https://www.faz.net/-gum-8xrzo

Zweifel an Identität : Deutsche Bloggerin täuscht Leser und Medien

Marie Sophie Hingst, als sie für ihren Blog „Read on my dear“ als Bloggerin des Jahres ausgezeichnet wurde. Mit im Bild: Award-Mitgründer Daniel Fiene Bild: obs

Eine erfundene jüdische Familiengeschichte hat die Bloggerin Marie Sophie Hingst entlarvt. Nach „Spiegel“-Informationen hat die Historikerin auch andere Dinge frei erfunden. Deswegen nimmt die F.A.Z. ein mit ihr veröffentlichtes Interview jetzt offline.

          1 Min.

          Die F.A.Z. hat vor zwei Jahren ein Interview mit der Historikerin und Bloggerin Marie Sophie Hingst veröffentlicht, in dem sie über ihren Aufklärungsunterricht mit Flüchtlingen sprach. Um sie und die Kursteilnehmer vor Drohungen zu schützen, wurde ihr Name im Interview nicht erwähnt. Die Anonymität wurde direkt zu Beginn des Gesprächs für die Leser transparent gemacht.

          Die Redaktion hatte gleichwohl die Identität der Gesprächspartnerin überprüft, die zuvor bereits unter Pseudonym einen Gastbeitrag zum selben Thema auf „ZEIT online“ veröffentlicht hatte. Die Recherchen gaben keinerlei Anlass, an ihrer Erzählung zu zweifeln.

          Da Frau Hingst auf ihrem Blog unter anderem über ihre jüdische Familiengeschichte schrieb und mehrere Dokumente über angeblich verstorbene Familienmitglieder bei Yad Vashem einreichte, wurden schließlich Archivare aus Stralsund auf sie aufmerksam und kontaktierten den „Spiegel“ mit ihren eigenen Recherchen, nach denen die meisten dieser Familienmitglieder nicht existierten und Frau Hingst aus einer evangelischen Familie stammt.

          Der „Spiegel“ informierte „Zeit online“ über die Vorwürfe, wo der Inhalt des Gastbeitrages über den Aufklärungsunterricht abermals überprüft wurde und mehrere von Frau Hingst genannte Zeugen sich als falsch erwiesen haben sollen. Auch nach Veröffentlichung des „Spiegel“-Artikels blieb Frau Hingst gegenüber der F.A.Z. bei ihrer Darstellung, was den Aufklärungsunterricht angeht. Wegen begründeter Zweifel an ihren Aussagen nehmen wir das Interview dennoch offline.

          Weitere Themen

          Polizei verfolgt Spuren

          39 Tote in Lkw : Polizei verfolgt Spuren

          Nach dem Leichenfund in England durchsucht die Polizei Wohnungen, die offenbar mit dem Fahrer zu tun haben. Über die Route des Lkw gibt es etwas mehr Klarheit.

          #MeToo-Vorkämpferin verklagt Harvey Weinstein

          Rose McGowan : #MeToo-Vorkämpferin verklagt Harvey Weinstein

          Als sie über eine Vergewaltigung schreiben wollte, habe der Filmproduzent alles unternommen, sie mundtot zu machen. Dafür fordert die Schauspielerin nun eine Entschädigung. Weinstein reagiert wie gewohnt.

          Topmeldungen

          Fanal des Investitionsstaus: Die marode Leverkusener Autobahnbrücke

          Marode Infrastruktur : Deutschland braucht 450 Milliarden Euro

          Gegen den Verfall von Straßen, Schulen und Schienen hilft nur: investieren, investieren, investieren – findet zumindest das Institut der deutschen Wirtschaft, das bislang nicht als Verfechter staatlicher Mehrausgaben bekannt war.
          Unser Sprinter-Autor: Martin Benninghoff

          F.A.Z.-Sprinter : Trumps starke Männer

          Zwei Autokraten können über Kramp-Karrenbauers Vorstoß nur müde lächeln, ein Diktator lernt das Laufen – und Arnold Schwarzenegger ist mehr als souverän. Was sonst noch wichtig, der F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.