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Deutsche Emmy-Gewinnerin : Sie weiß, was sie will

Maria Schrader als Regisseurin im August bei den Dreharbeiten zu der Fernseh-Rom-Com „Ich bin dein Mensch“. Bild: Christine Fenzl

Maria Schrader wurde als erste deutsche Regisseurin überhaupt bei den Emmy Awards ausgezeichnet. Dabei ist sie doch eigentlich Schauspielerin. Wie hat sie das geschafft? Unsere Autorin hat sie wenige Tage vor der Verleihung getroffen.

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          „Die Kommandos gebe ich!“ Eine Stimme schallt über den Platz. Sie brüllt nicht, gellt nicht, kreischt nicht, kippt nicht. Sie ist laut. Und klar.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So klingt das also, wenn eine Frau, die es für selbstverständlich hält, dass sie das Sagen hat, sich Gehör verschafft.

          Die Sonne glitzert auf der Spree, das Berliner Futurium unweit des Hauptbahnhofs, ein Museum, das der Zukunft gewidmet ist, dient für Filmaufnahmen als Eingang einer Universität. Gedreht wird eine dieser Szenen, die für die Handlung wenig Bedeutung haben, aber trotzdem eine Menge Aufwand erfordern. In wohlchoreographierter Zufälligkeit kreuzt und quert ein gutes Dutzend Komparsen den Platz.

          Erst macht sie Witze. Dann legt sie ihr Machtwort ein.

          Während der Probe noch hat Maria Schrader sich über einen transportablen Regiebildschirm gebeugt und Witze gemacht: „Das ist wie so ein Wimmelbild. Wo ist das Kind mit dem gelben T-Shirt? Und wer ist hier die Schauspielerin?“ Jetzt, nach dem ersten Take, lehnt sie sich zu dem Chef der Komparserie hinüber und erklärt ihm, warum er seinen Statisten kein Startsignal geben dürfe ohne Aufforderung von ihr. Verbindlich, fast ein bisschen entschuldigend wirkt sie und hegt dadurch ihr Machtwort sozialverträglich ein.

          Schon ist man mittendrin in dem großen gesellschaftspolitischen Drama mit dem Titel „Frauen und Film“, in dem Maria Schrader aktuell eine besonders interessante Figur verkörpert. Sonntagnacht sind in New York die Emmys verliehen worden, die Oscars des amerikanischen Fernsehens, und Maria Schrader war nicht nur als erste deutsche Regisseurin ever nominiert. Sie hat tatsächlich gewonnen. Die umjubelte vierteilige Netflix-Serie „Unorthodox“ über die Flucht einer ultraorthodoxen Jüdin aus New York nach Berlin, frei nach dem Memoir von Deborah Feldman, ist Schraders dritte Regiearbeit.

          Jenseits der Filmwelt kennt man ihr Gesicht vor allem von der Leinwand. Dunkler Spirelli-Schopf zu schrägem Mund: Schon als junge Frau hat Schrader sich mit Filmen wie „Keiner liebt dich“ und „Aimée und Jaguar“ in die erste Liga ihrer Zunft gespielt. Ende September wird sie 55 Jahre alt. Wenn nun von nächster Woche an mit „Deutschland’89“ bei Amazon Prime die dritte Staffel des international erfolgreichen Spionagekrimis aus den Endwirren des Kalten Krieges zu sehen ist, besetzt Schrader darin eine der coolsten Frauenrollen, die das zeitgenössische deutsche Fernsehen zu bieten hat: die DDR-Agentin Lenora Rauch. Nicht nur der britische „Guardian“ war hin und weg von so viel Skrupellosigkeit und Eleganz.

          Führen Frauen anders Regie?

          Wie, bitte schön, hat diese Frau das geschafft in einer Branche, in der Regisseurinnen noch immer viel zu selten sind? In der fast ausschließlich männliche Schauspiel-Stars hinter die Kamera wechseln, um sich dann gerne selbst als Hauptdarsteller zu inszenieren? Und führen Frauen eigentlich anders Regie?

          „Ja. Äh. Nein.“ Maria Schrader ist kein Typ fürs Plakative. „Ich glaube, dass Frauen zuweilen andere Schwerpunkte in Geschichten suchen oder auch andere Geschichten erzählen“, sagt sie. „Aber dass es einen grundsätzlich anderen, weiblichen Zugang zu der Arbeit geben würde, kann ich aus meiner Erfahrung nicht bestätigen. Ich habe schlimme Situationen auch mit Regisseurinnen am Set erlebt. Und ebenfalls eine Feinheit und Sensibilität bei Männern, die ich wiederum bei Frauen vermisst habe.“ Fazit: „Ich kann nur über Personen sprechen.“

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