liegt unter einem dicken Eispanzer etwa 2800 Meter über Meereshöhe, wo Anja Blacha gestartet war. Doch daneben gab es eben auch immer wieder Tage mit herrlichem Wetter, in denen der Schlitten für sie zur Sonnenliege wurde. Und an Weihnachten das erste private Gespräch mit der Familie über Satellitentelefon.

          Am Donnerstag um 18.50 Uhr MEZ erreichte sie nun nach Angaben ihres Sponsors, ein Sportartikelhändler, den geografischen Südpol und hisste dort die Fahne mit dem Motto ihres Abenteuers: „Not bad for a girl“. Insgesamt sei sie 57 Tage, 18 Stunden und 50 Minuten unterwegs gewesen. Die genaue Zeit aber dürfte für Anja Blacha in diesem Moment vermutlich nebensächlich gewesen sein.

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