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Strickwerk einer Pendlerin : „Verspätungsschal“ hat einen neuen Besitzer

  • Aktualisiert am

Ein Schal wie ein Warnhinweis: Die Farben wurden nach den Verspätungen der Bahn ausgewählt. Bild: Sara Weber

Stricken bei Verspätungen: Immer, wenn sie warten musste, hat eine genervte Pendlerin gestrickt – und damit für internationales Aufsehen gesorgt. Jetzt wurde der gut eineinhalb Meter lange Schal versteigert. Der Käufer ist kein Unbekannter.

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          Der „Bahn-Verspätungsschal“ von Claudia Weber aus Moosburg hat international Berühmtheit erlangt – nun wurde er für 7.550 Euro zugunsten der Münchner Bahnhofsmission versteigert. Die 55 Jahre alte Bahnpendlerin hatte vergangenes Jahr für jede Verspätung zur Stricknadel gegriffen und jeweils zwei Reihen gestrickt: Graue Wolle für unter fünf Minuten Verspätung, rosa für fünf bis 30 Minuten und rot für über 30 Minuten oder Verspätungen auf der Hin- und Rückfahrt. Und das jeweils am Abend, nachdem sie wieder von der Arbeit heim kam. Herausgekommen ist ein gut eineinhalb Meter langer Schal, der optisch einem Strichcode ähnelt, den die Tochter fotografierte und damit in den Sozialen Medien einen Hit landete.

          Nun wurde „The German train-delay scarf“ („The Guardian“) im Netz versteigert, wie die Innere Mission München als Träger der dortigen Bahnhofsmission mitteilte. Webers Tochter brachte den Schal für ein Foto bei der Spendenübergabe mit zur Bahnhofsmission. Mit der Spende will die Einrichtung ihre langsame Internetleitung aufmöbeln – auch, um ihren Klienten künftig kostenloses WLAN anbieten zu können. Das bekannte Verspätungs-Symbol wurde vom Geschäftsführer einer DB-Tochter ersteigert, die mit Risikokapital unter anderem Start-up-Unternehmen unterstützt.

          Auch im neuen Jahr will Weber, die in einer Reiseagentur arbeitet, weiter stricken. Dennoch sei sie froh, dass es die Deutsche Bahn gebe, sagte sie der Münchner „Abendzeitung“. Mit dem Auto zur Arbeit fahren wolle sie nicht und fühlt sich gleichzeitig gut vorbereitet. „Ich habe genug graue Wolle und hoffe, dass das neue Jahr besser wird“, sagte sie. Ihre Tochter Sara sagte der New York Times, dass sie von der großen Reaktion überwältigt gewesen sei und vermutet diese begründet in der Diskrepanz zwischen den vermeintlich pünktlichen Deutschen und den tatsächlich mehr und mehr zunehmenden Verspätungen der Deutschen Bahn. „Es ist so ein bisschen zu einer modernen Mythe geworden, dass Deutsche immer pünktlich seien, und das Züge immer zur angegebenen Zeit abfahren, aber das stimmt nicht immer.“ Das Ende des nun versteigerten Schals ziert übrigens viel rosa, im Spätsommer ist ein langer roter Farbblock zu sehen.

          Auf eine Entschädigung aufgrund der langen Wartezeiten kann Claudia Weber übrigens nicht hoffen. Erst ab einer Stunde Verspätung gibt es 20 Prozent des Fahrpreises zurück. Bei mehr als zwei Stunden ist es die Hälfte. Ohne Einzeltickets und auf kurzen Regionalstrecken ist das so gut wie unmöglich.

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