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Der Promi-Pool-Boy erzählt : „Faye Dunaway zeigte ich, wie man krault“

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Svend Petersen brachte Hollywood-Stars eiskalten Chardonnay, schirmte die Beatles vor ihren Fans ab. Als „pool boy“ des „Beverly Hills Hotel“ las der Däne, 81, den Celebritys vier Jahrzehnte jeden Wunsch von den Augen ab – und fühlt sich elf Jahre nach der Pensionierung weiter am Beckenrand zu Hause.

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          Herr Petersen, wie warm ist der Pool heute?

          Genau 82 Grad Fahrenheit, also fast 28 Grad Celsius. Er hat jeden Tag dieselbe Temperatur.

          Die Luxushotels in Beverly Hills haben einiges zu bieten. Das Bel-Air ist bekannt für einen von Palmen gesäumten ovalen Pool, das Beverly Hilton für ein Becken in Wettkampfgröße und das Beverly Wilshire für sein mediterran inspiriertes Bassin. Was macht den eher schlichten Pool des „Beverly Hills Hotel“ so berühmt?

          Die großen Hollywood-Stars, die jeder aus dem Kino kennt. Fred Astaire, Liz Taylor, Katharine Hepburn, James Stewart, Rex Harrison, Cary Grant, Ingrid Bergman, die Beatles, Marlene Dietrich - sie kamen alle, um ein paar Bahnen zu schwimmen, in der Sonne zu liegen oder um Drehbücher zu lesen.

          Astaire und Harrison lebten nur einen Steinwurf vom Beverly Hills Hotel entfernt am San Ysidro Drive, Stewart wohnte am North Roxbury Drive fast um die Ecke. Einen eigenen Pool hatten die meisten Prominenten auch. Warum kamen sie trotzdem zu Ihnen?

          Bei uns fühlten sich die Celebritys gut aufgehoben und umsorgt. Wir wussten, wie sie die Cocktails am liebsten tranken und ob sie nach dem Schwimmen Senf oder Mayonnaise auf dem Sandwich mochten. Aber die Stars nutzten den Pool auch, um sich in Szene zu setzen. Katharine Hepburn sprang einmal in ihrem Tennis-Outfit vom Dreimeterbrett und ging anschließend tropfnass nach Hause. Der Sprung dürfte ihr Image als eine der eigenwilligsten Schauspielerinnen Hollywoods mehr gefördert haben als jede PR-Kampagne.

          Verirrten sich auch Starlets an den Pool, um Produzenten oder Regisseure zu beeindrucken?

          Ja, manchmal hatten sie sogar Erfolg. Ich erinnere mich noch gut an die damals fast unbekannte Raquel Welch, die sich Anfang der sechziger Jahre in einem knappen Bikini am Beckenrand in Pose setzte. Wenn sie aufstand, streifte sie eine Art Negligé über, das mehr zeigte als verdeckte. Ihr Körper war einfach atemberaubend. Alle starrten sie an, ich natürlich auch. Irgendwann hat jemand am Pool ein Foto von ihr aufgenommen und dem Filmemacher Dino De Laurentiis geschickt. Das war der Beginn ihrer Weltkarriere.

          Haben Sie sich in den 42 Jahren als „Pool Prince of the Pink Palace“ auch mal in einen Star verliebt?

          Ich habe mich gelegentlich verzaubern lassen. An meinem ersten Arbeitstag begegnete mir auf dem Weg zum Pool eine hübsche Blondine. Sie hatte ein enganliegendes Kleid an. Ich konnte sehen, dass sie keine Unterwäsche trug. Sie wünschte mir schüchtern guten Morgen. Später meinte der Page, dass ich gerade Marilyn Monroe kennengelernt hatte. Ihre Haut sah phantastisch aus, fast wie Milch.

          Blieb das Ihre einzige Begegnung mit Marilyn Monroe?

          Nein, sie wohnte oft wochenlang in einem der Bungalows neben dem Pool. Das lief bei einem Sexsymbol wie ihr aber nicht immer reibungslos. Während der Dreharbeiten zu dem Film „Machen wir’s in Liebe“ hatte sie 1960 eine Affäre mit ihrem Kollegen Yves Montand. Da er mit Simone Signoret verheiratet war und Marilyn mit Arthur Miller, lag immer eine gewisse Spannung in der Luft. Zu allem Übel wohnten die beiden auch noch Tür an Tür in den Bungalows 20 und 21.

          Wo wollten die Stars am liebsten sitzen? Gut sichtbar auf einer der grünweiß gestreiften Liegen am Beckenrand, mit anderen Gästen an der Pool-Bar oder versteckt in einem der luxuriösen Zelte, den Cabanas?

          Fred Astaire setzte sich jeden Freitag unter einen Sonnenschirm, um die Branchenblätter „Hollywood Reporter“ und „Variety“ zu lesen. Seinen Rolls-Royce parkte er derweil neben dem Pool. Er wollte das Auto immer im Auge behalten. Rex Harrison hatte eine Vorliebe für die etwas abgelegenen Cabanas. Er und seine Ehefrau Rachel Roberts legten sich gern nackt in die Sonne. Liz Taylor musste ich Anfang der Achtziger in einem der Zelte vor dem Getuschel der anderen Gäste in Sicherheit bringen. Damals hatte sie ziemlich zugenommen, was abschätzig kommentiert wurde. Liz hat übrigens sechs ihrer acht Flitterwochen im Beverly Hills Hotel verbracht.

          „Gelegentlich verzaubert“: Ex-Pool-Boy Svend Petersen.
          „Gelegentlich verzaubert“: Ex-Pool-Boy Svend Petersen. : Bild: Beverly Hills Hotel

          Bevor Sie im Sommer 1959 nach Kalifornien kamen, waren Sie in Dänemark Mitglied des nationalen Schwimmteams. Hat Ihnen das am Pool geholfen?

          Gelegentlich habe ich Celebritys Schwimmunterricht gegeben. Als Vorbereitung auf den Film „Meine liebe Rabenmutter“ habe ich Faye Dunaway eine Kraultechnik aus den Vierzigern gezeigt. Wir haben bei strömendem Regen drei sehr, sehr lange Tage im Becken verbracht.

          Früher ließen Prominente ihre Namen über den Pool-Lautsprecher ausrufen, um sich bei den anderen Gästen ins Gespräch zu bringen. Kommt das immer noch vor?

          Die Zeiten sind leider vorbei. Die Reaktionen waren schon bemerkenswert, wenn damals ein aufgeregtes „Cary Grant, bitte dringend zum Telefon!“ über das Becken schallte. Mobiltelefone und Textnachrichten haben dem Spaß ein Ende bereitet. Aber auch Hollywood hat sich verändert. In den sechziger und siebziger Jahren gab es ein paar Dutzend Stars, die die ganze Welt kannte. Heute gibt es eine unübersichtliche Schar von Schauspielern, die durch ihre Bodyguards abgeschirmt werden. Der Glamour hat sich abgenutzt.

          Jedes Jahr kommen Zehntausende Touristen mit der Erwartung nach Los Angeles, ein paar Stars hautnah zu erleben. Die Reiseführer lotsen sie unter anderem in das „Beverly Hills Hotel“. Wie werden am Pool allzu aufdringliche Verehrer auf Abstand gehalten?

          Sie kommen gar nicht so weit. Das Schwimmbad steht ausschließlich Hotelgästen offen, die der „pool guy“ persönlich begrüßt. Auch die Paparazzi haben bei uns kein Glück. Der Sicherheitsdienst fängt sie sofort ab. Prominente wie Uma Thurman, Mark Wahlberg und Mary J. Blige sollen hier entspannen können, ohne auf Schritt und Tritt von einer Kamera verfolgt zu werden. Das gehört zur Tradition des Hauses. So konnten vor fast fünfzig Jahren schon die Beatles unbeobachtet in den Pool springen, als sie das erste Mal nach Beverly Hills kamen.

          Sind Sie ab und zu auch mit den Celebritys baden gegangen?

          Das bleibt mein Geheimnis.

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