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Standfest: So könnte der Tretroller von Carl Ferdinand Langhans ausgesehen haben. Bild: Lessing/Kaiser

In Breslau : Der Tretroller wurde schon vor 200 Jahren erfunden

  • -Aktualisiert am

Das Prinzip des Tretrollers wurde vor 200 Jahren von Carl Ferdinand Langhans in Breslau erfunden. Allerdings setzte er auf drei Räder – denn das Balancieren auf zweien war für die Zeitgenossen der Horror.

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          Architekten hatten schon immer eine Schwäche für Erfindungen. Das erkennt man an Carl Ferdinand Langhans, der 1781 in Breslau geboren wurde. Er war der Sohn von Carl Gotthard Langhans, einem Vertreter des frühen Klassizismus in Deutschland, der vor allem als Erbauer des Brandenburger Tors in Erinnerung ist. Langhans junior trat in die Fußstapfen seines bekannten Vaters und erlernte ebenfalls die Baukunst.

          Schon in jungen Jahren wurde er am Hof zum Baukonduktor ernannt, doch die napoleonischen Kriegswirren beendeten die Beamtenkarriere. Er reiste nach Italien, wirkte am Bau des Wiener Theaters und beim Berliner Theaterbau seines Vaters mit und baute später ebenfalls vor allem Theatergebäude, unter anderem in Liegnitz, Dessau, Stettin und Leipzig. Nebenher entwarf er Lampen mit und ohne Docht sowie Filterkannen zur Kaffeebereitung, die man als Kaffeemaschinen bezeichnete, obwohl sie keinerlei bewegliche Teile hatten. Auch malte er ein Diorama namens Pleorama mit der Ansicht des Golfs von Neapel, das die Zuschauer in einer Gondel sitzend und unter Barkarolen-Klängen an sich vorüberziehen sahen.

          Frisch verheiratet, experimentierte er 1817 auch mit Draisinen, den zweirädrigen Laufmaschinen des Forstlehrers Karl Drais. „Er hat sie allen Polizeikonflikten zum Trotz auf der Promenade probiert“, schreibt die „Deutsche Bauzeitung“ in ihrem Nachruf. Damit war er nicht allein: Im ganzen Abendland beschäftigte sich die technische Intelligenz mit dem Zweirad. So versuchte Joseph Nicéphore Nièpce, der Erfinder der Heliografie, der ersten fotografischen Technik, an eine Laufmaschine ein Perpetuum Mobile zum Antrieb anzubauen, womit er nicht weit kam.

          An eine Abbildung der Langhansschen Draisine zu kommen konnte man nicht hoffen. Die Zeitungen hatten damals noch keine Bilder, und Kupferstecher mussten teuer entlohnt werden. In der Plansammlung der Bibliothek der Technischen Universität Berlin haben nur die kriegsbedingt ausgelagerten Architekturzeichnungen überlebt. Die Sensation schlummert in einer Enzyklopädie von sage und schreibe 224 Bänden. Die „Oeconomische Encyclopädie“ von Johann Georg Krünitz definiert 1850 unter dem Stichwort „Velocipede“ die Laufmaschinen: „Der Baurath Langhans hat eine Draisine in Breslau schon vor mehreren Jahren aufgestellt, die damals den Beifall der Kenner erhielt, aber nicht in Anwendung gekommen ist. Diese leichte Draisine hat zwei Achsenräder und ein kleines Lenkrad, man steht auf derselben, wenn man fährt, und es soll nicht mehr Mühe machen als das Schreiten.“ Langhans erfand also das Prinzip des Rollers, mit einem Standbein und einem Bein, das vom Boden abstößt.

          Boom nach dem Ersten Weltkrieg

          Allerdings auf standfesten drei Rädern, denn das Balancieren auf zweien war für die Zeitgenossen der Horror. Mit Lenkrad war das steuerbare Vorderrad gemeint. Weiter heißt es, dass man bei einiger Beschleunigung so dahinfahren könne wie ein Pferd galoppiert, also mit bis zu 20 Kilometern in der Stunde. Das war nicht unrealistisch, denn bei einem Zweiradrennen im Jahr 1829 in München wurden sitzend eine halbe Stunde lang 22 Kilometer in der Stunde erreicht.

          In der „Encyclopädie“ heißt es 1850: „Der Wunsch ist jetzt wieder laut geworden, dass Herr Langhans diesen leichten Schnellwagen zum Nutzen und Vergnügen der Fußreisenden und Lustwandler in Ebenen wieder in Anwendung bringen möge, besonders bei den vielen Chausseen und Kunststraßen, die jetzt überall angelegt werden.“

          Dieser Wunsch scheint lange keine Wirkung gehabt zu haben. In den Nürnberger Spielzeug-Musterbüchern des 19. Jahrhunderts ist keine Radelrutsch abgebildet. Erst nach dem Ersten Weltkrieg gab es dann einen Boom der Kinderroller. Und nun gibt es solche Kinderroller auch für Erwachsene, mit Elektroantrieb.

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