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„Der Tanz um die Lust“ : Sex als Gebet

Das liest sich, als sei man in eine deutsche Version von „Sex and the City“ geraten und kann ähnlich vergnüglich sein. Mitunter nervt es auch. Relevanz gewinnt diese Jagd nach Erfüllung, weil sie eingebettet ist in grundsätzliche Beobachtungen über das grassierende Unvermögen, Beziehungen einzugehen. Die Fiktion dient nur dazu, ein essayistisches Feuerwerk zu erden.

Von Schirachs provokanteste These: Wir leben in einer Welt, die immer pornographischer wird, und das nicht nur, weil der Konsum von Pornos zunehmend weniger tabuisiert ist. „Übergeil“ nennt sie die nackten Körper auf den Reklametafeln, die uns überall und ständig verleiten, uns selbst auf sexy zu trimmen, während die Ansprüche an potentielle Partner ins Unermessliche steigen.

„Realität, die einem die Luft abschnürt“

„Woher kommen denn die Bilder?“, fragt Ariadne von Schirach und argumentiert: „Die Pornoindustrie ist die größte Sichtbarkeitsmaschinerie, wenn es um Sex geht. Da ist eine ganz eigene Bildwelt geschaffen worden, um das Problem zu lösen, wie man Lust sichtbar macht.“ Hippe Outfits. Lässige Looks und Posen. Verführerische Bewegungen - für die Autorin entstammt diese ganze Ikonographie dem Porno.

Selbst „guter Sex“, wie Frauenzeitschriften ihn beschwören, habe mit seiner Dramaturgie aus Anfang, Höhepunkt und Ende einschlägige Vorbilder. Das erzeuge Druck, die eigene Sexualität in ein Raster zu pressen. Ariadne von Schirach sagt: „Manche mögen Pornos, ich kann damit nicht viel anfangen. Das ist Geschmackssache. Aber die Menschenbilder im Porno sind schlecht. Und dieses Menschenbild geht um, es mäandert und wird stärker. Da wird eine Realität erzeugt, die einem die Luft abschnürt.“

Schluss mit dem „Optimierungswahn“

Diesen „Objektivierungsstrategien“, wie von Schirach gern sagt, setzt sie das Prinzip der Subjektivierung gegenüber. Damit meint sie eine Form der Sexualität, die sie Erotik nennt: „das, wo wir anfangen“. Persönlich, einzigartig, selbstbestimmt und frei von dem Zwang, Normen zu entsprechen. So flirten sich SusiPop und Co. von einem One-Night-Stand zur nächsten Affäre, sind dabei aber nur mäßig glücklich.

Von Schirach hält eine altmodische Form der Erlösung parat. „Die Liebe ist ein Ausblick, weil sie eine der letzten Verheißungen ist. Und Liebe hat etwas mit Entscheidungen zu tun.“ Schluss mit dem „Optimierungswahn“ nach dem Prinzip „es könnte ja jemand Besseres warten“ oder „es gibt noch andere hübsche Söhne“!

„Frauen suchen aus. Immer

Wer die spätadoleszente Welt der Ariadne von S. hinter sich gelassen hat, mag Diagnose und Rezept belächeln, der Gattin Rosen kaufen, die Füße abends auf die Couch legen und am nächsten Morgen ins Büro hasten. Wer sich aber hineindenken mag in die schönen, selbstbewussten Prä-Dreißigerinnen, für die Ehrgeiz, Selbstverwirklichung und Vergnügen zusammengehören, die hinreißend sind, aber leider single, sollte aufmerken.

Warum ist es so schwer für die Töchter der Emanzipation, einen Partner zu finden? Ariadne von Schirach sagt: „Frauen suchen aus. Immer. In der ersten Sekunde. Dann aber wollen sich die Männer bemühen. Das ist der erste Fehler der jungen Frauen. Auch von mir. Man regelt das selbst. Und was passiert mit dem Mann? Er wird mitgenommen, er wird hinterher angerufen, er soll wiederkommen. Das nimmt den Männern den Raum, ihre Identität zu inszenieren. Aber Verführung findet nur statt, wenn jeder seinen Platz hat.“

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