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Sturmtief „Eberhard“ : Stillstand beim Zugverkehr – ein Toter

  • Aktualisiert am

Sogenannter „Aufenthaltszug“ der Deutschen Bahn: Fahrgäste, die nicht weiterkamen, können dort übernachten. Bild: dpa

Orkanböen bis Windstärke zwölf, Bäume auf den Strecken und Stromausfälle in Stellwerken: Bei der Deutschen Bahn stehen die meisten Züge. Und auch am Montag wird mit zahlreichen Ausfällen gerechnet. Im Hochsauerland starb ein Mann.

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          Mit Orkanböen bis Windstärke 12 hat das Sturmtief „Eberhard“ am Sonntag den Bahnverkehr in Teilen Deutschlands zum Erliegen gebracht. Die Deutsche Bahn empfahl ihren Reisenden im Fernverkehr, nach Möglichkeit keine Reise mehr anzutreten. Und auch für den am Montag wieder beginnenden Berufsverkehr rechnet sie nicht mit erheblichen Verbesserungen. Vielmehr seien „erheblichen Beeinträchtigungen“ sowohl im Fern- als auch im Regionalverkehr zu erwarten, sagte ein Bahnsprecher am Sonntagabend. Genaue Angaben könne man erst am Montagmorgen machen. Das hänge auch davon ab, ob in der Nacht an allen Strecken die Schäden durch umgestürzte Bäume repariert werden könnten.

          Reisende sollten sich auf jeden Fall im Vorfeld informieren, ob ihr Zug fährt. Weil Sturm „Eberhard“ Bäume auf die Gleise geweht und für einen Stromausfall im wichtigen Stellwerk Essen gesorgt hatte, war der Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen am Sonntagnachmittag komplett gestoppt worden. In Dortmund und Köln hatte die Bahn sogenannte Aufenthaltszüge bereitgestellt, in denen gestrandete Fahrgäste auch die Nacht verbringen können.

          Anders als die Deutsche Bahn nahm der private Betreiber Eurobahn den Verkehr schon am Sonntagabend nach und nach wieder auf. Auf den Strecken, die nicht noch durch Bäume blockiert seien, seien die Züge wieder unterwegs, sagte eine Sprecherin. Bei Abellio fuhr eine Linie am Niederrhein schon am Sonntagabend wieder.

          Sturm „Eberhard“ fordert ersten Toten

          Im Hochsauerlandkreis starb hingegen ein Mann. Ein entwurzelter Baum stürzte während der Fahrt auf sein Auto. Für den 47 Jahre alten Fahrer sei jede Hilfe zu spät gekommen, teilte die Polizei mit.

          Der Bahnverkehr kam nicht nur in NRW, sondern auch in anderen Bundesländer zum erliegen. Auch in Hessen und Rheinland-Pfalz waren Züge an Bahnhöfen zurückgehalten geworden. Gestoppt wurde der Verkehr auf der Strecke Aschaffenburg-Würzburg, Züge von Frankfurt nach Nürnberg wurden an der Sperrung vorbeigeleitet. Auch die Verbindung zwischen Worms und Mannheim war zeitweise gesperrt. Zwischen Aschaffenburg und Hanau prüfte die Bahn eine Umleitung, die Strecke zwischen Kassel und Göttingen wurde am Sonntagabend wegen umgefallener Bäume ebenfalls gesperrt.

          Internationale Verbindungen nach Belgien und in die Niederlande fielen komplett aus. Dazu wurden nahezu alle Nachtzüge, die die Österreichische Bundesbahn in Deutschland betreibt, annulliert.

          Anzahl der Betroffenen unklar

          Wie viele Fahrgäste von den Ausfällen betroffen sind und ob sie heute noch weiterreisen können, ist noch nicht klar. Bereits zuvor hatte die Bahn Fahrgästen, die am Sonntag eine Reise antreten wollten, angeboten, die Fahrt kostenfrei zu stornieren. Alternativ können die Tickets bis eine Woche nach Störungsende genutzt werden, auch bei Zugbindung.

          Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte vor den starken Winden gewarnt und für Teile Nordrhein-Westfalens sogar die zweithöchste Unwetter-Warnstufe ausgegeben. Sturmtief „Eberhard“ fege teilweise mit Windstärke zwölf über das Bundesland, teilte der Wetterdienst mit. Bei solchen Windgeschwindigkeiten könnten Bäume entwurzelt und Dachziegel durch die Luft geschleudert werden. Menschen sollten sich möglichst nicht im Freien aufhalten, mahnten die Meteorologen. Die Warnstufe galt noch bis Sonntagabend um 20 Uhr.

          Zoos blieben geschlossen

          In dem Bundesland rückten Polizei und Feuerwehr am Wochenende zu Hunderten Einsätzen aus. Laut DWD traf „Eberhard“ am Sonntag zunächst die Region um Aachen. Ein Baum stürzte auf die Bahnstrecke zwischen Aachen und Mönchengladbach und blockierte sie mehrere Stunden. An der A44 fielen Äste auf die Fahrbahn. Auf der A40 war bereits am Samstag bei Bochum ein Baum auf die Fahrbahn gefallen und hatte einen Stau verursacht. Die Zoos und Tierparks in Dortmund, Wuppertal und Hamm sollten am Sonntag geschlossen bleiben.

          Die Feuerwehr im Einsatz auf der A40.
          Die Feuerwehr im Einsatz auf der A40. : Bild: dpa

          In Bochum und Dinslaken begruben Bäume geparkte Autos unter sich, in Bonn kippte ein Baum gegen ein Haus, im Münsterland deckten Sturmböen ein Hausdach ab. In Duisburg wurde ein tonnenschwerer Verladekran umgeweht und landete zur Hälfte im Rhein. Das Führerhaus sei glücklicherweise unbesetzt gewesen. Der Schiffsverkehr wurde um die Gefahrenstelle herumgeleitet.

          Auch andere Bundesländer waren betroffen. In Bayern wurde die Partie der Fußball-Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth und Dynamo Dresden wegen Sicherheitsbedenken abgesagt, weil der dortige Sportpark nach Angaben der Deutschen Fußball Liga nur eine Betriebserlaubnis bis zu Windstärke 8 besitzt. Da höhere Windgeschwindigkeiten erwartet wurden, wurde die Begegnung zum Schutz der Stadionbesucher und Spieler nicht ausgetragen. In Frankfurt am Main stürzte eine 25 Meter hohe Fichte gegen ein Haus, verletzt wurde niemand.

          Für Baden-Württemberg und Teile von Bayern warnte der DWD vor orkanartigen Böen mit Windgeschwindigkeiten im Flachland bis 110 Kilometer pro Stunde. Auf dem Feldberg wurden demnach sogar Geschwindigkeiten bis 150 Stundenkilometer gemessen. Im Schwarzwald stellten mehrere Skilifte den Betrieb ein, wie ein Sprecher der Liftbetreiber sagte. Die Schneefallgrenze sollte stellenweise auf 400 Meter sinken. Für das Allgäu prognostizierte der DWD bis Montagmorgen Niederschläge von stellenweise mehr als 50 Litern pro Quadratmeter.

          In der neuen Woche soll der Wind etwas nachlassen, dafür würden die Temperaturen fallen und es sei in der Nacht zu Montag mit Glätte und Neuschnee zu rechnen. Im Norden Bayerns fällt die Schneefallgrenze auf 600 Meter, im Süden könnte es bis in Lagen auf 800 Metern Höhe weiße Flocken geben. Im Lauf des Tages sollen selbst in niederen Lagen bis zu drei Zentimeter Schnee fallen, im südlichen Alpenvorland ist mehr als die doppelte Menge möglich. Im Allgäuer Hochgebirge rechnen die Wetterexperten mit bis 20 Zentimeter Neuschnee sowie mit Verwehungen.

          Die Ampel steht auf „rot“: Sturmtief „Eberhard“ sorgt für Einstellung des Zugverkehrs in Nordrhein-Westfalen.
          Die Ampel steht auf „rot“: Sturmtief „Eberhard“ sorgt für Einstellung des Zugverkehrs in Nordrhein-Westfalen. : Bild: dpa

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