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Belasteter Vorname : Kann man sein Kind Adolf nennen?

Darsteller in „Der Vorname“ (von links): Justus von Dohnanyi, Janina Uhse, Iris Berben und Florian David Fitz Bild: dpa

Der Vorname Adolf ist verpönt. In dem Film „Der Vorname“ geht es um die Frage, ob man seinem Kind einen Namen geben kann, der für Krieg, Vertreibung und den Mord an Millionen Juden steht.

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          Ein einfacher Name mit nur zwei Silben und doch so unsagbar schwer. Wer ihn ausspricht, zuckt unweigerlich zusammen, zumindest innerlich. Kein Wunder, dass Elisabeth und ihr Ehemann Stephan entsetzt sind, als ihr Freund Thomas und seine schwangere Frau Anna enthüllen, ihrem Kind den Vornamen des größten Verbrechers der Geschichte geben zu wollen. Ein Name, der für Krieg steht, für Vertreibung, für den Mord an Millionen Juden. Das geht doch nicht, sein Kind einfach so zu nennen? Oder doch?

          Tim Niendorf
          Politikredakteur.

          Genau um diese Fragestellung dreht sich der Film „Der Vorname“ von Sönke Wortmann, der im Oktober in den deutschen Kinos anläuft. Ein Remake der französischen Komödie Le Prénom von Alexandre de La Patellière und Mathieu Delaporte aus dem Jahr 2012, die schon als Theaterstück zuvor erfolgreich war und weltweit fast 30 Millionen Dollar einspielte. Starke Egos geraten aneinander und der Abend eskaliert: Die Diskussion über falsche und richtige Vornamen geht in ein Psychospiel über. In der ursprünglichen Version will ein Ehepaar sein Kind Adolphe nennen, mit -phe am Ende. Also nach dem Helden des gleichnamigen Romans von Benjamin Constant. Phonetisch macht das für die Freunde der werdenden Eltern keinen Unterschied. Adolphe bleibt für sie Adolf.

          Doch warum eigentlich nicht sein Kind Adolphe, Adolph oder Adolf nennen? Da gab es doch auch Gustav II. Adolf, der berühmte schwedische König zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs. Oder Adolph Knigge, der über den Umgang mit Menschen schrieb. Und auch anderer Diktatoren Vornamen werden doch weltweit weiterhin vergeben. Nur einer ist verpönt.

          Tatsächlich leben in Deutschland heutzutage immerhin 46.171 Adolfs, wie aus einer Datenbank des Namenkundlichen Zentrums der Universität Leipzig hervorgeht. Eine Karte des Instituts zeigt, dass der Vorname bundesweit vertreten ist, allerdings mit deutlich sichtbaren Lücken in Ostdeutschland. Das lässt sich leicht erklären, war es doch in der ehemaligen DDR verboten, sein Kind Adolf zu nennen.

          Woher stammt der Name eigentlich?

          Es handelt sich bei Adolf, älter auch Adolph, um einen altdeutschen männlichen Namen, der wiederum eine Variante von Adalwolf ist. Gebildet aus dem althochdeutschen Namenselement adal, verkürzt al oder ad, in der Bedeutung: edel, vornehm, von edler Geburt. Und aus Wolf, einem heiligen Tier der Germanen. Populär wurde Adolf ursprünglich als Heiligenname nach dem heiligen Adolf, dem Bischof von Maastricht im siebten und achten Jahrhundert und einem anderen heiligen Adolf, dem Bischof von Osnabrück, im 12. Jahrhundert. Noch vor hundert Jahren gehörte Adolf zu den beliebtesten männlichen Vornamen.

          In vielen Familien, vor allem in Süddeutschland und Österreich, war es ursprünglich Tradition gewesen, dem ersten Sohn den Heiligennamen zu geben. Das war allerdings noch vor der Jahrhundertkatastrophe. Obskur wurde es dann in den dreißiger Jahren, als weibliche Vornamen wie Hitlerine oder Hitlerike aufkamen. Die Verballhornung seines Namens untersagte Hitler aber schon 1933 höchstpersönlich. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde dann auch sein Vorname seltener vergeben. Seit den fünfziger Jahren verschwand er in Deutschland fast gänzlich, sodass die meisten Adolfs heute alt sind und bald das Zeitliche segnen dürften. Ausnahmen wie der 48 Jahre alte Adolf „Adi“ Hütter, neuer Trainer des Fußballbundesligisten Eintracht Frankfurt, bestätigen lediglich die Regel. Wobei Hütter ja auch aus Österreich kommt.

          Immerhin; leichte Tendenzen einer Wiederbelebung des Namens sind erkennbar. Aber nur sehr kleine. Zwischen 2006 und 2013 wurde der Vorname in Deutschland 13 Mal vergeben, wie das Namenkundliche Zentrum aus Leipzig weiß. In den nur vier Jahren danach kamen weitere 46 hinzu. Ob der Film von Sönke Wortmann den Namen in der Liste wieder nach oben hieven wird?

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