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Ungewöhnlicher Designer : Luigi Colani gestorben

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Luigi Colani steht 2003 bei der Eröffnung seiner Ausstellung „Luigi Colani – Formen und Visionen“ in Magdeburg vor einem Experimental-Fahrzeug. Bild: dpa

Der Designer Luigi Colani ist tot. Er sei am Montag im Alter von 91 Jahren in Karlsruhe gestorben, sagte seine Lebensgefährtin Yazhen Zhao.

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          Designer Luigi Colani ist am Montag in Karlsruhe verstorben. Das teilte seine Lebensgefährtin Yazhen Zhao der Deutschen Presseagentur mit. Colani wurde 91 Jahre alt.

          Lutz Colani, der sich später Luigi nannte, galt als Tausendsassa unter den Designern, vor allem auf dem Gebiet des Marketings. Zwar blieben viele seiner Entwürfe in der Schublade – doch der Berliner erschuf einiges, das ihm bleibenden Ruhm bescherte: die Spiegelreflexkamera Canon T-90 etwa oder den besonders stromlinienförmigen und Geschwindigkeitsrekorde aufstellenden Ferrari Testa d'Oro. 

          Von Kindheit an interessierte er sich für Flugzeuge, die er schon als Vierjähriger auf dem Berliner Flugplatz Johannisthal starten und landen sah. Zunächst studierte er aber Bildhauerei und Malerei in Berlin, dann Aerodynamik an der Pariser Sorbonne. 1953 ging er nach Amerika zum Flugzeughersteller Douglas, wo er sich mit neuen Werkstoffen beschäftigte. Für den französischen Automobilhersteller Simca entwickelte er danach die erste Vollkunststoffkarosserie. Fortan prägte die Gestaltung und Anwendung von Kunststoffen sein Formschaffen, das gemeinhin als windschnittig und biomorph wahrgenommen wird. 

          Liegt gut in der Kurve: Designer Luigi Colani demonstriert 1995 in Köln ein Sitzmöbel für seine Wohneinheit „Habitaner“. Bilderstrecke

          Seine Welt sei rund, betonte er immer wieder. Ob rundleibige Fernseher, dickbäuchige Kugelschreiber, geschwungene
          Stühle, sanftförmige Brillen oder ovalschwebende Toiletten – bei seinen Entwürfen war Colani kein Gebrauchsgegenstand zu banal. Als einer der ersten Designer vermarktete er seine Produkte unter seinem Namen und schuf dazu seinen so unverwechselbar wellenförmig geschwungenen Schriftzug „Colani“.

          Im Laufe seines Lebens arbeitete er außer in Deutschland, Italien, Mexiko, den Vereinigten Staaten oder Russland auch in Japan oder China. Er heiratete, bekam zwei Söhne, trennte sich. Der Kontakt zu seinen Söhnen war nach seinen eigenen Worten spärlich.

          Sein Denken, so sagte er, sei stets auf das Morgen zugegangen. Ablehnung, wie sie ihm nicht zuletzt wegen seiner hochfahrenden und überheblichen Art entgegenschlug, kränkte ihn, auch wenn er das nicht gerne zugeben mochte. „Das Scheitern liegt auf der anderen Seite“, sagte er bockig. Colani fühlte sich verkannt.

          Zuletzt war er leiser geworden. Mit deftigen Worten zog er bis dahin über die in seinen Augen ewiggestrige Designzunft her, beschimpfte die Industrie als ultrakonservativ, verließ Deutschland in Richtung China. Zu seinem 90. Geburtstag schließlich wirkte er still und zerbrechlich. Er nahm sich zurück, paffte an seiner Zigarre und lachte ein wenig heiser. Seine Wohnung in Karlsruhe behielt er – Deutschland war für ihn „Heimat“. 

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